Konjunktur Aufschwung läuft länger

Die deutsche Wirtschaft hat noch Puste. Das DIW rechnet in diesem Jahr neuerdings mit 2,0 Prozent, der DIHK sogar mit 2,3 Prozent Wachstum. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer hinterlässt nur eine kleine Delle.

Hamburg - Der Aufschwung setzt sich anscheinend in diesem Jahr fort. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erhöhte am Mittwoch seine Wachstumsprognose für 2007 auf 2 Prozent. Bislang war es von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,8 Prozent ausgegangen. Am Dienstag hatte das Statistische Bundesamt das BIP-Wachstum für 2006 offiziell von 2,5 auf 2,7 Prozent angehoben.

Allerdings hat die Wirtschaft nach Berechnungen des DIW zu Jahresbeginn deutlich an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt werde im ersten Quartal nur noch um gut 0,4 Prozent zulegen, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturbarometer. Im Schlussquartal 2006 hatte das Plus noch 0,9 Prozent betragen.

Der Rückgang sei aber nur vorübergehend. Die Delle in den ersten drei Monaten ist nach Angaben der Forscher auf die höhere Mehrwertsteuer zurückzuführen. Diese hatte Ende 2006 zu vorgezogenen Käufen geführt, die jetzt wegfallen. Stütze der Konjunktur zu Jahresbeginn sind die Dienstleister. Unternehmensnahe Dienstleister dürften dabei mit 0,6 Prozent besonders stark zulegen. Die Bauwirtschaft wird den Angaben nach um 0,3 Prozent zulegen, während die Industrie stagniere.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erhöhte seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr sogar von bislang 1,5 auf 2,3 Prozent. "Der aktuelle Aufschwung erweist sich als Langläufer. Er zeigt Durchhaltevermögen", folgerte der Verband am Mittwoch in Berlin auf Grundlage einer Umfrage unter mehr als 25.000 repräsentativ ausgewählter Unternehmen.

Die gute Konjunktur wirkt sich aus DIHK-Sicht spürbar positiv auf dem Arbeitsmarkt aus. "Zu Jahresbeginn 2007 ist ein klarer Aufwärtstrend bei der Beschäftigung zu erkennen", hieß es. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen habe das höchste Niveau seit 1991. Inzwischen zeichne sich sogar ab, dass der Fachkräftemangel in Teilen der Industrie zunehmend zum Wachstumshemmnis werde. Vor allem im gewerblich-technischen Bereich behinderten personelle Engpässe bereits Expansionspläne.

Gesamtwirtschaftlich wird die Bremswirkung der höheren Mehrwertsteuer aus Sicht des DIHK durch die hohe Kraft der Exportimpulse "nach und nach überlagert" werden. Die Exporterwartungen der Unternehmen hätten wieder deutlich zugelegt. Das bislang hohe Expansionstempo der Weltwirtschaft werde sich nach Einschätzung der Unternehmen im laufenden Jahr nur leicht abschwächen.

Deutsche Exporteure dürften besonders stark von den weiter boomenden Schwellenländern Asiens profitieren. Allerdings bekommen sie nach Einschätzung des DIHK die Yen-Schwäche zu spüren. "Bei dem jetzigen Niveau beginnt es für die Unternehmen schwierig zu werden, insbesondere wenn sie auf japanische Konkurrenten treffen", sagte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke am Mittwoch in Berlin. Die Automobil- und Elektroindustrie sei besonders betroffen.

Der deutsche Maschinenbau verzeichnet derzeit das dynamischste Wachstum seit mehr als 30 Jahren. Im laufenden Jahr soll die Produktion real um 4 Prozent zulegen, berichtete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) am Mittwoch in Frankfurt am Main. Damit wäre die deutsche Schlüsselindustrie in vier Jahren um 23 Prozent gewachsen. Ein so starkes Wachstum habe es seit Ende der 60er Jahre nicht mehr gegeben. Im Boom-Jahr 2006 kletterte die Produktion preisbereinigt um 7,4 Prozent auf 158 Milliarden Euro. Die Industrie mit 880.000 Mitarbeitern schuf 20.000 neue Arbeitsplätze.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa-afx

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