Volkswagen Piëch bleibt bis 2012 Chefkontrolleur

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch haben sich nach Informationen von manager-magazin.de auf eine neue Machtverteilung bei Volkswagen geeinigt. Piëch, der vor Monaten seinen Rückzug angekündigt hatte, bleibt nun doch für weitere fünf Jahre Chefkontrolleur. Wulff stimmte zu, denn der 69-jährige Porsche-Erbe schütze VW vor feindlichen Übernahmen.

Wolfsburg - Im Vorfeld der EU-Entscheidung über das VW-Gesetz hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, selbst Mitglied im Aufsichtsrat von Volkswagen , mit dem Gremium über die künftige Strategie abgestimmt. Seit 1960 konnte keine Entscheidung bei dem Wolfsburger Konzern gegen die Stimme des Landes im Aufsichtsrat gefällt werden. In wenigen Monaten wird dieses Sonderrecht aller Voraussicht nach durch die EU kassiert werden.

Eine Konsequenz wird sein, dass Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seine Ankündigung, den Posten zu räumen, nicht wahr machen muss. Wulff hatte dies öffentlich gefordert, nachdem Porsche  im Herbst 2005 bei Volkswagen eingestiegen war. Piëch ist mit einigen Verwandten im Besitz aller stimmberechtigten Aktien des Zuffenhausener Sportwagenkonzerns, außerdem gehört ihm der Osteuropa-Vertrieb von VW.

Mehrheit im Aufsichtsrat für Piëch

"Die Großaktionäre wie das Land Niedersachsen und Porsche sollten nach meiner Meinung den Aufsichtsratsvorsitz nicht anstreben", hatte Wulff noch im vergangenen November gefordert.

Nun aber wird Piëch am 2. März erneut nominiert und zur Hauptversammlung am 19. April einstimmig vom Aufsichtsrat in seinem Amt als dessen Vorsitzender bestätigt werden, erfuhr manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen. Zwei Tage nach seinem 70. Geburtstag wird Piëch damit für fünf weitere Jahre gewählt sein.

Auch Tui-Chef Michael Frenzel und Roland Oetker, Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, werden ihre Aufsichtsratsposten behalten.

Front gegen Finanzinvestoren

Front gegen Finanzinvestoren

Aus politischen Kreisen in Niedersachsen hieß es, man habe bezüglich der Personalie Piëch eingelenkt, weil der Konzern in der derzeitigen angespannten Situation keine weitere Irritation vertrage. Porsche und das Land müssten in den kommenden Jahren vielmehr als Großaktionäre kooperieren und VW vor möglichen Übernahmeversuchen durch Finanzinvestoren geschlossen schützen.

Der neue Vorstandschef Martin Winterkorn werde den unter Vorgänger Bernd Pischetsrieder und Ex-VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard begonnenen Weg "mit mutigen Entscheidungen weiterführen", hieß es in den Kreisen weiter. Zudem wollten sowohl der Betriebsrat als auch Porsche mit Piëch als AR-Chef weitermachen - dies müsse die Landesregierung in ihrer Entscheidung berücksichtigen.

Ihr blieb allerdings auch kaum etwas anderes übrig. Piëch hatte im Aufsichtsrat 13 von 19 Stimmen - die eigene ausgenommen - so gut wie sicher. Nur wenn er diese nicht bekäme, hätte Wulff eine Chance gehabt, Piëch im zweiten Wahlgang zu verhindern. Bei dieser Wahl bestimmen die Anteilseigner den AR-Chef mit einfacher Mehrheit, die Arbeitnehmervertreter seinen Stellvertreter.

Niedersachsen behält faktische Sperrminorität

Auch mit Piëch an der AR-Spitze sehen die Landesregierung und insbesondere Wulff den Konzern auf dem richtigen Weg, als ein Beleg wird die Aufdeckung der VW-Affäre genannt. Niedersachsen werde an seinem VW-Anteil unter allen Umständen festhalten, da der Landesanteil (20,7 Prozent) auch ohne die VW-Sonderregelung in der Praxis für eine faktische Sperrminorität ausreiche. Der Stimmenanteil des Landespakets auf einer Hauptversammlung fiele nämlich erst dann unter die notwendigen 25 Prozent, wenn die Präsenz der Aktionäre bei mehr als 83 Prozent läge. Ein Wert, der in der Praxis nur in seltenen Ausnahmen erreicht wird.

Auch zur lange umkämpften Frage, wie viele Vertreter Porsche als Großaktionär in den VW-Aufsichtsrat entsenden kann, ist es nach Informationen von manager-magazin.de zu einer Einigung gekommen. Porsche hatte drei Aufsichtsratsmandate gefordert und Ex-VW-Vorstandschef Piëch dabei nicht mitgezählt.

In mehreren Telefonaten mit der Konzernspitze hatte Wulff in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, Porsche solle nur zwei Mandate - Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter - bekommen, Piëch müsse den Aufsichtsrat verlassen. Jetzt bekommt Porsche drei Mandate inklusive Piëch, darf aber als größter Aktionär den AR-Chef (Piëch) vorschlagen. Wulff wird zustimmen - und der Rest der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat auch.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.