Mittwoch, 27. Mai 2020

EADS Sanfte Sanierung

Die Zukunft der angeschlagenen EADS-Tochter Airbus wird jetzt von deutschen Politikern mitbestimmt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff nehmen die Airbus-Manager in die Pflicht, die anstehende Firmensanierung nicht übermäßig zulasten der deutschen Werke voranzutreiben.

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ist am Dienstagmorgen in Berlin mit der Führung des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS Börsen-Chart zeigen und dessen angeschlagener Tochter Airbus zusammengekommen. Am Nachmittag will sich den Angaben zufolge auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mit dem französischen und dem deutschen Manager in Berlin treffen.

Flugrichtung unklar: Deutschlands Airbus-Beschäftigte fürchten die Sanierung des Unternehmens zu ihren Lasten
Bei dem Gespräch mit den beiden EADS-Vorstandsvorsitzenden Thomas Enders und Louis Gallois, der zugleich Airbus-Chef ist, hat sich Glos für den Erhalt von Airbus-Arbeitsplätzen in Deutschland bei der bevorstehenden Sanierung starkgemacht. Spekulationen zufolge sind in Deutschland bis zu 8000 der 23.000 Arbeitsplätze bedroht.

"Mein Ziel ist, dass die deutschen Standorte nicht überdurchschnittlich zur Ader gelassen werden", sagte Glos zuvor im ZDF-"Morgenmagazin". Zudem würden auch in Zukunft modernste Technologien in Deutschland gebraucht, damit "wir nicht auf mittlere und längere Sicht ins Hintertreffen geraten".

Zugleich räumte Glos ein, dass Airbus seine Produktion verstärkt auf Zulieferfirmen verlagern müsse. "Wir müssen darauf achten, dass Deutschland dabei nicht unter die Räder kommt", betonte der Minister. Glos hatte seine Verhandlungsstrategie am Montag mit den vier betroffenen Ländern Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg abgestimmt.

Niedersachsens Ministerpräsident Wulff hatte gegenüber Redakteuren der Tageszeitung "Die Welt" die Befürchtung geäußert, dass "manche im Konzern" sich durch einen Verkauf deutscher Produktionsstätten "Kapital beschaffen wollen". Er forderte "für alle Standorte eine vernünftige Perspektive". Deutschland dürfe nicht "die verlängerte Werkbank von Airbus werden, etwa in der Flugzeugrumpf- und Kabinenfertigung".

Airbus, eine Tochter des deutsch-französischen EADS-Konzerns, plant wegen zusätzlicher Milliardenlasten durch die Verkehrsflugzeuge A380 und A350 Stellenstreichungen. Die IG Metall hält den Abbau von 10.000 Stellen in Deutschland bei Airbus und Zulieferern für möglich.

Airbus-Chef Gallois will Einzelheiten des Sparprogramms Power 8 Anfang nächster Woche vorstellen. Der Flugzeugbauer beschäftigt an 16 Standorten in Europa rund 57.000 Mitarbeiter, davon rund 23.000 in Deutschland.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa-afx

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