Airbus Krisentreffen am Montag

Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat den Mitarbeitern von Airbus bei einem Besuch des Werks in Bremen die volle Unterstützung der Bundesregierung zugesichert. Für Montag hat Wirtschaftsminister Michael Glos ein Krisentreffen einberufen, Frankreich und Deutschland wollen die Lasten der Airbus-Sanierung gemeinsam tragen.

Bremen - Viel Zeit hat Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nicht. Er muss zur traditionellen Schaffermahlzeit ins Bremer Rathaus. Dennoch schiebt er am Freitag einen Blitzbesuch im Bremer Werk des europäischen Flugzeugbauers Airbus ein. In der aktuellen Krise will er den rund 3500 Mitarbeitern am Standort Bremen den Rücken stärken.

In der Montage- und Ausrüstungshalle des A 400M lässt Tiefensee sich kurz von einem Flugzeuggerätebauer dessen Arbeit erklären. Der 27-jährige Airbus-Beschäftigte ist angesichts der angekündigten drastischen Sparpläne der Konzernleitung besorgt. "Ein mulmiges Gefühl hat man schon", sagt er.

Nach Ansicht des Bremer Airbus-Betriebsratschefs Johann Dahnken haben die Mitarbeiter dieses Gefühl zu Recht. Denn im Bremer Werk stünden 1200 Arbeitsplätze zur Disposition. Für jeden entlassenen Airbus-Mitarbeiter würde auch eine Stelle bei einem Zulieferer wegfallen, sagt Dahnken. Dabei sei der Flugzeugbau bei Airbus eine Erfolgsstory.

Bundesweit sind nach Schätzung des Betriebsrats bis zu 8000 Arbeitsplätze bedroht. Die Bundesregierung werde auf allen Ebenen darauf dringen, dass Arbeitsplätze und Standorte erhalten blieben, betont Tiefensee bei seinem Besuch in Bremen. Dabei gebe es eine Palette an Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass der Einfluss der deutschen Seite stark bleibe. Wie diese konkret aussähen, sagt er allerdings nicht.

Am 20. Februar will das Unternehmen dem europäischen Betriebsrat den Sanierungsplan vorstellen. Bis dahin werde die Bundesregierung nicht untätig sein, sagt Tiefensee. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt in der Airbus-Krise sei schließlich auch der politische wichtig.

"Von der eigenen Führung erschlagen"

"Von der eigenen Führung erschlagen"

Airbus sei ein europäisches Gemeinschaftsprojekt. Es müsse gezeigt werden, dass die europäische Zusammenarbeit funktioniert, "auch wenn es mal nicht ganz so einfach ist", fügt Tiefensee hinzu. Die Bundesregierung werde alles Erdenkliche tun, um die Ausgewogenheit der Standorte innerhalb Europas zu erhalten.

Das Sanierungsprogramm dürfe nicht einseitig zu Lasten deutscher Werke gehen, betont auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Bremerhavener Abgeordnete Uwe Beckmeyer, der den Minister begleitet.

"Wir haben eine vernünftige Arbeitsteilung in Europa", stimmt Dahnken ihm zu. "Wir sind kein Sanierungsfall." Alle Beschäftigten würden gebraucht. In Bremen werden unter anderem Flügel- und Rumpfteile montiert und Auftriebssysteme entwickelt.

Dahnken hofft, dass bald die Angst von der Belegschaft genommen wird. Der angekündigte Sanierungsplan habe die Mitarbeiter tief getroffen. "Es fühlt sich so an, als würde man von der eigenen Führung erschlagen", sagt der Bremer Betriebsratschef. Nun hofft er auf "versöhnliche Töne".

Unterdessen haben die Bundesregierung und die betroffenen Bundesländer einem Pressebericht zufolge ein Krisentreffen über die Auswirkungen der Airbus-Sanierung vereinbart. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) habe seine Länderkollegen für Montag eingeladen, berichtete das "Handelsblatt" am Freitag in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf Regierungskreise.

Ziel sei es, eine gemeinsame Bund-Länder-Front abzusprechen. Eine Ministeriumssprecherin wollte den Bericht auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren. Am Dienstag will Airbus-Chef Louis Gallois den Angaben nach mit den Ministern über die Sanierungspläne und ihre Auswirkungen auf die deutsche Werke sprechen. Betriebsräte befürchten den Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen bei der Tochter des EADS-Konzerns .

Merkel telefoniert mit Villepin

Merkel telefoniert mit Villepin

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Freitagabend mit Frankreichs Ministerpräsident Dominique de Villepin über die Sanierung des Flugzeugherstellers Airbus gesprochen. In einem Telefonat hätten sie sich darauf geeinigt, dass beide Länder die Lasten gemeinsam tragen, sagte die CDU-Politikerin bei einer Veranstaltung in Bremen.

"Wir haben uns auf gemeinsame Grundsätze verständigt, gerade auch in dem Sinne, dass Deutschland und Frankreich Lastenteilung und Umstrukturierung gemeinsam tragen". Außerdem sei ein Höchstmaß an Transparenz nötig, um den Betroffenen die Umstrukturierungen zu erklären.

"Ich glaube, dass wir uns alle einig sind: Wenn wir hier ein europäisches Unternehmen haben, dann müssen die Interessen jedes Partners in diesem Unternehmen gleichermaßen berücksichtigt werden." Wegen Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 hat Airbus im vergangenen Jahr wohl rote Zahlen geschrieben und auch seiner Konzernmutter EADS die Bilanz verhagelt.

Mit dem Sanierungsprogramm "Power8" soll Airbus wieder auf Spur gebracht werden. EADS will Milliarden sparen. Die deutschen Gewerkschaften fürchten, dass die Sanierungsbemühungen, zu denen auch Stellenstreichungen und Werksschließungen gehören können, zu Lasten der deutschen Standorte gehen könnten.

Merkel äußerte sich, nachdem DaimlerChrysler bekanntgeben hatte, ein Drittel seiner Beteiligung an EADS an ein Konsortium von Banken und Bundesländern verkauft hat. Damit will Deutschland die Machtbalance mit Frankreich in dem vor sieben Jahren geschmiedeten deutsch-französischen Konzern sichern, der vor tief greifenden Umstrukturierungen steht.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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