Energie Gazprom macht Kohle

Der russische Energieriese Gazprom wächst in neue Branchen. Russischen Berichten zufolge übernimmt der Staatskonzern eine Kohlegesellschaft in Sibirien. Russische Kraftwerke sollen auf Kohle umsteigen, damit mehr Gas exportiert werden kann.

Moskau - Der russische Gasförderer Gazprom  will durch den Einstieg ins Kohlegeschäft zu einem großen Stromproduzenten im Land aufsteigen. Dazu übernehme der staatlich kontrollierte Gaskonzern die große Sibirische Kohle- und Kraftwerks-Gesellschaft SUEK, berichteten russische Medien am Freitag. Gazprom bringe seinen Anteil von 11,6 Prozent am größten Stromversorger EES Rossii in das neue Unternehmen ein. Das Joint Venture zwischen SUEK und Gazprom werde ein Drittel des russischen Marktes für Kraftwerkskohle sowie Stromerzeugungs- Kapazitäten im Wert von 4 Milliarden Dollar (3,1 Mrd Euro) kontrollieren.

Gazprom-Vorstand Alexej Miller und SUEK-Präsident Wladimir Raschewski hätten am Donnerstag ein Absichtsprotokoll unterzeichnet. Gazprom werde eine Mehrheit von 50 Prozent plus eine Aktie an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Ziel sei die Umstellung eines Teils der mit Gas betriebenen Kraftwerke auf Kohle, schrieb die Wirtschaftszeitung "Wedomosti". Das eingesparte Gas werde exportiert.

Nach Analystenschätzung beträgt der Börsenwert von SUEK derzeit fünf bis sieben Milliarden Dollar. Größter SUEK-Aktionär ist die auf Zypern eingetragene Firma Donalink mit 99,84 Prozent. Donalink wird von den russischen Unternehmern Andrej Melnitschenko und Sergej Popow kontrolliert. 2006 hatte SUEK 89,7 Millionen Tonnen Kohle gewonnen und 23,7 Millionen Tonnen exportiert. Der Konzern besitzt 77 Kohlebergwerke und hohe Anteile an 27 regionalen Stromproduzenten.

Durch die Zusammenarbeit mit SUEK nähere sich Gazprom dem Ziel, zu einem universellen Energieunternehmen von Weltniveau aufzusteigen, sagte der Vorsitzende des Gazprom-Aufsichtsrates, der russische Vizeregierungschef Dmitri Medwedew. 2005 hatte Gazprom bereits den großen Ölproduzenten Sibneft (jetzt Gazpromneft) geschluckt. Raschewski rechnet mit einem starken Synergieeffekt durch die Fusion. Russland habe nach den USA die zweitgrößten Vorräte an Braunkohle. Die Förderung könne um ein Mehrfaches gesteigert werden, sagte der SUEK-Chef.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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