Donnerstag, 2. April 2020

Gas-Opec Das Kartell Moskau-Teheran

3. Teil: Ein Weltmarkt entsteht

Ein Weltmarkt entsteht

Allmählich verändert sich der starre Gasmarkt. Ein wichtiger Grund dafür ist der Trend zu Flüssiggas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG). Mit dem flexibleren Transport auch kleinerer Mengen per Schiff sind kurzfristige Verträge und Marktpreise besser zu vereinbaren. Derzeit hat LNG nach Angaben der Internationalen Energieagentur lediglich einen Weltmarktanteil von unter 7 Prozent. Bis 2010 soll der Anteil in den Industrieländern aber auf 20 Prozent steigen.

Pipeline in Sibirien: Wachsende Konkurrenz von Flüssiggas
Vor allem im wachsenden asiatischen Markt spielt LNG eine große Rolle. Doch auch im Atlantikmarkt wächst der Wettbewerb und lässt die regionalen Einzelmärkte zusammenwachsen. "Die Preisdifferenz zwischen den USA und Großbritannien hat schon einen Einfluss darauf, wohin die Schiffe fahren", sagt der Gasmarktexperte Heiko Lohmann.

"Immer größere Mengen werden frei gehandelt", sagt Berthold Hannes, Rohstoffanalyst von Bain & Company. Langfristig werde auf diese Weise ein Weltmarkt für Erdgas entstehen. Möglicherweise bereite sich Russland mit der Rede von einer Gas-Opec darauf vor, dass sich dann der Gaspreis vom Ölpreis abkoppelt. Bis dahin sei es jedoch noch ein langer Weg, "die Exporteure haben so unterschiedliche Interessen". Katar etwa ist schnell zum Marktführer für LNG aufgestiegen, während Russland sein Gas bislang ausschließlich durch Pipelines ausführt. Iran dagegen hat noch gar keine tragfähige Exportinfrastruktur.

Diese unterschiedlichen Interessen haben wohl auch dazu geführt, dass aus dem ersten Versuch, die Exporteure zu organisieren, bislang nicht viel geworden ist. Im Gas Exporting Countries Forum (GECF) treffen sich seit 2001 in unregelmäßigen Abständen Minister aus mehreren wichtigen Gas produzierenden Ländern. Die Organisation ist tatsächlich nach dem Vorbild der Opec aufgebaut, kam aber über einen Ideenaustausch bisher nicht hinaus. Sie hat nicht einmal eine Webseite. "Es ist unwahrscheinlich, dass daraus eine 'Gas-Opec' wird, wenn auch nicht unmöglich", schreibt Hadi Hallouche vom Oxford Institute for Energy Studies in einer Studie.

Auch Hallouche verweist auf ein "mögliches Überangebot in der Zukunft", das ein Anlass für die Produzenten wäre, sich auf Förderquoten zu einigen. Russland könnte also seine aktuelle gute Marktposition nutzen, um für schlechte Zeiten vorzusorgen.

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