IG Metall Startschuss für heißes Tarifjahr

2007 drohen in zahlreichen Branchen Arbeitskämpfe - viele Tarifverträge laufen aus, und die Gewerkschaften fordern ordentlich Nachschlag. Die IG Metall setzt mit ihrer Forderung von 6,5 Prozent mehr schon mal ein Signal - doch auch für andere Gewerkschaften wie für die Arbeitgeber steht in diesem Jahr viel auf dem Spiel.

Frankfurt am Main - Die Forderungsempfehlung von 6,5 Prozent gab der Vorstand der IG Metall am Dienstag in Frankfurt. "Die Metall- und Elektroindustrie kann eine Erhöhung in der Größenordnung von 6,5 Prozent locker verkraften und finanzieren" sagte der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters.

Die endgültige Forderung für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche wird am 26. Februar nach einer weiteren Diskussionsrunde in den Bezirken beschlossen. Die regionalen Verhandlungen beginnen am 12. März mit dem Auftakt in Nordrhein-Westfalen. Die Tarifverträge laufen Ende März aus.

2006 war die IG Metall mit einer Forderung von 5 Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen, am Ende waren 3 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie variable Einmalzahlungen vereinbart worden.

Die Arbeitgeberseite hatte sich zuvor für einen Abschluss von unter 3 Prozent ausgesprochen. Er erwarte zwar wieder "ein ordentliches Jahr", hatte der Chef des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, am Wochenende erklärt. Ein moderater Abschluss sei aber nötig, damit die Arbeitgeber weitere Jobs in der Industrie schaffen könnten. Es sei nicht ratsam, "die hervorragende Entwicklung des vergangenen Jahres einfach linear fortzuschreiben".

2007 wird Schlüsseljahr für die Tarifpolitik

Aufgrund der soliden Entwicklung der Konjunktur sehen die Gewerkschaften wenig Anlass, auf die Befürchtungen der Arbeitgeberseite Rücksicht zu nehmen. Sie fordern "ordentliche" Lohn- und Gehaltserhöhungen und verweisen auf die deutlich gestiegenen Unternehmensgewinne. Zudem stehen bei den unter Mitgliederschwund leidenden Gewerkschaften selbst wichtige Termine an: Vor allem IG Metall und Verdi wollen vor ihren Bundeskongressen im Herbst mit vorzeigbaren Tarifabschlüssen für ihre Arbeit werben.

Ende April treffen sich Vertreter der IG Bau zu einem außerordentlichen Gewerkschaftstag: Bereits Ende März läuft die Tarifbindung im Baugewerbe aus. Am 29. September beginnt dann in Leipzig der zweite ordentliche Bundeskongress der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: Dieser Kongress findet alle vier Jahre statt - wichtiges Thema werden die Tarifpolitik und der erreichte Abschluss zum Beispiel im Bereich Einzelhandel sein.

Am 4. November beginnt dann ebenfalls in Leipzig der ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall. Jürgen Peters, der voraussichtlich von Berthold Huber als Chef der Industriegewerkschaft abgelöst wird, will noch einmal Flagge zeigen und dürfte mit besonderem Elan in die aktuellen Tarifverhandlungen gehen.

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