EU-Abgasrichtlinie Deutsche Autobauer setzen auf Nachsicht

Die deutschen Autohersteller haben gegen die verschärften Abgasrichtlinien der EU-Kommission protestiert und stehen vor einem Teilerfolg: Zwar dürften die Hersteller gesetzlich verpflichtet werden, den CO2-Ausstoß zu senken. Doch die Vorgaben für die Motoren werden wohl weniger streng ausfallen als vermutet.

Brüssel - Die 27 Kommissare dürften am Mittwoch wohl dafür plädieren, die Selbstverpflichtung der Autobauer zur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes bis 2012 gesetzlich festzuschreiben. Allerdings sollten die Hersteller den maximalen Ausstoß von im Durchschnitt 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer nicht allein über sparsamere Motoren erreichen müssen, hieß es in Kommissionskreisen am Montagabend.

Auch ein stärkerer Einsatz von Biokraftstoffen und neuer Fahrzeugtechnik in anderen Bereichen als im Motorbereich könnten zu diesem Ziel beitragen.

Die Autohersteller müssten damit den Durchschnittsausstoß der Neuwagen bis 2012 wohl lediglich auf 130 von derzeit 161 Gramm begrenzen, hieß es. Fünf Gramm könnten über Biokraftstoffe erreicht werden, weitere fünf Gramm etwa über Gangschaltungen oder modernere Reifen.

Der CO2-Ausstoß hängt direkt mit dem Verbrauch zusammen. Kohlendioxid wird für die Erderwärmung verantwortlich gemacht. Der jüngste UN-Bericht zum Klimawandel hatte vor einer nahenden Klimakatastrophe gewarnt und die Menschen zum entschlossenen Gegensteuern aufgefordert.

Verheugen gegen 120-Gramm-Richtlinie

Verheugen verhindert strengere 120-Gramm-Richtlinie

Mit ihren Plänen für gesetzliche Grenzwerte reagiert die Kommission auf das voraussichtliche Scheitern der Selbstverpflichtung der Hersteller, bis 2008 den CO2-Ausstoß auf 140 Gramm im Durchschnitt zu begrenzen. Bis 2012 hatten die Autobauer sich auf 120 Gramm verpflichtet. Mit Hilfe der Bundesregierung und des deutschen Industriekommissars Günter Verheugen waren sie in den vergangenen Wochen aber gegen die Pläne von Umweltkommissar Stavros Dimas Sturm gelaufen, das 120-Gramm-Ziel gesetzlich festzuschreiben.

Verheugen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sahen besonders die deutschen Autohersteller belastet, die oft größere Modelle mit höherem Verbrauch herstellen als etwa Franzosen oder Italiener.

Umwelttechnologie: Jobkiller oder Jobschaffer?

Sollten die Kommissare der von ihren engsten Mitarbeitern am Montagabend abgesteckten Linie folgen, müsste die Industrie trotz der Zugeständnisse allerdings ihren Flottenverbrauch deutlich senken und effizientere Motoren entwickeln.

Anhänger einer strengen Klimaschutzpolitik sehen darin auch einen Anreiz zu Innovation und damit einen Wettbewerbsvorteil. Kritiker sagen deutlich steigende Autopreise und den Verlust Zehntausender Arbeitsplätze vorher. Eine rigide Linie von 120 g/km könnte nach Einschätzung der Deutschen Bank zu Mehrkosten von 600 bis 2500 Euro pro Auto führen.

manager-magazin.de mit reuters

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