EADS "Nichts ist für die Ewigkeit"

EADS-Co-Chef Tom Enders wehrt sich gegen Drohungen von Wirtschaftsminister Michael Glos, Rüstungsaufträge zurückzuziehen. Die Sorge, Standorte in Deutschland würden bei der Airbus-Sanierung besonders belastet, hält er für unbegründet. Unterdessen haben französische Mitarbeiter des Flugzeugbauers die Arbeit niedergelegt.

Paris/Berlin/Frankfurt am Main - Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS  prüft im Zuge seines Restrukturierungsprogramms Power 8, die Produktion einzelner Modelle jeweils an einem Standort zu konzentrieren. "Das ist sicherlich eine Möglichkeit. Es ergibt keinen besonderen Sinn, die Endmontage eines Modells an mehreren Standorten vorzunehmen", sagte der deutsche Co-Chef von EADS, Tom Enders, in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ).

Die Produktion der A320-Modellreihe bezeichnete Enders als "deutsche Domäne". Bei der geplanten Umstrukturierung müssten "unvermeidbare Härten auf mehrere nationale Schultern und fair verteilt werden". Insbesondere der Airbus-Betriebsrat hatte Befürchtungen geäußert, dass die deutschen Standorte zu Gunsten der französischen Fabriken benachteiligt werden könnten. Solchen Befürchtungen widersprach Enders.

Auf die Frage, ob sich das Unternehmen von Airbus-Standorten trennen werde, sagte Enders der "FAZ": "Nichts ist für die Ewigkeit in der Wirtschaft." Er bestätigte, dass EADS die Auslagerung verschiedener Fertigungsschritte prüfe.

Enders sprach sich gegen den Versuch politischer Einflussnahme auf die Sanierung der Tochtergesellschaft Airbus aus. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte offen mit dem Rückzug deutscher Rüstungsaufträge gedroht, wenn Deutschland bei der Airbus-Sanierung besonders hohe Lasten zu tragen habe. "Wenn dies wahr gemacht werden sollte, dann wüsste ich nicht, wie das der Stärkung deutscher Interessen dienen sollte", sagte Enders.

Er wies darauf hin, dass die Aufträge der Bundesregierung für EADS "nahezu ausschließlich in Deutschland abgearbeitet werden". Eine Auftragsvergabe an EADS vorbei könnte also auf Kosten von deutschen Arbeitsplätzen gehen, deutete er an.

Wie die "FAZ" weiter berichtet, wies ein Sprecher des Verteidigungsministeriums darauf hin, dass man aus den Rüstungsaufträgen bei EADS nicht so einfach aussteigen könne, weil es eine Vertragsbindung gebe.

Die Unionsfraktion verteidigt dennoch die deutlichen Warnungen von Wirtschaftsminister Glos an den Airbus-Mutterkonzern EADS. Dies sei eine "klare Ansage", dass Deutschland hier mit allen Mitteln Einfluss nehmen wolle, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Laurenz Meyer (CDU), am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Diese Ansage richte sich mehr an die französische Regierung als an den Konzern, da die Franzosen "direkt politisch Einfluss auf die Unternehmenspolitik" nähmen. "Da müssen wir schon gegenhalten", betonte Meyer.

Protest französischer Mitarbeiter

Protest französischer Mitarbeiter

Vier Tage nach der Mobilisierung der deutschen Gewerkschaften haben unterdessen die französischen Airbus-Mitarbeiter wegen der angekündigten Sanierung des Flugzeugbauers die Arbeit niedergelegt. "Der Aufruf zu der einstündigen Arbeitsniederlegung ist breit befolgt worden, fast 90 Prozent der 21.000 Mitarbeiter haben mitgemacht", sagte Gewerkschaftssprecher Jean-François Knepper von der Force Ouvrière am Dienstag am Airbus-Sitz in Toulouse.

Airbus Frankreich werde von der bevorstehenden Sanierung erheblich betroffen sein, erläuterte Knepper. Es gehe "um etwa 30 Prozent Verringerung der Kosten, was zum Abbau von etwa 10.000 Arbeitsplätzen führen könnte."

"Diese Arbeitsniederlegung war ein Warnschuss, den die Airbus-Leitung zur Kenntnis nehmen sollte", fügte Knepper ab. Der Mutterkonzern EADS habe dies bereits getan und die ursprünglich am Dienstag in Paris geplante Sitzung zum Sanierungsprogramm Power 8 "wegen der Spannungen im Unternehmen" verschoben. Power 8 werde "drastische Konsequenzen für die Mitarbeiter haben, die Arbeitsplätze und die Zukunft der Produktionsstätten wie der Programme betreffend".

Die Airbus-Leitung bestätigte die starke Mobilisierung an den französischen Standorten des Flugzeugbauers. Die Gewerkschaft CGT rief am Dienstag die Airbus-Beschäftigten in Europa dazu auf, "die begonnene Mobilisierung fortzusetzen und auszuweiten, damit sie ihr Gewicht bei den anstehenden Entscheidungen in die Waagschale werfen" mit dem Ziel einer industriellen und sozialen Alternative zu Power 8. Der europäische Flugzeugbauer hat insgesamt 55.000 Beschäftigte.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dow jones, reuters

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