Airbus Glos droht EADS

Im Kampf gegen den möglichen Arbeitsplatzabbau in deutschen Airbus-Werken verschärft die Bundesregierung ihren Druck auf die Konzernmutter EADS. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos drohte dem Unternehmen mit dem Entzug von Rüstungsaufträgen, sollten wesentliche Teile der Airbus-Produktion nach Frankreich verlagert werden.

Berlin/München/Paris - "Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus - insbesondere im Rumpfbau - bestehen bleibt", sagte Glos der "Bild am Sonntag". Sollte das nicht der Fall sein, so müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS  überprüfen. "Den jetzt geplanten Abbau von Arbeitsplätzen und Hochtechnologie in Deutschland lassen wir uns unter keinen Umständen gefallen."

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte in dem Blatt eine Kapitalerhöhung bei Airbus. "Es dürfen jetzt nicht aus finanzieller Not heraus Entscheidungen getroffen werden, sondern wir müssen das fehlende Geld ins Unternehmen bringen." Das gehe nur über eine Kapitalerhöhung aller Eigner.

Airbus war durch Lieferverzögerungen beim Großraumflugzeug A380 und Entwicklungsprobleme beim A350 in die Krise geraten. Im Zuge des Sanierungsprogramms "Power8" stehen nach Befürchtungen von Arbeitnehmern nun bis zu 8000 der 23.000 Stellen in Deutschland auf der Kippe. Weitere 8000 Jobs sollen bei Zulieferern bedroht sein. Bereits Ende kommender Woche will der EADS-Vorstand dem Rundfunksender NDR 90,3 zufolge eine Vorentscheidung über die strategische Ausrichtung des Unternehmens und die Standorte für die kommenden zehn Jahre treffen.

Airbus wird die Arbeitnehmervertreter voraussichtlich am 20. Februar über mögliche Umstrukturierungen der Fertigung im Rahmen von "Power8" informieren. In Paris wird erwartet, dass Airbus dabei keine Ausgliederung von Werken ankündigen, sondern Produktivitätsziele und Optionen nennen wird. Es obläge dann den Werken, die Ziele im Konzernverbund zu erreichen oder Arbeiten nach außen zu verlagern.

Deutsche Werke produktiver?

Deutsche Werke produktiver?

In der Zwischenzeit wird weiter darüber spekuliert, welche Auswirkungen das Sanierungsprogramm für deutsche Standorte haben könnte. Der "Focus" berichtete am Samstag, eine interne Studie für "Power8" habe ergeben, dass deutsche Werke produktiver als französische seien.

Aus Konzernkreisen hieß es dagegen, die Studien zur Produktivität der Airbus-Werke zeigten keine entscheidenden Unterschiede. "Solche Studien machen wir seit langem, um zu sehen, wo wir im Konzern voneinander lernen können", erklärten Konzernkreise. "Die Werke liegen alle im gleichen Bereich: Das eine ist hier besser, das andere dort." Airbus-Chef Louis Gallois hatte im Januar in Paris ebenfalls erklärt, die Produktivität der Werke sei vergleichbar.

Dem "Focus" zufolge schnitt bei einer möglichen Bestnote von 5,0 Broughton (Großbritannien) mit 3,28 Punkten am besten ab vor Bremen (3,23). Buxtehude sei mit 2,40 das Schlusslicht gewesen. Das Magazin errechnete aus den Werten eine Länder-Rangliste, in der Deutschland mit 2,90 vor Frankreich mit 2,83 und Spanien mit 2,65 Punkten kam. Spitze waren demnach die Briten mit 3,01 Punkten.

Zuvor hatte eine Studie der Unternehmensberatung Stratorg für Wirbel gesorgt, der zufolge Airbus France schon erheblich mehr zur Produktivitätssteigerung getan habe als Airbus Deutschland. Laut der von französischen Gewerkschaften finanzierten Studie wurden in Frankreich schon 55 Prozent der Entwicklung und 45 Prozent der Fertigung ausgegliedert, davon drei Viertel an Firmen im Ausland. In Deutschland werde dagegen auch Zulieferarbeit im Lande gehalten. Anders als die Deutschen hätten die Franzosen zudem wegen "Power8" schon mit dem Abbau von 10 Prozent der Verwaltungsstellen begonnen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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