Natural gibt auf Eon auf der Zielgeraden

Nach gut einjährigem Kampf um die Übernahme der spanischen Endesa ist der Energiekonzern Eon auf der Zielgeraden. Die Düsseldorfer reichten am Freitag ihre lange blockierte Offerte bei der spanischen Börsenaufsicht ein.

Düsseldorf - Im Tauziehen um den führenden spanischen Stromversorger Endesa  hat der Energieriese Eon  als alleiniger Bieter alle Trümpfe in der Hand. Am Freitag reichte das Düsseldorfer Unternehmen bei der spanischen Börsenaufsicht (CNMV) sein endgültiges Gebot für Endesa ein.

Danach bestehe keine Möglichkeit mehr, die Offerte zu verändern, teilte Eon mit. Zuletzt hatte der Energieriese 34,50 Euro je Aktie oder knapp 37 Milliarden Euro für 100 Prozent des Aktienkapitals geboten. Der Mitwettbewerber Gas Natural  hatte einen Tag zuvor seinen Rückzug aus dem Bietergefecht erklärt. Der Verwaltungsrat der Endesa  wird sich am Dienstag treffen, um über das Eon-Gebot zu beraten. Das bestätigte der Chairman Manuel Pizarro am Freitag.

Eon  wies darauf hin, dass nach Abgabe der Offerte keine Möglichkeit mehr besteht, den Angebotspreis zu ändern. Der Konzern ließ zunächst offen, ob er eine aufgestockte Offerte vorlegen wird. Bislang bietet Eon 34,50 Euro für die Endesa-Aktie, die an der Börse derzeit mit 38,40 Euro gehandelt wird. Das Barangebot bewertet Endesa mit rund 36,5 Milliarden Euro. Eon will mit dem in Lateinamerika stark vertretenen spanischen Konkurrenten in die Weltspitze der Strom- und Erdgaskonzerne vordringen.

Aktie von Eon reagiert mit Kurssprung

Die Eon-Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf den Rückzug von Gas Natural. "Es ist nun wahrscheinlicher geworden, dass Eon sein Angebot nicht weiter aufstockt", kommentierte HVB-Analystin Karin Brinkmann. "Aber es ist immer noch möglich, dass Eon die Offerte anhebt, um den Großaktionär Acciona zu überzeugen."

Bereits in der vergangenen Woche waren die Chancen für Eon gestiegen, als Endesa-Großaktionär Acciona  sich bereit erklärte, seinen 21-prozentigen Anteil an den Düsseldorfer Konzern abzugeben, falls dieser die Kontrolle über Endesa  erlangt. Damit war Acciona von der Position abgerückt, die Unabhängigkeit von Endesa verteidigen zu wollen. Dies könnte auch für die Annahme der von Eon angestrebten Satzungsänderung von Bedeutung sein, wonach kein Investor über mehr als 10 Prozent der Stimmrechte verfügen darf. Eon nannte es eine Bedingung seines Gebots, dass die Endesa-Aktionäre diese Änderung billigen.

Der deutsche Konzern wollte die bereits im vergangenen Februar angekündigte Übernahme ursprünglich schon 2006 umsetzen, war aber auf unerwartet starken Widerstand gestoßen. So hatte sich die spanische Regierung quergelegt und die Regulierungsbehörde CNE mit einem Vetorecht bei Übernahmen ausgestattet. Damit zog sich die Regierung in Madrid allerdings den Ärger der EU-Kommission zu. Die EU warf Spanien vor, gegen die Gesetze zum freien Kapitalverkehr und die Niederlassungsfreiheit verstoßen zu haben. Auf Druck aus Brüssel zog die spanische Regierung einen Großteil der Auflagen zurück.

Es entstünde der weltgrößte Energiekonzern

Sollten sich Eon und Endesa am Ende tatsächlich zusammenschließen, entstünde der nach dem Börsenwert größte Energiekonzern der Welt. Er wäre deutlich größer als die bisherige Nummer eins, die französische EDF. Auch die italienische Enel  und den geplanten französischen Energieriesen Gaz de France  und Suez  würde Eon-Endesa übertreffen. Der neue Konzern wäre in allen wichtigen europäischen Märkten vertreten, außerdem auf dem lateinamerikanischen Markt.

Derzeit hat eine Fusionswelle die Energiebranche in Europa erfasst. Beobachter gehen davon aus, dass am Ende nur noch eine Handvoll von Riesenkonzernen übrig bleiben könnten. Erst am Donnerstag hatten sich die beiden größten niederländischen Energiekonzerne Essent und Nuon zusammengeschlossen. Zudem will die spanische Iberdrola  die britische Scottish Power  übernehmen. In Frankreich planen Gaz de France und Suez eine Fusion.

manager-magazin.de mit Material von dow jones und reuters