Airbus 10.000 Stellen auf der Kippe

Mehrere Politiker bestätigen, dass EADS-Co-Chef Tom Enders mit dem Wegfall von 10.000 Arbeitsplätzen bei Airbus rechnet - und, dass Werke verkauft werden. Kurz vor dem bundesweiten Airbus-Aktionstag warnen Politiker aller Couleur vor drastischen Schnitten. Hamburg und Bayern melden, dass sie Aktien der Airbus-Mutter EADS kaufen.

Berlin/Augsburg/Hamburg - Einen Tag nach Bekanntwerden angeblicher, gewichtiger Äußerungen von EADS-Co-CEO Tom Enders haben Politiker diese Aussagen bestätigt. Enders habe tatsächlich vom Wegfall von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen gesprochen und gesagt, man wolle die Werke abgeben, die nicht direkt an der Endfertigung beteiligt werden sollten, sagte der Vorsitzende der niedersächsischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Holger Ortel, dem Radiosender NDR Info am Donnerstag. Der Airbus-Mutterkonzern EADS  hatte entsprechende Angaben in einem Pressebericht am Vortag noch als Spekulation zurückgewiesen.

Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) hat den europäischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS zu Augenmaß bei der Umsetzung seines Sparprogramms bei Airbus aufgefordert. Im Rahmen des Programms Power8 müsse EADS die soziale Balance wahren und seiner beschäftigungspolitischen Verantwortung für die bayerischen Arbeitsplätze gerecht werden, sagte der Minister am Donnerstag bei einem Besuch am EADS-Standort in Augsburg.

Unmittelbare Auswirkungen für den Standort, der neben dem Schwerpunkt Militärflugzeuge auch als Zulieferer für Airbus fungiert, seien zwar nicht zu erwarten, aber auch nicht völlig auszuschließen, sagte Huber. Das Werk stehe grundsätzlich auf gesunden Beinen.

Hamburg nimmt 10 Prozent des Daimler-Aktienpakets

"Die bayerische Staatsregierung wird sich bei der Diskussion um Power8 intensiv einbringen", kündigte der Minister an. Der Freistaat will sich wie andere Bundesländer über seine Förderbanken an der Investorengemeinschaft beteiligen, die 7,5 Prozent der EADS-Aktien von DaimlerChrysler  erwerben will. Dieser Schritt liege im Interesse Bayerns, bekräftigte Huber. Die genaue Höhe der Beteiligung und das finanzielle Volumen waren bisher nicht genannt worden. Auch am Donnerstag machte ein Sprecher des bayerischen Finanzministeriums dazu keine Angaben.

Die Stadt Hamburg will sich unterdessen mit 10 Prozent an dem Konsortium beteiligen, wie die Wirtschaftsbehörde am Donnerstag bestätigte. Rein rechnerisch ergibt sich daraus ein Hamburger Investment von rund 160 Millionen Euro; diese Zahl wurde jedoch nicht bestätigt. Damit zeigt Hamburg als größter Airbus-Standort auch das stärkste finanzielle Engagement unter den norddeutschen Bundesländern. Niedersachsen beteiligt sich mit 80 und Bremen mit 30 Millionen Euro. Auch Baden- Württemberg will dabei sein sowie private und öffentliche Banken. Die genaue Aufteilung des Aktienpakets ist trotz mehrfacher Ankündigungen noch immer nicht offiziell.

Huber erklärte mit Blick auf den geplanten Einstieg bei der Investorengemeinschaft, aus nationalem Interesse dürfe es nicht sein, dass eine russische Bank mehr als fünf Prozent an EADS übernehme. "Wir wollen nicht, dass der russische Anteil bei EADS immer größer wird. Der entscheidende Anteil muss bei Deutschland und Frankreich bleiben."

Zuversicht bei Airbus Augsburg

Zuversicht bei Airbus Augsburg

Auch der Betriebsrat des EADS-Werkes in Augsburg sieht den Standort nicht unmittelbar von den geplanten Einschnitten bei Airbus betroffen. Man rechne nicht mit einem Beschäftigungsabbau, sagte der stellvertretende Betriebsratschef Bernd Herbich der Nachrichtenagentur dpa am Rande einer außerordentlichen Betriebsversammlung, zu der auch Beschäftigte des Standortes Donauwörth gekommen waren. An den für diesen Freitag geplanten Protestaktionen an verschiedenen Airbus-Standorten werde man sich daher nicht beteiligen.

Nach Einschätzung Hubers sind die Aussichten für die rund 2500 Beschäftigten bei EADS in Augsburg angesichts eines Auftragspolsters von rund sieben Milliarden Euro positiv. Die Staatsregierung sei bestrebt, gemeinsam mit dem Unternehmen die Arbeitsplätze noch sicherer zu machen, sagte Huber. Rund 22.500 Arbeitsplätze und damit rund 30 Prozent aller Jobs der deutschen Luftfahrtindustrie seien in Bayern angesiedelt.

Unterdessen haben Politiker quer durch alle Parteien Widerstand gegen mögliche Stellenstreichungen und Werksschließungen bei Airbus angekündigt. Das Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Standorten müsse gewahrt werden, erklärte Niedersachsens SPD-Chef Garrelt Duin am Donnerstag. Die Grünen-Politikerin Thea Dückert kritisierte, die deutschen Airbus-Beschäftigten müssten die Management-Fehler aus Toulouse ausbaden.

Glos: Deutsche Interessen wahren

Im Zuge seines Sanierungsprogramms Power8 plant Airbus nach Angaben des Betriebsrats, in Deutschland bis zu 8000 Stellen abzubauen und einzelne Standorte zu verkaufen.

Nach Angaben von Glos hat der Konzern in der Vergangenheit Fehler gemacht. "Nur wenn es jetzt um die Sanierung geht, müssen wir schauen, dass die Interessen der deutschen Standorte gewahrt bleiben", sagte der CSU-Politiker. Er verwies auf deutsche Fördergelder und darauf, dass das Verteidigungsministerium einen wesentlichen Teil seiner Investitionsgelder an den Airbus-Mutterkonzern EADS gebe.

Niedersachsens SPD-Chef Duin sagte dem Sender NDR Info, das Airbus-Sparprogramm könne zu Lasten der deutschen Werke gehen. "Da wird es vor allem darauf ankommen, dass verhindert wird, dass einzelne Standorte verkauft werden", sagte Duin.

Kundgebungen an allen Airbus-Standorten

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Dückert, sprach von Fehlern im Management in Toulouse: "Ausbaden sollen es jetzt die deutschen Airbus-Beschäftigten." Die Bundesregierung müsse verhindern, dass sich EADS einseitig auf Kosten der deutschen Werke saniere. "Wenn die Bundesregierung nicht aufpasst, schaffen die Franzosen Fakten, während die Deutschen noch versuchen, ihre Anteilsstruktur neu zu formieren."

Airbus ist durch die Verzögerungen beim Superjumbo A380 schwer angeschlagen, EADS-Chef Louis Gallois hatte bereits "schmerzhafte Jobverluste" angekündigt, Details werden für den 20. Februar erwartet. Die IG-Metall hat für Freitag einen Aktionstag mit Kundgebungen an allen deutschen Airbus-Standorten geplant. Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Bremen und Baden-Württemberg wollen in den Werken in Varel, Bremen und Laupheim sprechen. Im Hamburger Werk in Finkenwerder wird der Vorsitzende der Geschäftsführung von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, erwartet.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters, vwd

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