Airbus-Krise EADS dementiert Jobabbau

Dass bei dem Airbus-Mutterkonzern EADS "harte Einschnitte" bevorstehen, steht fest. Über Details wird momentan verhandelt. Berichte über die Streichung von 10.000 Stellen bei dem Flugzeugbauer sorgten nun für Aufruhr. EADS dementiert den angeblichen Jobabbau.

Berlin - Aussagen über Zahlen, einen Stellenabbau und oder bestimmte Standorte seien reine Spekulation, sagte EADS-Co-Chef Thomas Enders einem Sprecher zufolge bei einem Termin mit Parlamentariern. Dabei habe Enders betont, dass bei dem angeschlagenen Flugzeughersteller harte Einschnitte nötig seien, sagte der Sprecher. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen.

Die "Nordwest-Zeitung" hatte Enders von dem Treffen in der niedersächsischen Landesvertretung am Vorabend mit der Äußerung zitiert, langfristig werde der Konzern nur solche Airbus-Werke behalten, in denen die Endfertigung stattfinde oder in denen Teilkomponenten wie Rumpf, Leitwerk, Tragflächen oder Cockpit hergestellt würden. Eigene Werke zur Teilfertigung sollten dagegen abgegeben und personelle Überkapazitäten abgebaut werden.

Enders habe von mindestens 10.000 Beschäftigten im gesamten Airbus-Konzern gesprochen, wobei noch über das Verhältnis zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern beraten werden müsse. "Niemand in Deutschland wird glücklich darüber sein, was beschlossen wird", zitierte die Zeitung den Chef von EADS . Dies gelte aber gleichermaßen auch für andere Airbus-Länder.

Die niedersächsischen SPD-Politiker Holger Ortel und Garrelt Duin bestätigten dem Radiosender NDR Info, Enders habe bei seinem Auftritt in Berlin von bis zu 10.000 Jobs gesprochen, die wegfallen sollten.

Der EADS-Sprecher sagte, bei den Entscheidungen über Einsparungen bei Airbus sollten weder deutsche noch französische Standorte benachteiligt oder bevorzugt werden. Die Notwendigkeit harter Entscheidungen begründete er damit, dass das Unternehmen unter anderem mit den Folgen des ungünstigen Dollarkurses und der organisatorischen Defizite beim Bau des A380 zurecht kommen müsse.

Glos macht Druck

Glos macht Druck

Der Airbus-Betriebsrat rechnet nach bisherigen Angaben mit dem Abbau von 5000 bis 8000 Stellen bei dem Konzern, davon allein 4000 im Hamburger Werk Finkenwerder. Zudem schätzt Betriebsratschef Rüdiger Lütjen, dass bis zu 8000 weitere Stellen bei Zulieferern bedroht sind. "Von einer Schließung von Werken habe ich noch nie etwas gehört", hatte Lütjen am Dienstag gesagt.

Hintergrund ist das Sparprogramm "Power 8", mit dem Airbus bis 2010 insgesamt fünf Milliarden Euro einsparen will. Danach sollen es jährlich zwei Milliarden Euro sein. Über Details des Sparprogramms will Airbus-Chef Louis Gallois die Betriebsräte am 20. Februar informieren.

Unterdessen mahnte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) Airbus und EADS  erneut gemahnt, bei anstehenden Sanierungsentscheidungen die deutschen Interessen zu berücksichtigen. Glos sagte am Donnerstag im Bundestag: "Wenn es jetzt um die Sanierung geht, müssen wir natürlich auch schauen, dass die Interessen der deutschen Standorte gewahrt bleiben". Er werde mit allem Nachdruck darauf dringen, dass die deutschen Interessen in Hinblick auf Arbeitsplätze und Arbeitsverteilungen berücksichtigt werden.

Zwar sei der direkte Einfluss der Politik auf den Konzern gering. Allerdings fließe ein großer Anteil der Ausrüstungs-Investitionen der Verteidigungsministeriums in den EADS-Konzern, unterstrich Glos.

Glos hatte sich am Vortag mit Betriebsräten deutscher Airbus-Standorte getroffen, die Tausende von Arbeitsplätzen in Gefahr sehen. Er hatte nachdrücklich davor gewarnt, dass Einschnitte bei Airbus einseitig zu Lasten deutscher Standorte gehen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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