Donnerstag, 5. Dezember 2019

Abgeltungsteuer Ein Fest für Vermögende

Die geplante Abgeltungsteuer entlastet vermögende Anleger auf vielfache Weise. Die Hoffnung der Bundesregierung, damit die Kapitalflucht ins Ausland zu stoppen, dürfte sich dennoch als Illusion erweisen. Die Rechnung dafür werden Durchschnittsverdiener und Vorsorgesparer zahlen.

Hamburg - Otto Bernhardt (CDU) bemüht sich, die Wogen zu glätten. Eine private Altersvorsorge mit renditestarken Kapitalanlagen sei "sinnvoll und wünschenswert", versichert der finanzpolitische Sprecher der Union gegenüber manager-magazin.de. Der Finanzausschuss werde "mit großer Sorgfalt prüfen", ob für langfristige Aktiensparer eine Erleichterung bei der ab 2009 geplanten Abgeltungsteuer infrage komme.

Wer hat, der hat: Die Abgeltungsteuer dürfte den Cashflow von Vermögenden erhöhen
Zu dieser "sorgfältigen Prüfung" haben die Parlamentarier allen Anlass. Die größten Verlierer der geplanten Abgeltungsteuer werden nach derzeitigem Stand diejenigen sein, die mit Hilfe von Aktien für das Alter vorsorgen wollen. Nicht nur die Steuerfreiheit von langfristigen Kursgewinnen, sondern auch das Halbeinkünfteverfahren bei der Besteuerung von Dividenden soll fallen: Besonders Fondssparer befürchten, dass eine Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent die Langfristperformance ihrer Fondssparpläne verhageln wird. Der Staat predige einerseits die private Altersvorsorge, belaste aber gleichzeitig das Aktiensparen, kritisieren Anlegerschutzverbände wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Vierfach Steuern sparen

Anfang Februar will das Finanzministerium über den Referentenentwurf abstimmen. Im März, so Bernhardt, werde der Finanzausschuss in die Beratungen einsteigen. Nachbesserungen sind dann nicht nur wegen des einsetzenden Dröhnens der Lobbyverbände, sondern auch aufgrund einer drohenden Schieflage der Steuerreform wahrscheinlich. Während kleine Sparer stärker als bisher belastet werden, können Vermögende mithilfe der geplanten Abgeltungsteuer gleich vierfach Steuern sparen. Dem Staat könnten auf diese Weise schon fest eingeplante Steuereinnahmen, zum Beispiel bei der Reichensteuer, wieder abhandenkommen.

Beispiel 1: Durch die Abgeltungsteuer werden festverzinsliche Wertpapiere für diejenigen attraktiver, deren persönlicher Steuersatz über 25 Prozent liegt. Ein vermögender Anleger muss bislang Zinserträge in Höhe von 10.000 Euro zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent versteuern, ab 2009 werden dann nur noch 25 Prozent anonym direkt von der Bank an das Finanzamt gezahlt. Statt 4200 Euro muss der betuchte Anleihensparer dann nur noch 2500 Euro Steuern zahlen. Die neue Regelung bringt dem Vermögenden nicht nur eine Entlastung um rund 40 Prozent, sondern birgt noch weiteren Charme.

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung