Deutsche Bank Kirch fordert weitere Milliarden

Der Medienunternehmer Leo Kirch hat im Kontext mit dem Niedergang seines Firmenimperiums neue Forderungen erhoben. Insgesamt soll die Deutsche Bank jetzt 3,4 Milliarden Euro bezahlen. "Auch diese Forderungen sind substanzlos", sagte ein Sprecher der Bank am Freitag.

Frankfurt am Main - Leo Kirch will für sich und die Gläubiger seines zusammengebrochenen Konzerns zwei Milliarden Euro von der Deutschen Bank  erstreiten. Damit hat der Medienunternehmer, der das Frankfurter Institut für den Kollaps seines Medienimperiums verantwortlich macht, binnen einer Woche Forderungen in Höhe von rund 3,4 Milliarden Euro angemeldet. Sollte sich Kirch mit den erneuten Ansprüchen durchsetzen, würden Branchenkreisen zufolge davon mittelbar auch Großgläubiger des Konzerns wie Commerzbank , BayernLB, HypoVereinsbank  oder DZ Bank profitieren.

Weitere Gesellschaften des früheren Konzerns hätten zusätzlich zu den bereits bekannten Forderungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro nochmals rund zwei Milliarden Schadensersatz geltend gemacht, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Freitag. Dem Reuters vorliegenden Schreiben der Rechtsanwälte Kirchs zufolge hat die Bank bis zum 12. Februar Zeit, den Betrag zu begleichen. "Bei ergebnislosem Fristablauf werden wir Ansprüche im Wege der Erweiterung des anhängigen Verfahren gerichtlich geltend machen", hieß es in dem Schreiben.

"Zahlungsklage werden wir entschieden entgegentreten"

"Auch diese Forderungen sind substanzlos", sagte der Sprecher der Deutschen Bank. "Einer etwaigen Zahlungsklage werden wir entschieden entgegentreten." Ein weiteres Mal versuche Kirch von seiner Verantwortung für die größte Pleite der deutschen Mediengeschichte abzulenken. Der Sprecher wies darauf hin, dass der Bundesgerichtshof Anfang 2006 grundsätzlich entschieden hat, dass die Deutsche Bank und ihr früherer Vorstandssprecher Rolf Breuer nur für etwaige Schäden bei der zum Kirch-Konzern gehörenden PrintBeteiligungs GmbH verantwortlich seien. Im Zusammenhang mit dieser hatte Kirch aber bereits vor einer guten Woche eine Forderung über 1,4 Milliarden Euro bei der Bank eingereicht.

Dem an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Breuer adressierten Schreiben zufolge beraten die Kirch-Anwälte eine KGL Pool GmbH. Diese pocht unter anderem auf Ansprüche der insolventen Kirch-Gesellschaft KirchMedia, die wiederum von Insolvenzverwalter Michael Jaffe abgetreten wurden. Bei einem Erfolg würden somit auch an ihn und in der Folge an die Gläubiger Kirchs Mittel zufließen. Jaffe lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab, ebenso die vier genannten Großbanken.

Prozesse über Prozesse

Der 80-jährige Kirch wirft der Deutschen Bank und Breuer persönlich vor, seinen Konzern absichtlich in den Ruin getrieben zu haben, um anschließend von der Zerlegung zu profitieren. "Erschossen hat mich der Rolf", sagte er einmal. Im Kern geht es um ein Fernsehinterview zu Jahresbeginn 2002. "Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, (...) noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", hatte der damalige Bankchef wenige Wochen vor dem Kollaps mit Blick auf Kirch gesagt. Kurz darauf brach der Konzern um die TV-Gruppe ProSiebenSat1 zusammen.

Kirch prozessiert in rund einem Dutzend Fällen gegen die Deutsche Bank. So hat er unter anderem mehrere Hauptversammlungen angefochten. Im Oktober reichten seine Anwälte Strafanzeige gegen Ackermann wegen millionenschwerer Zahlungen an einen Ex-Vorstand ein. Die Aktie der Deutschen Bank ging am Freitag mit 106,75 Euro in etwa auf Vortagesschlusskurs aus dem Handel. Der Gesamtmarkt schloss hingegen um 0,4 Prozent schwächer.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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