Immobiliendeals Hamburg spielt Monopoly

Der Erfolg einer Stadt zeigt sich meistens in einem Bauboom. Die aufstrebenden Metropolen in Asien sind das beste Beispiel dafür. Auch Hamburg entwickelt ambitionierte Pläne. Auf dem Immobilienmarkt werden deshalb Hunderte Millionen Euro bewegt, viele prominente Gebäude bekommen neue Besitzer.

Hamburg – Als der Astra-Turm an der Elbe abgerissen wurde, regte sich kaum Protest. Schön war er nicht, doch irgendwie ein Wahrzeichen von Hamburg. Kürzlich wurde sogar ein Abriss der Köhlbrandbrücke im Hafen thematisiert - die großen Containerschiffe der neuen Generation fänden darunter keinen Platz mehr. Bei diesem Plan war der Aufschrei schon eher hörbar.

Doch viel heftiger wird in der Hansestadt dagegen über die Wahrzeichen der Zukunft diskutiert. Trotz vieler Einsparungen im sozialen Bereich will die Bürgerschaft große Summen in die Elbphilharmonie stecken – ein Prestigebau auf dem Kaispeicher A. Klassikkonzerte sollen Touristen in die Hansestadt bringen, weit über 200 Millionen Euro soll das Gebäude kosten, doch nur ein Teil der Gelder stammt von Hamburgs reichen Mäzenen.

Nun wird an der Elbe ein weiteres Projekt angeschoben, das sogar die Elbphilharmonie in den Schatten stellt: Die "Living Bridge", eine 700 Meter lange Brücke über die Elbe, soll das nördliche mit dem südlichen Hamburg verbinden. Der Clou an dem Konstrukt des Architekten Hadi Teherani: Die Verbindung zwischen Hafencity und Überseezentrum soll mit 1000 Wohnungen bebaut werden. Hinzu kommen Büros und Geschäfte. 430 Millionen Euro wird diese einzigartige Brücke kosten – die Finanzierung soll bereits stehen.

Hinter diesem Projekt steht der Bauunternehmer Dieter Becken. Und der hat in dieser Woche genügend Geld eingesammelt, indem er zahlreiche teure Immobilien verkauft hat. Morgan Stanley Real Estate nimmt ihm 20 hochwertige Objekte ab – für knapp 700 Millionen Euro. Laut Becken soll es auch in Zukunft Kooperationen mit der US-Investmentbank geben, die Projekte in einer Dimension wie der "Living Bridge" möglich macht.

Für Morgan Stanley  ist das Geschäft dagegen aus anderen Gründen interessant. Denn sobald auch in Deutschland steuerbegünstigte Real Estate Investment Trusts (Reits) eingeführt werden, könnten die Immobilienkäufe über die Börse refinanziert werden. Bereits im vergangenen Jahr hat Morgan Stanley zwei Milliarden Euro in deutsche Immobilien gesteckt.

Auch Conergy-Zentrale verkauft

Auch Conergy-Zentrale verkauft

Insgesamt haben ausländische Kapitalanleger 2006 sogar einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag in deutsche Immobilien investiert. In Hamburg zeigen neben Morgan Stanley unter anderem auch Lehman Brothers  oder die amerikanische Carlyle Group Präsenz auf dem Gewerbeimmobilienmarkt in Toplagen.

Zu den Objekten, die Becken an Morgan Stanley verkauft, gehören viele prominente Gebäude in Hamburg. Darunter der Berliner Bogen, das Deichtorcenter, die drei Hochhäuser am Berliner Tor und ein markantes Bürogebäude mit den Namen Doppel-XX. Das Bürohaus Deichtor zählt zu den auffälligsten neuen Gebäuden in Hamburg. Wegen seines dreieckigen Grundrisses gilt es bereits als gläserne Version des gegenüberliegenden traditionellen Chilehauses.

Auch der Berliner Bogen hat wegen seiner spektakulären Architektur ohne Ecken und Kanten schnell für Aufsehen gesorgt. Prominentester Mieter des Gebäudes am Anckelmannsplatz ist das Solarunternehmen Conergy . Etwa 600 Mitarbeiter arbeiten in der architektonisch ansprechenden Konzernzentrale.

Konzernsprecher Thorsten Vespermann zeigt sich wegen des neuen Besitzers gelassen und verweist gegenüber manager-magazin.de auf die langfristigen Mietverträge: "Wir fühlen uns wohl in diesem Gebäude und möchten hier auch in Zukunft weiter wachsen", so Vespermann.

Ob die vielen ehrgeizigen Bauprojekte in Hamburg wirklich alle wie geplant umgesetzt werden oder sich am Ende doch als Luftschlösser erweisen, bleibt fraglich. Und ob sie nach einer Fertigstellung auch wirklich als neue Wahrzeichen der Hansestadt angenommen werden, lässt sich genauso wenig vorhersagen. Denn obwohl der Astra-Turm bereits Vergangenheit ist und die Köhlbrandbrücke wackelt, wird der fast 250 Jahre alte Hamburger Michel in der Bevölkerung wohl unantastbar die Nummer eins bleiben.

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