Studie Die Optimisten von Davos

Davos ist in diesen Tagen wieder einmal Schauplatz des Weltwirtschaftsforums. In einer Analyse wurden mehr als 1000 teilnehmende Vorstandschefs zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage befragt - die Optimisten befinden sich in einer überwältigenden Mehrheit.

Davos – Das Weltwirtschaftsforum gilt als ein Barometer für die Weltkonjunktur. Die prominenten Redner in Davos zeigen sich zuversichtlich. Mit Zahlen belegt diese Stimmung die Analyse "Global CEO Survey" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Das Vertrauen in das weltweite Wirtschaftswachstum hat demnach ein ungewohnt hohes Niveau erreicht: Heute sind nahezu doppelt so viele Unternehmenschefs wie vor fünf Jahren davon überzeugt, dass sich die Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten positiv entwickeln werden. PWC hat hierzu 1100 Chief Executive Officer (CEO) aus 50 Ländern zu ihrer Einschätzung der wirtschaftlichen Lage befragt - Schwerpunkt der diesjährigen Analyse ist die Auswirkung der Globalisierung auf Unternehmen.

Über 90 Prozent der Befragten beurteilen die Erträge und Wachstumsprognosen für die kommenden zwölf Monate positiv. Auch über einen längeren Zeitraum hinweg gesehen scheint das Vertrauen der Unternehmenschefs ungetrübt: 93 Prozent der CEOs sind davon überzeugt, dass die Erlöse auch in den nächsten drei Jahren steigen werden.

Während der Trend zu Globalisierung weiterhin anhält, erwarten die Vorstandschefs, dass sich ihre Geschäftschancen durch eine verbesserte Durchdringung des Marktes und geographische Expansion vergrößern werden. Auch durch Unternehmenskäufe und -zusammenschlüsse über die Landesgrenzen hinweg werde die Wirtschaft zusätzlich an Fahrt gewinnen.

Die deutschen Vorstände sind für die wirtschaftliche Entwicklung ebenfalls sehr zuversichtlich gestimmt: 91 Prozent der befragten deutschen Unternehmer rechnen mit einer positive Umsatzentwicklung für die kommenden zwölf Monate, 55 Prozent sind sogar sehr zuversichtlich für das Jahr 2007.

"CEOs kleiner und großer Unternehmen aus der ganzen Welt sehen zunehmend Wachstumsmöglichkeiten für ihre Unternehmen. Sie nutzen die Globalisierung nicht mehr primär zum Outsourcing oder der Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer, sondern um neue Produkte, neue Absatzmärkte und neue Kunden zu finden", so Wolfgang Wagner, Senior Partner und CEO der PricewaterhouseCoopers Eurofirms.

WWenn Firmenchefs die Globalisierung langfristig und nachhaltig zur Expansion in neue Märkte für ihr Unternehmen nutzen wollen, sollten sie als Teil des Risikomanagements auf eine solide Finanzierung des geplanten Wachstums achten", so Wagner. "Wer international in den neuen Märkten nachhaltig erfolgreich sein will, muss auch kulturelle Unterschiede, zunehmend breiter verteilte Ressourcen und die verschärfte Konkurrenz der global agierenden Unternehmen untereinander in Betracht ziehen."

Boomende Schwellenländer

Boomende Schwellenländer

Die befragten CEOs erwarten, dass das Wachstum in den sogenannten BRIC-Staaten weiterhin anhält: Brasilien, Russland, Indien und China gelten seit längerem als boomende Schwellenländer. Über die BRIC-Staaten hinaus gehören Mexiko, Indonesien, Vietnam, Korea und die Türkei zu denjenigen Ländern, die als Wachstumstreiber im Zusammenhang mit dem Weltwirtschaftswachstum immer wieder genannt werden. Die CEOs bevorzugen bei einer geplanten Expansion das geographisch nächst gelegene und am besten entwickelte Land.

Fast drei Viertel der CEOs sind der Meinung, dass die Globalisierung für beide Seiten Vorteile bringt – für hochentwickelte Industriestaaten ebenso wie für die so genannten Schwellenländer. Das größte Wachstumspotenzial versprechen sie sich durch eine bessere Durchdringung vorhandener Märkte mit bestehenden Produkten. An zweiter Stelle folgt der Zugang zu neuen Absatzmärkten über eine geographische Expansion.

Nahezu 80 Prozent der Befragten ziehen eine Finanzierung des erwarteten Wachstums aus dem internen Cashflow einer externen Variante vor. Und weniger als 20 Prozent besorgen sich die Mittel auf dem Equity Markt. Nur 10 Prozent erwägen die Finanzierung über Privat Equity oder Venture Capital. Trotz des verbreiteten Optimismus sehen die Manager auch Barrieren für das Wachstum: 73 Prozent machen dafür maßgeblich die Überregulierung für Unternehmen verantwortlich.

Im Wirtschaftsraum Asien-Pazifik zeichnet sich darüber hinaus ein Mangel an kompetenten, gut ausgebildeten Mitarbeitern als Schlüsselressource für den Erfolg in neuen Märkten ab - dies bestätigen 88 Prozent der CEOs aus dem asiatisch-pazifischen Raum, verglichen mit 72 Prozent aller Befragten.

Andere Risiken wie Terrorismus, die Knappheit von Öl und anderen Ressourcen, politische Instabilität und die globale Veränderung des Klimas werden dagegen weniger als Bedrohung für die Entwicklung des Geschäfts gesehen. Dennoch hinterlässt die Debatte um die globale Erwärmung ihre Spuren: 40 Prozent der CEOs drücken ihre Besorgnis über diese Bedrohung aus, die durch die Klimaveränderung aufgeworfen wird. Während die Zahl im asiatisch-pazifischen Raum auf 58 Prozent ansteigt, fällt sie bei den befragten CEOs aus Nordamerika auf 18 Prozent ab.

Globalisierungsgewinner von morgen

Globalisierungsgewinner von morgen

Durch Unternehmenskäufe oder Zusammenschlüsse wollen die CEOs die Entwicklung ihres Unternehmens beschleunigen. Transaktionen dieser Art sind nach Angaben der Befragten entweder geplant oder bereits abgeschlossen. Grenzüberschreitende Transaktionen sind in Westeuropa am häufigsten anzutreffen (54 Prozent).

Zwei Drittel der CEOs nennt die Erschließung neuer Märkte als Hauptgrund für Unternehmenszukäufe. Dabei wird jedoch vielfach unterschätzt, welche Risiken und Schwierigkeiten ein solcher Kauf mit sich bringen kann. Dazu gehören die Integration und die kulturellen Unterschiede. Unterschiedliche Gesetzeslagen und unerwartete Kosten werden als häufigste Hindernisse bei M&A-Geschäften genannt.

Ein interessanter Unterschied ist bei Aussagen von Managern aus hochentwickelten Nationen und sogenannten Schwellenländern zu beobachten: 43 Prozent der Manager aus entwickelten Märkten glauben, dass durch die Globalisierung kulturelle Unterschiede verringert werden; in den aufstrebenden Wirtschaftsregionen rechnen damit jedoch 58 Prozent der Befragten.

"Die Globalisierungsgewinner von morgen sind Unternehmen, die ihre strategische Positionierung und ihre Geschäftsmodelle von einer lokalen in eine globale Ausrichtung entwickeln", prophezeit der PWC-Experte Wagner.

manager-magazin.de

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.