WEF "Eine geistige Herausforderung"

Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist eröffnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte zu Beginn der Veranstaltung, die Kehrseite der Globalisierung nicht zu verdrängen. Denn die beträfe alle - auch die Schwellenländer, die sich als Gewinner sähen.

Davos - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos dazu aufgerufen, den Herausforderungen der Globalisierung mit Kooperations- und Veränderungsbereitschaft zu begegnen. "Gewohnheiten, Erbhöfe, angestammte Rechte sind keine Garantie mehr für Erfolg", sagte Merkel am Mittwoch in dem Schweizer Skiort. "Wir brauchen eine Weltwirtschaft, die sich den Regeln eines fairen Ordnungsrahmens verpflichtet", sagte sie.

Den Herausforderungen müssten sich nicht nur die klassischen Industrieländer stellen, sagte die Kanzlerin. Auch die aufstrebenden Länder, die sich als Gewinner von morgen sähen, könnten sich nicht sicher fühlen. Merkel forderte dazu auf, die Globalisierung politisch zu gestalten.

"Der globale, weltweite Wettbewerb verschärft den Raubbau an der Natur. Der Schutz geistigen Eigentums erodiert." Die Kehrseite der Globalisierung dürfe nicht ausgeblendet werden, betonte Merkel. Hoffnungen für die einen bedeuteten Sorgen und Ängste für die anderen. "Wir als Politiker kennen diese Ängste nur zu gut und müssen deshalb alles daran setzen, die Globalisierung auch politisch zu gestalten."

Es sei offensichtlich, dass viele bisherige Antworten nicht mehr so Recht funktionierten, sagte Merkel. "Mit den Folgen der Globalisierung umzugehen, bedeutet deshalb vor allem eine geistige Herausforderung, nicht zuletzt für die Europäer."

Merkel erläuterte darüber hinaus ihre Agenda für die kommenden G-8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm. Ein zentrales Thema seien Bemühungen, die Risiken für die Welt-Kapitalmärkte zu verringern und dort mehr Transparenz zu schaffen. Bei Hedgefonds gebe es hier Nachholbedarf. Zudem gehe es weiter darum, die weltweiten wirtschaftlichen Ungleichgewichte abzubauen. Auch dem Klimaschutz und der Energieeffizienz sollen Impulse gegeben werden. Schließlich wolle sie "neue Formen des Dialogs" mit den großen Schwellenländern finden.

Zu dem fünftägigen WEF-Jahrestreffen haben sich rund 2400 Manager, ranghohe Politiker, Wissenschaftler und Prominente angesagt. Unter anderen wurden 24 Staats- und Regierungschefs sowie die Musiker und Aktivisten Bono und Peter Gabriel erwartet. Auch die israelische Außenministerin Zipi Livni und der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas wollten an dem Treffen teilnehmen.

Der weltweite Klimawandel steht im Mittelpunkt des diesjährigen Weltwirtschaftsforums. Weitere Themen sind die Sicherung der Energieversorgung und die Entwicklung alternativer Energien, der israelisch-palästinensische Konflikt sowie die Lage im Irak.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters