MAN/Scania Das Pendel schlägt zurück

MAN hat das Übernahmeangebot für Scania zurückgezogen - nun kursieren Gerüchte, MAN könnte selbst durch die Scania-Großaktionäre Volkswagen und Investor AB übernommen werden. VW hatte bereits den Führungsanspruch in einer möglichen Lkw-Allianz angemeldet: Die Aktie von MAN zieht deutlich an.

München - Die Aktien von MAN  haben am Mittwoch von Gerüchten um eine Übernahmeofferte der Scania-Großaktionäre Volkswagen und der schwedischen Investor AB profitiert. Mit einem Gewinn von zeitweise mehr als vier Prozent war die Aktie von MAN der strärkste Wert im Dax. Volkswagen  wollte die Gerüchte auf Anfrage nicht kommentieren.

VW stiegen um 0,58 Prozent auf 85,16 Euro. Scania  stiegen um 0,75 Prozent auf 468,50 Schwedische Kronen, während Investor  um 0,90 Prozent auf 167,50 Kronen zulegten.

Den Spekulationen zufolge bieten Volkswagen und Investor AB 85 Euro je MAN-Aktie. Dies mache Sinn, sagte ein Händler in einer ersten Einschätzung. VW wolle die bestimmende Kraft in der geplanten Dreier-Allianz werden, um das Lastwagengeschäft von MAN mit der eigenen Lastwagensparte und Scania zusammenzulegen.

Von einem anderen Börsianer hieß es, die MAN-Papiere profitierten auch davon, dass nun ein mögliches höheres Angebot für Scania vom Tisch sei.

Mögliche Aufspaltung

Analyst Christian Aust von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) interpretierte die Kursentwicklung von MAN als Hoffnung auf eine Aufspaltung des Konzerns. Die Dieselaktivitäten könnten an MTU abgegeben werden.

Falls die aktuellen Gerüchte sich nicht bewahrheiteten, seien langwierige Verhandlungen zwischen MAN, VW und Scania zu erwarten. Die operativen Zahlen von MAN und Scania werden für den 6. Februar und den 25. Januar erwartet.

Scania-Betriebsrat begrüßt MAN-Rückzug

Der Betriebsrat beim schwedischen Nutzfahrzeughersteller Scania hat am Mittwoch die Rücknahme des Übernahmeangebotes durch MAN in Deutschland als "positiv" begrüßt. Betriebsratschef Kjell Wallin erklärte in einer Stellungnahme: "Nun ist die Gefahr vorüber, dass jemand mit starken Eigeninteressen bei Scania Arbeitsplätze und Sicherheit aufs Spiel setzt."

Der Betriebsrat am Scania-Hauptsitz Södertälje hatte den Übernahmeversuch von MAN in den letzten Monaten massiv bekämpft. Über die vor allem vom größten Scania- und MAN-Eigner VW gewünschte "freundliche" Einigung beider Lastwagenhersteller auf ein Zusammengehen meinte Wallin: "Wir können uns höchstens eine Zusammenarbeit zweier selbstständiger Unternehmen auf der Basis von Gleichstellung und Gerechtigkeit vorstellen." Auch die Scania-Leitung sowie der größte heimische Eigner Investor hatten die Rücknahme der in Schweden als feindlich eingestuften MAN- Offerte begrüßt.

manager-magazin.de mit Material von dpa