ThyssenKrupp Rekord trotz Dofasco-Bremse

Auf der Hauptversammlung des Stahlriesen ThyssenKrupp wurden überraschend gute Zahlen vorgelegt. Der Aktienkurs kletterte dennoch nicht. Die Übernahme von Dofasco bleibt eine Hängepartie. AR-Chef Cromme verteidigte die Sonderrechte für den Anteilseigner Krupp-Stiftung, denen die Aktionäre mehrheitlich zustimmten.

Bochum - Der anhaltende weltweite Stahlboom hält ThyssenKrupp  auf Rekordkurs. Ergebnis und Umsatz legten im abgelaufenen Geschäftsquartal überraschend stark zu. Branchenexperten gehen daher davon aus, dass der Konzern die am Freitag von Konzernchef Ekkehard Schulz bekräftigte Prognose im Jahresverlauf nach oben schrauben wird.

Unklar ist weiter, ob ThyssenKrupp den kanadischen Stahlkonzern Dofasco in den Mittelpunkt seiner Wachstumsstrategie für das Stahlgeschäft in Nordamerika rücken kann. Der Konzern werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Mittal Steel  zur Abgabe von Dofasco zu drängen, hieß es. Es könne aber noch keine Aussage über den Ausgang des Rechtsstreits um Dofasco gemacht werden, sagte Schulz.

Ein Rotterdamer Gericht soll am Dienstag entscheiden, ob Mittal wie ursprünglich zugesagt Dofasco für rund 3,8 Milliarden Euro an ThyssenKrupp verkaufen muss. Mittal hält dies nach eigener Aussage aus rechtlichen Gründen für derzeit nicht möglich, da die Dofasco-Anteile in eine niederländische Stiftung ausgelagert sind.

Cromme und der spezielle Sonderfall

Auf der Hauptversammlung kam es zu einer turbulenten Diskussion um die umstrittene Stärkung der Krupp-Stiftung innerhalb des Konzerns. Während Vorstand und Aufsichtsrat das Entsenderecht der Stiftung verteidigten, erneuerten zahlreiche Aktionärssprecher die Kritik an der geplanten Sonderstellung des Hauptaktionärs.

Aufsichtsratschef Gerhard Cromme betonte, die umstrittene Satzungsänderung entmündige nicht die anderen Aktionäre und sei auch nicht als Abwehrmaßnahme oder "Poison Pill" gegen eine feindliche Übernahme zu verstehen. Cromme versprach, dass es bei ThyssenKrupp auch in Zukunft gute Corporate Governance geben werde. Hier gehe es "um einen speziellen Sonderfall".

ThyssenKrupp sagt ihrem Hauptaktionär, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, künftig drei Aufsichtsratsmandate fest zu. Diesem so genannten Entsenderecht mussten mindestens 75 Prozent der Aktionäre zustimmen. Mit einer Mehrheit von 78,91 Prozent stimmte die Versammlung einem Entsenderecht zu Gunsten der Krupp-Stiftung, die 25,1 Prozent an ThyssenKrupp hält, zu.

Stiftung begleitet Thyssen Krupp seit 40 Jahren

Stiftung begleitet Thyssen Krupp seit 40 Jahren

Vorstandschef Ekkehard Schulz sagte, das Entsenderecht trage der Höhe dieser Beteiligung Rechnung. Die Stiftung begleite das Unternehmen seit nunmehr 40 Jahren als Hauptaktionärin und habe immer auch die Strategie des Konzerns mitgetragen. Die Bedeutung eines Großaktionärs für ThyssenKrupp wisse der Vorstand "besonders in der heutigen Zeit zu schätzen", betonte Schulz.

Sprecher der Kleinaktionäre äußerten sich uneinheitlich. Kritik kam von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Geschäftsführer Thomas Hechtfischer bezeichnete die Pläne als "überflüssig". Es könne durchaus drei Stiftungsvertreter im Aufsichtsrat geben - nur müssten diese auch weiterhin von der Hauptversammlung gewählt werden. Die Stiftung will aber an der Hauptversammlung vorbei - also ohne Bestätigung durch das Gremium - drei und nicht wie bisher zwei Vertreter (von insgesamt zwanzig Aufsichtsräten) direkt entsenden. Dies, so Hechtfischer, käme allerdings einer "Entmündigung der Anteilseigner" gleich.

Aktionärsschützer mit unterschiedlichen Einschätzungen

Hans-Christoph Hürth von Hermes Investment, der auch zahlreiche Pensionsfonds vertrat, verwies darauf, dass mit den Plänen des Konzerns das Prinzip missachtet werde, wonach eine Aktie auch eine Stimme haben müsse. Die Stiftung erhalte eine überproportionale Vertretung im Aufsichtsrat.

Andere Kleinaktionäre begrüßten dagegen die Stärkung der Stiftung als "Schutzschild gegen ein feindliche Übernahme". Schon das bisherige Stiftungsmodell habe dem Unternehmen, seinen Aktionären und der ganzen Region gut getan, sagte ein Sprecher. Die Kritik an dem Entsenderecht sei eine "Anbiederung an ausländische Heuschrecken".

Vorstandschef Schulz erklärte die Satzungsänderung ebenso wie eine neue Ermächtigung zu einem Aktienrückkauf sowie die Schaffung eines genehmigten Kapitals von bis zu 500 Millionen Euro mit Absicherungsmaßnahmen für die Wachstumsstrategie des Konzerns. Er bekräftigte, dass ThyssenKrupp in den nächsten fünf Jahren einen Umsatz von 55 Milliarden bis 60 Milliarden Euro anstrebt. Konkrete Vorhaben, für die eine Kapitalerhöhung erforderlich sei, gebe es derzeit aber nicht.

Der ThyssenKrupp-Aktienkurs gab trotz der starken Zahlen zeitweise um mehr als ein Prozent auf 35,90 Euro nach. Händler sagten, einige Anleger wollten offenbar Kasse machen. "Die Zahlen von ThyssenKrupp waren schon gut, aber die Aktien sind zuletzt wegen Übernahmespekulationen im Sektor auch sehr gut gelaufen. Das dürften daher Gewinnmitnahmen sein", sagte ein Händler.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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