EADS Gegen den Lagerkoller

Louis Gallois sorgt für Schlagzeilen. Der Airbus-Chef will das Führungsduo aus einem französischen und einem deutschen Manager an der Spitze der Airbus-Mutter EADS abschaffen und damit Lagerkämpfe beenden. Nebenbei organisiert Gallois auch sein eigenes Unternehmen neu - und in den Airbus-Werken beginnt das große Zittern.

Hamburg - Nach Meinung des französischen Airbus-Chefs Louis Gallois muss der Mutterkonzern EADS  seine Führungsstruktur ändern. Er wird bisher von einem französischen und einem deutschen Chef geleitet. "Eines Tages werden wir zu einer einfacheren Form der Unternehmensführung kommen müssen." Das Nebeneinander von einem französischen und einem deutschen Chef führe "tendenziell zur Verfestigung eines französischen und eines deutschen Lagers im Unternehmen".

Airbus werde das eigene Unternehmen ebenfalls neu organisieren. Dazu will der Airbus-Chef mehr Arbeiten nach außen vergeben und seine Werke in Spanien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland besser abstimmen.

"Wir können uns einen redundanten, auf vier Länder zersplitterten Industrieapparat nicht länger erlauben", bekräftige Gallois im Gespräch mit dem Pariser Nachrichtenmagazin "Le Point". Mitte Februar würden die Gewerkschaften über die Umstrukturierungspläne bei Airbus informiert.

Gallois will die Produktion des Luftfahrtkonzerns neu organisieren, um Kosten zu senken. Sie ist bisher auf 16 Standorte verteilte. Konzerninsider berichteten zuletzt, dass deshalb die Fertigung des Airbus-Prestigejets A380 im französischen Toulouse konzentriert und aus Hamburg abgezogen werden könnte. Den rechtlichen Vorwand dazu lieferte das Hamburger Landgericht dem französischen Airbus-Lenker heute allerdings nicht.

Die Kammer für Baulandsachen entschied, dass ein Grundstück zur Startbahnverlängerung am Airbus-Werk Hamburg-Finkenwerder zu Recht bereits vor der offiziellen Enteignung an die Stadt Hamburg übertragen wurde. Dagegen geklagt hatten die Besitzer eines rund 100 Quadratmeter großen Grundstücks, im wesentlichen Obstbauern. Die Startbahn soll im Sommer fertig sein.

Spekuliert wurde zuletzt allerdings auch, ob das Hamburger Airbus-Werk nicht überraschender Weise zum Gewinner der neuen Konzernorganisation werden könnte. Denn offenbar soll das neue Modell des Airbus A320 in Hamburg gebaut werden. Das habe Airbus-Chef Louis Gallois kürzlich den französischen Gewerkschaften mitgeteilt, berichtete die französischen Wirtschaftszeitung "La Tribune" vor wenigen Tagen. Das Mittelstreckenflugzeug würde somit erstmals komplett in Deutschland hergestellt. Der Startschuss für die Fertigung der neuen A320-Generation werde im Jahr 2013 fallen.

Sollte die französische Zeitung Recht behalten, verlöre das französische Airbus-Werk in Toulouse die Produktion der erfolgreichsten Airbus-Maschine. Denn der zweimotorige A320 mit rund 150 Plätzen ist das am häufigsten verkaufte Flugzeug des europäischen Luftfahrtkonzerns. Laut "La Tribune" entfällt alleine auf dessen Fertigung etwa die Hälfte aller Arbeiten, die in der Produktion des Unternehmens erledigt werden müssen.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa, dpa-afx und reuters