Porsche IG Metall pokert hoch

Die Tarifrunde in der Metallindustrie beginnt mit einem Poker um Lohnforderungen. Die traditionell kampflustigen Autobauer im Südwesten legen die höchsten Zahlen vor. Porsche-Arbeiter verlangen ein Lohnplus von 9,5 Prozent, bei DaimlerChrysler sind es 8 Prozent.

Stuttgart/München - Vor Beginn der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie haben sich die Beschäftigten des Automobilherstellers Porsche  für eine Forderung nach 9,5 Prozent mehr Geld ausgesprochen. Diese Forderung würde die Standorte von Porsche nicht gefährden, heißt es in einer Resolution der IG-Metall-Vertrauensleute. Die Belegschaft von Porsche sei "bereit zu kämpfen und falls erforderlich auch zu streiken". Auch die Vertrauensleuteversammlung von DaimlerChrysler  in Untertürkheim konkretisierte am Donnerstag ihre Vorstellungen. Die Gewerkschaftsvertreter einigten sich mehrheitlich darauf, der Tarifkommission eine Entgeltforderung von 8 Prozent zu empfehlen.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück warnte die Arbeitgeber vor einer Hinhaltetaktik. "Ich kann einen Streik nicht ausschließen, falls Südwestmetall bei den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie nicht schnell ein konkretes Angebot vorlegt", sagte Hück in einem dpa-Gespräch. In den Verhandlungen dürfe es nur um Lohn und Gehalt gehen. "Und wir müssen ein besseres Ergebnis als letztes Jahr erreichen." Die IG Metall könne sich zwar nicht die Forderung der Vertrauensleute des besonders profitablen Sportwagenbauers Porsche zu Eigen machen. Dennoch seien "die Erfolge in der Metall- und Elektroindustrie der vergangenen Monate auch in der Fläche erwirtschaftet worden".

Am 31. März laufen die Tarifverträge für die bundesweit 3,4 Millionen und in Baden-Württemberg 800 000 Beschäftigten aus. In Baden-Württemberg berät am Donnerstag die Tarifkommission der Gewerkschaft darüber, mit welcher konkreten Forderung sie in die Gespräche mit den Arbeitgebern gehen will. Der IG-Metall-Vorstand beschließt die bundesweite Marschroute am 6. Februar.

Die bayerische IG Metall wolle eine Forderung "zwischen sechs und sieben Prozent" aufstellen, sagte Bezirkschef Werner Neugebauer am Freitag in München. Die ökonomische Lage der Betriebe sei gut wie selten zuvor. Die Exporterfolge zeigten zudem die besondere Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Betriebe. "Das Geld ist da." Daher müssten sich die Beschäftigten nicht schämen, eine höhere Forderung als 2006 zu stellen.

2006 hatte die IG Metall Lohnerhöhungen von 3,0 Prozent sowie ab Juni eine Einmalzahlung von 310 Euro für die Monate März bis Mai durchgesetzt. Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie haben bereits angedeutet, die Einkommenserhöhungen in diesem Jahr wieder unter die Marke von 3 Prozent drücken zu wollen. Mehrere regionale Metallarbeitgeber haben sich aber für einen Konjunkturbonus ausgesprochen, der als Einmalzahlung ausgeschüttet und für Altersteilzeitrücklagen oder die Rentenvorsorge verwendet werden könne.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa