CSU-Krise Schneller Stoiber-Abschied?

Nach seiner Rücktrittsankündigung berät Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) heute mit CSU-Politikern über die Nachfolge. Um den Parteivorsitz konkurrieren Wirtschaftsminister Erwin Huber und Parteivize Horst Seehofer, Innenminister Günther Beckstein gilt dagegen als gesetzt für das Amt des Ministerpräsidenten. Womöglich kommt einer der Kandidaten schneller zum Zuge als gedacht.

Hamburg - Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) schließt offenbar einen Rücktritt des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber vor Ablauf der von Stoiber selbst gesetzten Neun-Monats-Frist nicht aus. "Wie der Prozess jetzt abläuft, weiß doch niemand ganz genau", sagte Glos am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte". "Vielleicht korrigiert er noch einmal seine Meinung", fügte der CSU-Politiker hinzu.

Glos nahm Stoiber, der am selben Tag seinen Rücktritt von beiden Ämtern für September angekündigt hatte, zugleich vor Dränglern in Schutz. Er glaube, "dass Edmund Stoiber sein Erbe auch ordnen will".

Zudem könne ein neuer Parteivorsitzender gemäß der Satzung der CSU erst nach Abschluss der örtlichen Gremienwahlen im Herbst gewählt werden. Stoiber habe offensichtlich auf dieses Datum gezielt, weil sonst "zwei Mal ein neuer Parteivorsitzender gewählt" werden müsse. Eine Trennung von CSU-Vorsitz und Ministerpräsidentenamt sei "bei Edmund Stoiber sehr schwer vorstellbar".

Stoiber hatte am Donnerstag angekündigt, er werde zum 30. September sein Amt als Regierungschef aufgeben und nicht erneut als CSU-Vorsitzender kandidieren. Innenminister Beckstein ist bisher einziger Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten. Um den Parteivorsitz bewerben sich der Münchner Minister Huber und Bundesminister Horst Seehofer.

Nach seiner Ankündigung, Ende September seine Ämter als Ministerpräsident und CSU-Parteichef niederzulegen, hat Edmund Stoiber die CSU-Spitzen für Freitag zu Einzelgesprächen in die Münchner Staatskanzlei geladen.

Ab 13 Uhr will Stoiber mit CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer, Wirtschaftsminister Erwin Huber, Innenminister Günther Beckstein, CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann und Landtagspräsident Alois Glück sprechen.

Mit Seehofer ist nach Angaben der Staatskanzlei ein ausführliches Telefonat geplant.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa