DaimlerChrysler Eilige Sanierungspläne

Der Aufsichtsrat von DaimlerChrysler soll sich Medienberichten zufolge bald mit den Sanierungsplänen für die angeschlagene US-Tochter Chrysler beschäftigen. Offenbar ist für Mitte Februar eine Sondersitzung geplant.

Stuttgart - DaimlerChrysler will dem Aufsichtsrat auf einer Sondersitzung im Februar den Sanierungsplan für die defizitäre US-Tochter Chrysler zur Abstimmung vorlegen. "Weil dies weitreichende Folgen für den ganzen Konzern haben dürfte, ist dazu eigens eine Sondersitzung anberaumt worden", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur dow jones newswires. Das Treffen finde in Auburn Hills, am Firmensitz der Chrysler Group statt. Während der Sitzung werde auch über den Jahresabschluss 2006 befunden.

Einer weiteren informierten Person zufolge soll sich das Kontrollgremium am 13. Februar, spätestens aber am 14. Februar treffen. An diesem Tag veröffentlicht DaimlerChrysler im Rahmen der Jahres-Pressekonferenz in Auburn Hills die vorläufigen Ergebnisse von 2006. Der Stuttgarter Automobilhersteller hat den Sanierungsplan für Chrysler offiziell zur Vorlage bis Ende Februar angekündigt.

Konzernchef Dieter Zetsche äußerte sich am Donnerstagabend bei Vorstellung der neuen Mercedes-C-Klasse zur US-Sparte. "Wir werden in naher Zukunft sehr konkrete Aussagen zu Chrysler machen und einen Plan vorstellen, der dafür sorgen soll und wird, dass Chrysler wieder auf den Erfolgspfad zurückkehrt", sagte Zetsche in Stuttgart.

Nach zwei Gewinnwarnungen hat der Automobilkonzern für die US-Tochter zuletzt einen operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Das Unternehmen litt unter einem massiven Absatzrückgang, was zu hohen Rabatten und teuren Produktionskürzungen geführt hat.

Für 2005 hatte Chrysler noch einen operativen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro ausgewiesen. Die US-Tochter galt zunächst als saniert: Unter der Führung des heutigen Konzern-Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche durchlief Chrysler bereits eine tiefgreifende Restrukturierung mit einem massivem Stellenabbau.

Ursache für die neuen Probleme bei Chrysler ist eine Modellpalette, die zu mehr als 70 Prozent aus großen Fahrzeugen mit hohem Spritverbrauch besteht, während die US-Kunden wegen der gestiegenen Benzinpreise mittlerweile verstärkt kleinere und verbrauchsgünstige Fahrzeuge nachfragen.

"Mittelfristige Lösungsansätze"

"Mittelfristige Lösungsansätze"

"Der Restrukturierungsplan für Chrysler wird wahrscheinlich eher mittelfristige Lösungsansätze bieten", sagte der erste Informant weiter. Auch das Unternehmen selbst hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass eine schnelle Wende aufgrund der relativ langen Entwicklungszeiten für neue Fahrzeuge nur schwer zu erreichen ist.

Zurzeit arbeitet eine Task Force, bei der auch der Sanierungsspezialist und Mercedes-Chief-Operating-Officer Rainer Schmückle sowie die Unternehmensberatung McKinsey mitwirkt, an einem Turnaround-Plan für Chrysler. Dieser basiert auf dem so genannten Effizienzsteigerungsprogramm Core, mit dem die Mercedes Car Group (MCG) nach Qualitätsproblemen und einer schwachen Absatzentwicklung den operativen Gewinn um mehr als drei Milliarden Euro steigern und damit eine Umsatzrendite von 7 Prozent bis 2007 erreichen will.

Bisher hält Chrysler-CEO Tom LaSorda seine Ideen noch weitgehend unter Verschluss. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge will LaSorda die Kosten pro Fahrzeug um 1000 Dollar senken und denkt außerdem über die Schließung eines Werks nach, in dem schwere Geländewagen produziert werden. Einem weiteren Medienbericht zufolge sollen in einem Motorenwerk außerdem 250 Stellen abgebaut und Schichten gestrichen werden.

LaSorda steht unter steigendem Druck: Normalerweise hätte er bereits Ende Dezember dem Aufsichtsrat einen Geschäftsplan für Chrysler vorlegen müssen. Zu diesem Zeitpunkt verabschiedet das Kontrollgremium üblicherweise die Drei-Jahresplanung für die einzelnen Sparten und den Konzern. Auf dieser Sitzung war das Thema Chrysler jedoch ausgeklammert worden.

Kurzfristig ruhen die Hoffnungen von Chrysler nun auf zwei kompakten Geländewagen der Marke Jeep, mit denen die Chrysler Group zum ersten Mal das Einstiegssegment der Sports Utility Vehicles (SUV) besetzt. Außerdem soll die neue Version der Chrysler-Limousine Sebring, die ebenso wie die SUV mit einem neuen, verbrauchsgünstigen Vier-Zylinder-Motor ausgestattet wird, den Absatz ankurbeln.

manager-magazin.de mit Material von dow jones

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