Deutsche Bank Kirch will 1,4 Milliarden Euro Schadensersatz

"Was man alles darüber lesen und hören kann …" - so begann eine kurze Erklärung des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf-E. Breuer im US-TV über den Kunden Leo Kirch und dessen Kreditwürdigkeit. Das Imperium des Ex-Medientycoons brach zusammen. Nun beziffert Kirch erstmals schriftlich seine Schadensersatzforderung.

Frankfurt am Main/München - Der Medienunternehmer Leo Kirch fordert von der Deutschen Bank fast 1,4 Milliarden Euro im Zusammenhang mit dem Kollaps seines Firmenimperiums im Jahr 2002. Damit hat Kirch erstmals seine Forderungen gegenüber Deutschlands größtem Geldhaus, das er für den Zusammenbruch der Gruppe verantwortlich macht, beziffert.

"Die Schadensersatzforderungen sind substanzlos", sagte ein Sprecher der Bank am Donnerstag in Frankfurt. In einem Schreiben von Kirchs Kanzlei Bub, Gauweiler & Partner, hätte Deutschlands größtes Geldhaus in einem Schreiben aufgefordert, bis zum 30. Januar den Betrag zu begleichen, bestätigte er Informationen aus Finanzkreisen. Auch ein Sprecher Kirchs bestätigte den Betrag. Sollte die genannte Frist verstreichen, werde der Unternehmer "sofort Leistungsklage gegen die Bank einreichen, wahrscheinlich vor dem Münchener Landgericht".

Der Deutsche-Bank-Sprecher sprach von einem weiteren Versuch Kirchs, von seiner Verantwortung für die Pleite seines Medienimperiums abzulenken. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Kollaps und dem Interview von Ex-Vorstandschef Rolf Breuer, in dem dieser nach Ansicht Kirchs seine Kreditwürdigkeit in Frage gestellt hatte. "Einer etwaigen Klage werden wir entschlossen entgegentreten", sagte der Bank-Sprecher.

BGH-Urteil stimmt Kirch zuversichtlich

Bislang hatte die Bank für die Forderungen Kirchs keine Rückstellungen gebildet. Beobachter rechnen damit auch weiterhin nicht, da Rückstellungen nur für Summen gebildet werden dürfen, die die Kriterien "wahrscheinlich" und "abschätzbar" erfüllen.

Der 80-jährige Kirch wirft der Deutschen Bank und Breuer vor, seinen Konzern absichtlich in den Ruin getrieben zu haben, um anschließend von der Zerlegung zu profitieren. Im Kern geht es um ein Fernsehinterview des Bankers zu Jahresbeginn 2002.

"Was man alles darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weiter Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", hatte der damalige Deutsche-Bank-Chef und frühere Aufsichtsratsvorsitzende wenige Wochen vor der größten Pleite in der deutschen Mediengeschichte gesagt. Kurz darauf brach der Konzern um die TV-Gruppe ProSiebenSat.1 zusammen.

Worauf Kirchs Forderung basiert

Worauf Kirchs Forderung basiert

Vor fast genau einem Jahr hatte der Bundesgerichtshof im Grundsatz entschieden, dass die Deutsche Bank und auch Breuer eine Mitverantwortung für den Zusammenbruch des Kirch-Konzerns tragen. Kirch kann damit Schadenersatzansprüche geltend machen, muss hierfür aber eine konkrete Leistungsklage einreichen.

Kirch hatte parallel versucht, auch in den USA eine Schadensersatzklage anzustrengen. Im November hatte sich ein New Yorker Bezirksgericht jedoch für nicht zuständig erklärt. Der Medienunternehmer hatte bis zu diesem Zeitpunkt eine Leistungsklage in der Heimat vermieden, weil dies seine Chancen vor dem US-Gericht noch weiter verringert hätte.

Die von Kirch gegenüber der Bank gestellte Forderung von 1,4 Milliarden Euro basiert auf zwei Faktoren. Zum einen auf die an die Deutsche Bank als Kreditpfand gegangene Kirch-Beteiligung am Axel-Springer-Verlag, die in seiner PrintBeteiligungs GmbH gehalten wurde. Zum zweiten auf Forderungen der PrintBeteiligung an ihre insolvente Konzernmutter.

Kirch musste Springer-Anteil an Bank abgeben

Der Springer-Anteil war an die Deutsche Bank gefallen, als das Institut nach der Kirch-Insolvenz 2002 das Darlehen an die PrintBeteiligungs GmbH kündigte und die Kreditvaluta von rund 716 Millionen fällig stellte. Kirch konnte das Darlehen nicht zurückzahlen und auch die Beteiligung nicht selbst verwerten, weswegen der Springer-Anteil an die Deutsche Bank ging.

Für die verlorene Springer-Beteiligung errechnet Kirchs Kanzlei ausgehend vom aktuellen Börsenwert, abzüglich der getilgten Kreditforderungen und zuzüglich der entgangenen Dividenden einen Wert von 986,34 Millionen Euro. Die Forderungen der Printbeteiligungs GmbH an ihre Konzernmutter beziffert die Kanzlei mit rund 408 Millionen Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters, vwd

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.