Allianz-Deal "Ein Schnäppchen ist das nicht"

Der Versicherungskonzern Allianz greift tief in die Tasche, um seine französische Tochter AGF und die Allianz Leben komplett zu übernehmen. Analysten bewerten den Milliarden-Deal grundsätzlich als sinnvoll, halten den Preis aber für hoch und sprechen von einem schlechten Timing.

Hamburg/München - Die Allianz  will ihren Umbau zu einem europäischen Konzern perfekt machen. Bereits vor Monaten hatte der Konzern die italienische RAS  komplett übernommen und firmiert seitdem als erstes deutsches Großunternehmen als europäische Aktiengesellschaft. Die vollständige Übernahme der Assurances Generales de France (AGF) und der Allianz Leben  sei daher ein logischer Schritt, erklärten Analysten am Donnerstag im Gespräch mit manager-magazin.de. Auch andere große europäische Versicherungskonzerne wie die italienische Generali  gingen diesen Weg.

Um sich alle Anteile an den profitablen Töchtern zu sichern, will die Allianz insgesamt 10,5 Milliarden Euro aufwenden. Die Barkomponente der Transaktionen gab der Konzern mit 7,5 Milliarden Euro an, die Aktienkomponente werde 3,5 Milliarden Euro betragen. Den Kapitalmarkt will der Versicherer dafür nicht anzapfen. "Es wird keine Bar-Kapitalerhöhung geben", sagte eine Sprecherin. Die Finanzierung erfolge aus bereits genehmigtem Kapital.

Analysten bewerteten die Ankündigung in ersten Reaktionen positiv. "Aus Konzernsicht ist es immer besser, wenn man über die komplette Mehrheit einer Tochtergesellschaft verfügt. Damit lässt sich ein Unternehmen besser steuern. Der Konzern kann strategisch einfacher agieren", sagte LBBW-Experte Robert Mazzuoli im Gespräch mit manager-magazin.de.

AGF und Allianz Leben  seien hoch profitable Unternehmen. Die Allianz kaufe sich damit Profit von Unternehmen ein, die sie bereits voll konsolidiere. Auch wenn der Konzern damit zunächst keinen Prämien-Euro mehr einnehme, "die Transaktion macht Sinn", erklärte ebenso WestLB-Analyst Thomas Noack. Von einem "sinnvollen Schritt" sprach auch MM-Warburg Analyst Ralf Dibbern. Es bleibe allerdings abzuwarten, welche Synergieeffekte sich einstellten und welchen Einfluss die vollständige Übernahme der Töchter auf die langfristige Gewinnentwicklung der Allianz haben werde, erklärte der Experte gegenüber manager-magazin.de.

Die Aktionäre der AGF sollen pro Anteil 87,50 Euro in bar und 0,25 Titel der Allianz erhalten. Als Grundlage dient der Schlusskurs der Allianz-Aktie vom 16. Januar. Damit zahlt der Konzern unter dem Strich rund 126 Euro je AGF-Aktie, was einem Aufschlag von 19,1 Prozent entspricht. Bis Ende Februar will der Versicherer sein Angebot bei den Aufsichtsbehörden vorlegen. Direkt im Anschluss an das Erwerbsangebot soll es einen Squeeze-out oder eine grenzüberschreitende Verschmelzung von AGF auf Allianz geben, hatte der Konzern am Morgen mitgeteilt.

Analysten monieren hohen Kaufpreis

Analyst: "Ein Schnäppchen ist das nicht"

Den in Aussicht gestellten Preis für die restlichen 42,4 Prozent der AGF halten einige Experten allerdings für recht hoch. "Die Aktie ist in der Vergangenheit bereits sehr gut gelaufen und daher nicht mehr preiswert", sagte Noack. Mit den insgesamt gebotenen 126 Euro je AGF-Titel werde die französische Tochter "deutlich höher" bewertet als die Mutter selbst. "Ein Schnäppchen ist das nicht", erklärte der WestLB-Analyst. Auch LBBW-Experte Mazzuoli bezeichnete das Gebot als "nicht gerade billig". Ein anderer Analyst, der nicht genannt werden wollte, sagte, Vorstandschef Michael Diekmann habe an Glaubwürdigkeit verloren. Bisher habe der Manager erklärt, ein Kauf der AGF-Anteile bei einem Kurs von etwa 90 Euro sei zu teuer. Nun aber greife die Allianz deutlich tiefer in die Tasche.

Am Markt tauchten darüber hinaus Spekulationen auf, dass die Allianz beim Preis womöglich noch nachlegen müsse. Dies schloss der Konzern am Donnerstag kategorisch aus. Die Chancen für eine Aufstockung des Angebots sowohl an die Minderheitsaktionäre von AGF und Allianz Leben seien gleich null, hieß es aus München. Die Aktionäre der Allianz-Leben sollen 750 Euro pro Anteil erhalten, was einen Aufschlag von 19,9 Prozent entspricht.

Allianz sitzt auf Milliarden überschüssigem Kapital

Keinen Zweifel hegten die Analysten daran, dass sich die Allianz die insgesamt 10,5 Milliarden Euro schwere Transaktion leisten kann. "Die finanziellen Mittel, die dem Konzern zur Verfügung stehen, sind immens", sagte Dibbern von MM Warburg. Experten schätzen, dass die Allianz derzeit auf rund acht Milliarden Euro überschüssigem Kapital sitzt, das sie aus regulatorischer Sicht nicht unmittelbar für das operative Bank- und Versicherungsgeschäft benötigt. Zudem dürfte der Versicherer nach Analystenschätzungen für das vergangene Geschäftsjahr einen Nettogewinn von rund sieben Milliarden Euro ausweisen. Die Allianz selbst plant mit einem Nettogewinn von mehr als sechs Milliarden Euro. "Aus dieser Sicht lässt sich Transaktion sehr gut darstellen, ohne dass der Konzern hier Fremdfinanzierungsmittel aufnehmen muss", ist Dibbern überzeugt.

Allianz will ohne Fremdkapital auskommen

Doch gerade an diesem Punkt könnte auch die Kritik ansetzen, hieß es von anderer Seite. Die Kapitalmärkte dürften vermutlich monieren, dass die Allianz die Transaktion quasi komplett aus Eigenkapital finanziere und trotz derzeit niedriger Zinsen nicht auf Fremdkapital zurückgreife. "Die Allianz kann sich eine Fremdfinanzierungskomponente durchaus leisten. Das würde die Transaktion auch günstiger machen", sagte ein Analyst im Gespräch mit manager-magazin.de, der ebenfalls nicht genannt werden wollte.

Schmeißt Allianz die Dividendenpläne jetzt über Bord?

Die von einzelnen Marktbeobachtern erhobene Kritik, die Allianz habe insbesondere bei der AGF-Transaktion ein schlechtes Timing bewiesen, wies der Konzern zurück. In einer Telefonkonferenz verteidigte Finanzvorstand Paul Achleitner den Zeitpunkt der Transaktion. In dem über die vergangenen Monate hinweg gestiegenen AGF-Kurs sei die Übernahme bereits eingepreist, sagte Achleitner. Allerdings habe sich auch die Kapitalstärke der Allianz im vergangenen Jahr deutlich verbessert.

Die Komplettübernahme der beiden Töchter werde sich nicht auf die Dividendenzahlungen auswirken, trat der Konzern zugleich der von einzelnen Analysten geäußerten Vermutung entgegen. Die Allianz halte an ihren Dividendenzielen fest, hieß es in der Telefonkonferenz. Früheren Angaben zufolge will der Konzern die Ausschüttungsquote mittelfristig auf 40 Prozent von gut 16 Prozent im Jahr 2005 erhöhen.

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