Prognose BIP steigt, Leitzins auch

Der Monatsbericht der EZB deutet auf einen weiteren Viertelprozentpunkt hin, um den der EU-Leitzins bald steigen dürfte. Nach der jüngsten HWWI-Prognose wird in Deutschland die Verschuldung sinken und die Wirtschaft weiter wachsen - und zwar wesentlich stärker als bisher prognostiziert.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht weiterhin Handlungsbedarf angesichts der Inflationsgefahr im Euro-Raum. Da die Zinsen noch niedrig seien und die Wirtschaft über reichlich Geld und Kredite verfüge, sei "entschlossenes und rechtzeitiges Handeln" geboten, um ein stabiles Preisniveau zu gewährleisten, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten EZB-Monatsbericht.

Das Vorwort des Berichtes entspricht wie üblich der Stellungnahme von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der jüngsten Zinssitzung. Die EZB ließ den Leitzins unverändert, nachdem sie ihn erst im Dezember auf 3,5 Prozent angehoben hatte. Die Erklärung des EZB-Rates sowie weitere Hinweise von Trichet lassen nach Einschätzung von Analysten die nächste Zinserhöhung um 25 Basispunkte im März erwarten. Viele Beobachter rechnen mit einem weiteren Schritt auf 4,0 Prozent.

Der frühere starke Anstieg des Ölpreises, der sich in letzter Zeit zurückbildete, könnte sich der EZB zufolge kräftiger auf die Verbraucherpreise niederschlagen als bisher angenommen. Das Auf und Ab im vergangenen Jahr werde zudem über statistische Basiseffekte die Verbraucherpreise in diesem Jahr merklich schwanken lassen. Von Januar bis Juli sei mit einem dämpfenden Effekt von insgesamt 0,4 Prozentpunkten zu rechnen, da in diesem Zeitraum des Vorjahres der Ölpreis die Teuerungsrate in die Höhe trieb. Von August bis November würde sich diese Entwicklung umkehren und die Inflation um 0,5 Prozentpunkte erhöhen.

Insgesamt rechnet die Zentralbank mit Teuerungsraten in diesem und im kommenden Jahr von rund zwei Prozent nach schätzungsweise 2,2 Prozent 2006. Damit käme die EZB ihrem Stabilitätsziel von Teuerungsraten knapp unter zwei Prozent nahe, hält dies aber für unsicher: "Die Aussichten für die Inflationsentwicklung bleiben mit Aufwärtsrisiken behaftet."

EZB: Kredite spiegeln Aufschwung wider

Auf längere Sicht geht Preisdruck nach Einschätzung der EZB vom Geldmengen- und Kreditwachstum aus. Die Geldmenge M3 war im November mit 9,3 Prozent so stark gestiegen wie nie zuvor in der Währungsunion. Die EZB erklärt das mit außergewöhnlichen Entwicklungen. So sei der starke M3-Anstieg auf einen hohen Anstieg der Forderungen heimischer Finanzinstitute an Ansässige außerhalb des Euro-Gebiets zuzuschreiben. Dabei handele sich scheinbar um Transaktionen innerhalb des Finanzsektors.

Als Vorbote künftiger Inflation achtet die EZB auch auf die Kreditentwicklung. Der starke Zuwachs an Unternehmenskrediten von zuletzt 13,1 Prozent liege an verschiedenen Faktoren: So sei die Kreditnachfrage der Unternehmen zum einen durch die niedrigen Zinsen geschürt worden, zum anderen durch den Finanzierungsbedarf von Investitionen.

Auch Fusionen und Übernahmen seien ein Grund. Schließlich hätten Banken ihr Finanzierungsangebot ausgeweitet, da sie immer mehr Kredite verbrieften und Kreditrisiken über Derivate am Finanzmarkt verkauften. Bisher gebe es trotz der vergangenen Zinserhöhungen noch keine Anzeichen dafür, dass sich das Geldmengenwachstum abschwächen würde. Im Gegenteil: Die Liquidität in der Wirtschaft nehme noch weiter zu.

HWWI-Prognose - 70 Prozent mehr

HWWI-Prognose - 70 Prozent mehr

Neben den anderen großen Wirtschaftsforschungsinstituten hat heute auch das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) seine Konjunkturprognose für 2007 angehoben. Statt der zuvor veranschlagten 1,0 Prozent werde nun ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,7 Prozent erwartet, heißt es in der aktuellen, am Donnerstag veröffentlichten HWWI-Konjunkturprognose. Die Konjunktur werde 2007 zwar aufwärts gerichtet bleiben, aber an Fahrt verlieren, die Mehrwertsteuererhöhung werde zu einer spürbaren Verlangsamung des Wachstums führen.

Für 2008 gehen die Hamburger Wirtschaftsforscher von 2,0 Prozent BIP-Wachstum aus. Sie verweisen aber darauf, dass eine Prognose für das kommende Jahr momentan sehr schwierig sei, weil wichtige finanzpolitische Rahmenbedingungen immer noch nicht hinreichend klar seien. Dies gelte etwa für die Gesundheits- oder die Unternehmenssteuerreform.

Import-Plus von 6,5 Prozent

Das deutsche Budgetdefizit wird laut HWWI-Prognose 2007 bei 1,3 Prozent und 2008 bei 1,2 Prozent liegen. Der Export wird als Folge "der ruhigeren Gangart der Weltwirtschaft an Dynamik einbüßen", heißt es im Bericht. Für 2007 gehen die Forscher von einem Anstieg der deutschen Exporte um 9,3 Prozent und für 2008 von 6,5 Prozent aus.

Die Importe dürften 2007 um 8,4 Prozent und 2008 um 6,5 Prozent zulegen. Die Hamburger Forscher erwarten eine Steigerung der Inlandsnachfrage im laufenden Jahr um 0,7 Prozent und im kommenden Jahr 2008 um 1,7 Prozent. Zudem rechnen die Konjunkturexperten mit einer Jahresteuerung von 2,3 Prozent für 2007 und 1,4 Prozent für 2008. Die Arbeitslosenzahl sinkt nach ihrer Prognose 2007 auf 4,10 Millionen und 2008 auf 3,90 Millionen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp

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