Freitag, 6. Dezember 2019

VW-Affäre Hartz atmet durch

4. Teil: 11.30-12.30 Uhr: Maximal zwei Jahre auf Bewährung

Maximal zwei Jahre auf Bewährung

11 Uhr 30: Richterin Dreyer erläutert die "Verständigung in Strafsachen". Wenn Peter Hartz geständig ist, muss er mit einer maximalen Strafe von zwei Jahren rechnen, die zur Bewährung ausgesetzt würde. Maximal käme eine Geldstrafe in Höhe von 360 Tagessätzen dazu.

"Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Urteilsabsprache in Frage kommt", sagt Richterin Dreyer. Gegen Hartz spreche der hohen Schaden, der für VW entstanden sei. Für Hartz spreche, dass er nicht vorbestraft sei und sich nicht persönlich bereichert habe, und dass er "subjektiv" den Interessen von VW habe dienen wollen.

Peter Hartz mit Helmuth Schuster: Der entlassene Skoda-Manager Schuster ist eine weitere Schlüsselfigur in der VW-Affäre
Hartz und die Staatsanwaltschaft erklären sich mit dieser Regelung einverstanden.

Damit käme das Gericht Hartz entgegen: Im Fall einer Verurteilung wegen Untreue in einem besonders schweren Fall beträgt die vorgesehene Mindeststrafe sechs Monate, die Höchststrafe lautet zehn Jahre Gefängnis. Eine Strafe kann nur dann zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn sie nicht mehr als zwei Jahre beträgt.

11 Uhr 45: Hartz äußert sich zu seinen persönlichen Vermögensverhältnissen, die im Falle einer Geldstrafe eine Rolle spielen. Er habe 25.000 Euro Einkünfte pro Monat, sagt Hartz. Hinzu komme ein "angelegtes Vermögen" in Höhe von 2,7 Millionen Euro.

Nach ersten Berechnungen von Prozessbeobachtern könnte die Geldstrafe für Peter Hartz demnach zwischen 300.000 und 400.000 Euro betragen.

Hartz zeigt sich einsichtig und kooperativ

12 Uhr: Der Anwalt von Hartz, Egon Müller, räumt im Namen seines Mandanten die Vorwüfe ein. Damit läuft alles auf eine rasche Einigung und eine Urteilsverkündung bereits nach zwei Prozesstagen hinaus: Eine Bewährungs- und Geldstrafe für den geständigen Peter Hartz sind wahrscheinlich.

Anwalt Müller bestätigt in seiner Rede mehrmals, dass die Höhe der von der Staatsanwaltschaft genannten Sonderboni an Volkert korrekt sei. Der Angeklagte Hartz "bedauere sein Verhalten" und sei sich bewusst, dass er die strafrechtlichen Konsequenzen dafür tragen müsse. Hartz habe mit Volkert seit 1993 ein "Vertrauensverhältnis" gepflegt, seit sich Volkert seinerseits bei Konzernlenker Piech für Hartz eingesetzt habe: Aus diesem Vertrauensverhältnis heraus habe Hartz in der Folgezeit dem Drängen Volkerts nach mehr Geld immer wieder nachgegeben.

Dennoch sei Hartz "Initiator" von Missbrauch gewesen. Kontrollmechanismen im VW-Konzern seien nicht ausreichend gewesen. In den weiteren Ausführungen von Müller wird gleichzeitig deutlich, wie stark Volkert selbst darauf gedrängt habe, wie ein Topmanager behandelt zu werden und zahlreiche Vergünstigungen zu erhalten.

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