Volkswagen Chronik einer Affäre

Die VW-Affäre um Schmiergelder, Begünstigung von Betriebsräten, Partys und Vergnügungsreisen auf Firmenkosten begann im Juni 2005. Damals hätte kaum jemand das Ausmaß geahnt, für das sich unter anderen Ex-Arbeitsdirektor Peter Hartz vor Gericht verantworten musste.

Am Anfang standen Korruptionsvorwürfe gegen den Ex- Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster. Im Laufe der Ermittlungen gerieten 14 Beschuldigte ins Visier der Justiz. Das Verfahren gegen den früheren VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz war der Beginn des juristischen Nachspiels. Ein Rückblick:

25. Juni 2005: Erste Berichte über eine Schmiergeld-Affäre bei Volkswagen. Hauptpersonen sollen der Ex-Personalchef der tschechischen Volkswagen-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, sowie ein Mitarbeiter der VW-Personalabteilung, Klaus-Joachim Gebauer sein. Gebauer war für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig.

28. Juni 2005: Volkswagen erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Schuster. Er soll Schmiergeld von Zulieferfirmen gefordert haben. Zudem soll er über Strohmänner und ein Geflecht von Tarnfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Auch gegen Gebauer ermittelt die Justiz.

30. Juni 2005: Betriebsratschef Klaus Volkert tritt zurück.

5. Juli 2005: Medien berichten, der VW-Vorstand habe dem Betriebsrat teure Luxusreisen ins Ausland zugeschanzt. Dafür seien Betriebsräte bereit gewesen, Vorstandsbeschlüsse mitzutragen. VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz weist die Vorwürfe zurück.

8. Juli 2005: Hartz bietet seinen Rücktritt an. Er übernehme damit die Verantwortung für Verfehlungen in seinem Zuständigkeitsbereich.

28. Juli 2005: VW stellt Strafantrag wegen des Verdachts der Begünstigung von Betriebsräten.

31. Juli 2005: Gebauer erklärt, er habe für Betriebsräte auf VW-Kosten Besuche in Nobelhotels und in Nachtclubs organisiert. Er habe im Auftrag des Vorstands gehandelt.

5. August 2005: Der VW-Aufsichtsrat nimmt Hartz' Rücktritt an.

28. September 2005: Hartz wird als Zeuge vernommen.

Hartz winkt hohe Sonderzahlungen durch

7. Oktober 2005: Nach weiteren Zeugenvernehmungen unter anderem von Gebauer wird Hartz nun der Untreue verdächtigt. Seine Arbeitsräume bei VW werden durchsucht, Beweismaterial sichergestellt. Er soll von den Mauscheleien mehr gewusst haben, als er zugibt.

11. November 2005: Der VW-Aufsichtsrat befasst sich mit dem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Der finanzielle Schaden der Affäre beläuft sich danach auf mindestens fünf Millionen Euro.

29. März 2006: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagt bei der Staatsanwaltschaft aus. Er war nach Angaben seines Anwalts selbst auf die Justiz zugegangen und betonte sein Interesse an einer lückenlosen Aufklärung. Vor allem Vorwürfe bezüglich falscher Abrechnungen fallen in seine Zeit als VW-Chef. Piëch sagt, er habe davon nichts gewusst.

9. Oktober 2006: Hartz räumt bei einer Vernehmung eine "strafrechtliche Verantwortlichkeit für Begünstigungen des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden" ein. Dabei habe es sich vor allem um Sonderbonuszahlungen gehandelt.

15. November 2006: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen Hartz wegen Untreue in 44 Fällen. Er soll unter anderem von 1994 bis 2005 eine Summe von insgesamt fast zwei Millionen Euro als Bonuszahlungen an Volkert genehmigt haben. Auch Volkerts Geliebter habe er hohe Summen ohne Gegenleistung zugeschanzt.

11. Dezember 2006: Gut eineinhalb Jahre nach Aufdeckung der VW-Affäre wird der Termin für den ersten Prozess festgelegt: Das Landgericht Braunschweig teilt mit, dass am 17. Januar das Hauptverfahren eröffnet werde. Das Verfahren wird auf nur zwei Verhandlungstage terminiert, Zeugen und Sachverständige sind nicht geladen. Als Grund gibt die Justiz vor allem Hartz' Geständnis an.

17. Januar 2007: Erster Verhandlungstag gegen Hartz.

4. Januar 2007: Gegen den SPD-Bundestagsabgeordneten und früheren VW- Betriebsrat Hans-Jürgen Uhl wird Anklage wegen Beihilfe zur Untreue und falscher eidesstattlicher Versicherung erhoben.

25. Januar 2007: Hartz bestätigt vor Gericht, den früheren Betriebsratschef Volkert «gekauft» zu haben. Er wird zu einer zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen verurteilt - 576 000 Euro.

5. März 2007: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen Volkert und Gebauer.

14. Juni 2007: Uhl wird vom Amtsgericht Wolfsburg zu einer Geldstrafe von 39 200 Euro verurteilt. Gebauer erhebt in dem Prozess schwere Vorwürfe gegen den SPD-Landtagsabgeordneten und Betriebsratschef bei VW-Nutzfahrzeuge Günter Lenz.

9. August 2007: Lenz muss eine Geldstrafe von 11.250 Euro zahlen. Das Amtsgericht Wolfsburg verurteilt ihn mit einem Strafbefehl wegen Beihilfe zur Untreue in zwei Fällen. Damit kommt es nicht zu einem Prozess gegen ihn. Ebenso wie Uhl habe Lenz auf VW-Kosten die Dienste von Prostituierten in Anspruch genommen. Er war zuvor von allen seinen Ämtern zurückgetreten.

19. September: Das Landgericht Braunschweig lässt die Anklage gegen Volkert und Gebauer zu. Der dritte Prozess in der VW-Affäre kann beginnen.

15. November: Prozeßeröffnung gegen Volkert und Gebauer.

26. November: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig beantragt Zeugen zu hören, um auch die Rolle Ferdinand Piëchs zu durchleuchten. Beschuldigt sei Piëch damit allerdings nicht, betont die Staatsanwaltschaft.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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