Mordfall Koslow Mutmaßlicher Drahtzieher in Haft

Der im September verübte Mord am russischen Zentralbankvize Andrej Koslow galt schon im Dezember als aufgeklärt. Nun hat die Polizei einen Bankier als mutmaßlichen Drahtzieher und eine weitere Verdächtige verhaftet. Hintergrund der Tat könnte Geldwäsche gewesen sein.

Moskau - Die russische Justiz hat nach eigenen Angaben einen Bankier als mutmaßlichen Drahtzieher des Auftragsmordes an dem Vize-Nationalbankchef Andrej Koslow im September 2006 festgenommen. "Der Festgenommene war Besitzer einer Kette von Finanzinstituten, die sich auf Geldwäsche spezialisierten", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Moskau der Agentur Interfax. Aus ermittlungstaktischen Gründen nannte die Generalstaatsanwaltschaft den Namen des Festgenommen zunächst nicht.

Der Anwalt des Bankiers Alexej Frenkel (35) teilte dagegen am Abend mit, sein Mandant werde verdächtigt, den Mord an Koslow in Auftrag gegeben zu haben. Frenkel beteuerte vor dem Untersuchungsrichter seine Unschuld. Russische Zeitungen berichteten am Freitag, Frenkel habe durch seine Geldwäsche-Aktivitäten seit langem im Visier der Zentralbank gestanden. Der liberale Finanzfachmann Koslow hatte als Leiter der Bankenaufsicht die von Frenkel geführten Kleinbanken VIP-Bank und Sodbisnesbank geschlossen. Das Bankenkonsortium soll seit Mitte 2005 mehr als 38 Milliarden Rubel (1,1 Milliarden Euro) unter "zweifelhaften Umständen" verschoben haben, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Inzwischen hat die Polizei noch eine weitere Verdächtige festgenommen. Frenkel habe eine Komplizin gehabt, teilte die Justiz am Freitag in Moskau mit. Gegen die Frau wurde eine zweimonatige Untersuchungshaft verhängt. Inwieweit sie an der Ausführung des Auftragsmordes vom vergangenen September beteiligt war, blieb zunächst unklar.

Der Bankenaufseher Koslow und sein Chauffeur waren nach einem Fußballspiel von zwei Männern erschossen worden. Wenige Tage nach dem Mord stellten sich zwei Ukrainer, die mutmaßlichen Auftragskiller, die ihrerseits um ihr Leben fürchteten. Ein dritter Ukrainer wurde als Kontaktmann verhaftet. Danach kam es zu weiteren Verhaftungen, so dass Generalstaatsanwalt Juri Tschaika bereits im Dezember sagte, der Fall sei praktisch aufgeklärt.

manager-magazin.de mit Material von dpa