Siemens-Affäre Auch Ex-Vorstand Neubürger im Visier

Im Schmiergeldskandal bei Siemens ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft Berichten zufolge nun auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Damit rückt der Zentralvorstand immer stärker ins Visier der Ermittler.

München - Neubürger, der bis Ende April 2006 Finanzvorstand bei Siemens  war, wird laut Informationen von SPIEGEL ONLINE von der Staatsanwaltschaft München I als Beschuldigter geführt.

Neubürger, der am Donnerstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, sei am vergangenen Dienstag den ganzen Tag über vernommen worden. Der 54-Jährige soll von Untergebenen über Zahlungen im Zusammenhang mit dubiosen Beraterverträgen informiert worden sein, berichtet SPIEGEL ONLINE. Zudem soll Neubürger sowohl 2003 als auch 2004 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auf fragwürdige Zahlungen im Zusammenhang mit Beraterverträgen aufmerksam gemacht worden sein.

Auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer Freitagausgabe, dass der enge Vertraute des früheren Konzernchefs und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer im Verdacht stehe, von schwarzen Kassen des Konzerns gewusst und dubiose Zahlungen gedeckt zu haben. Neubürger wäre nach Thomas Ganswindt der zweite frühere Konzernvorstand, gegen den die Staatsanwaltschaft in dem laufenden Korruptionsverfahren ermittelt.

Ob ein Verdacht gegen Neubürger bestehe, sei Siemens nicht bekannt, erklärte ein Siemens-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Die Vernehmung Neubürgers sei dem Unternehmen bekannt, die Aussage sei jedoch auf Neubürgers eigenen Wunsch erfolgt.

Kein Kommentar vom Staatsanwalt

Die Münchener Staatsanwaltschaft wollte am Mittwoch Abend weder bestätigen noch dementieren, ob gegen Neubürger ermittelt werde. "Kein Kommentar", sagte Staatsanwalt Anton Winkler gegenüber manager-magazin.de.

Laut "SZ" habe Neubürger bei der Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft am Dienstag dieser Woche bestritten, in den Skandal verwickelt zu sein. Um den Termin habe Neubürger laut Siemens selbst gebeten. Im Gegensatz zu anderen Beschuldigten, die zwischenzeitlich in Untersuchungshaft saßen, sei Neubürger auf freiem Fuß geblieben. Für kommende Woche sei eine weitere Vernehmung vorgesehen.

Geständige Manager und Angestellte von Siemens hätten Neubürger im Dezember schwer belastet. Sie hätten bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, er sei als Finanzvorstand frühzeitig über schwarze Kassen informiert gewesen und habe versucht, fragwürdige Zahlungsvorgänge zu vertuschen. Neubürger habe daraufhin gesagt, er habe von den Korruptionsfällen im Unternehmensbereich Telekommunikation (Com) als Mitglied des Konzernsvorstandes nichts gewusst.

manager-magazin.de