Freitag, 6. Dezember 2019

Mannheimer Heros-Versicherer zahlt nicht

Die Mannheimer Versicherung hat den Vertrag mit dem insolventen Geldtransportunternehmen Heros angefochten. Sie will Millionen-Zahlungen an geschädigte Kunden verweigern.

Hamburg - Die Mannheimer Versicherung will den Schaden durch veruntreute Kundengelder bei der früheren Geldtransportfirma Heros nicht tragen. Der Versicherer wolle vom Vertrag mit Heros zurücktreten, sagte ein Sprecher der Mannheimer am Donnerstag.

Heros-Transporter: Immer wieder zweigte das Unternehmen Geld seiner Kunden ab. Jetzt will der Versicherer nicht zahlen
"Wir fühlen uns von Heros angelogen wie alle Kunden." Man habe den Insolvenzverwalter von Heros vom Rücktritt und der Anfechtung des Transportversicherungsvertrages unterrichtet. Alle Kunden des früheren Sicherheitsunternehmens seien ebenfalls informiert worden. Der Insolvenzverwalter war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Mehrere geschädigte Ex-Kunden von Heros hielten sich am Donnerstag mit Äußerungen zurück. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass unser Schaden durch die Versicherung gedeckt ist," sagte ein Sprecher der Kölner Rewe-Gruppe, die zu den am stärksten von der Heros-Pleite betroffen Unternehmen gehört.

Rewe hatte 160 Millionen Euro verloren und hofft weiter, den größten Teil davon von der Versicherung zurückzubekommen. Eine Sprecherin der Tengelmann-Gruppe wollte sich unter Berufung auf laufende juristische Gespräche nicht zur Haltung des Unternehmens äußern. Tengelmann hatte bei der Heros-Pleite nach eigenen Angaben 25 Millionen Euro verloren. Die "Lebensmittel-Zeitung" berichtete unterdessen, dass zahlreiche Handelsfirmen Klagen gegen die Mannheimer Versicherung vorbereiteten, Namen nannte sie aber nicht.

Versicherer beruft sich auf Geständnis von Heros-Chef

Die Mannheimer beruft sich auf das Geständnis des früheren Heros-Chefs Karl-Heinz Weis im Prozess gegen ihn und drei weitere Ex-Heros-Manager. Demnach hat das Schneeballsystem, mit dem Gelder von Kunden zu spät ausgeliefert und Millionen Euro veruntreut wurden, bereits im Jahr 1990 seinen Anfang genommen.

Der Vertrag, den die Mannheimer 2001 mit Heros abgeschlossen habe, sei damit nichtig, argumentiert die Versicherung. Heros hätte bei Vertragsabschluss den Betrug an den Kunden offenbaren müssen. Schließlich könne man ja "ein bereits brennendes Haus nicht versichern", sagte der Sprecher der Mannheimer Versicherung. Der Versicherungsschutz für Heros entfalle somit rückwirkend.

Die "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe) berichtete, bisher habe die Mannheimer Versicherung argumentiert, die Police decke nur den Diebstahl von Bargeld ab, nicht aber das Verschieben von Mitteln über Girokonten. Mit dem zusätzlichen Argument der arglistigen Täuschung führe der Versicherer ein weiteres Argument an, warum er nicht für den Schaden aufzukommen brauche. Gegen die Mannheimer und andere Versicherungen klagen nach Informationen der Zeitung mehr als zehn Einzelhändler.

Die Mannheimer ist der führende Versicherer der Heros-Grunddeckung von zehn Millionen Euro und trägt davon nach eigenen Angaben 62,5 Prozent. Weitere Versicherer gaben Deckungen über 90 Millionen Euro.

Heros hatte nach mutmaßlichen Betrügereien im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Der frühere Geschäftsführer sowie drei weitere führende Heros-Manager müssen sich vor dem Landgericht Hildesheim wegen Untreue in besonders schweren Fällen und Bankrotts verantworten. Den Heros-Kunden war nach früheren Angaben des Insolvenzverwalters ein Schaden von mehr als 300 Millionen Euro entstanden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

© manager magazin 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung