BIP Kräftiger Aufschwung

Dank boomender Exporte und hoher Investitionen ist die deutsche Wirtschaft so stark gewachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Das BIP stieg um 2,5 Prozent, das Staatsdefizit unterschreitet die 3-Prozent-Grenze. Die EU-Kommission will das Defizitverfahren gegen Deutschland bald einstellen.

Frankfurt am Main/Brüssel - Die deutsche Wirtschaft ist 2006 so rasant gewachsen wie seit sechs Jahren nicht mehr. Der Aufschwung ließ das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr real um 2,5 Prozent zulegen, berichtete das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Frankfurt.

Der Zuwachs war mehr als doppelt so stark wie 2005 mit einem Plus von 0,9 Prozent. Im Boomjahr 2000 war die Wirtschaft sogar um 3,2 Prozent gewachsen. Der Aufschwung soll auch im laufenden Jahr anhalten, allerdings wird die Mehrwertsteuererhöhung das Wachstum nach Experteneinschätzung auf 1,5 Prozent bremsen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen Wachstumsimpulse aus dem In- und Ausland. Die Exporte legten zweistellig um 12,4 Prozent zu, während die Importe um 12,1 Prozent kletterten. Der private inländische Konsum wuchs um 0,6 Prozent, jedoch auch wegen Vorzieheffekten aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007. Im Jahr 2005 waren die Konsumausgaben lediglich um 0,1 Prozent gestiegen. Die Staatsausgaben kletterten den Angaben zufolge um 1,7 Prozent, nach 0,6 Prozent im Vorjahr.

Auch die Unternehmen investierten dank guter Gewinne wieder mehr. Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen um 7,3 Prozent (2005: 6,1 Prozent). Die Bauinvestitionen kletterten um 3,6 Prozent (minus 3,6 Prozent).

Beim Staatsdefizit hat Deutschland 2006 zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder das Defizitkriterium des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes erfüllt. Das Defizit betrug laut Statistikamt gemessen am BIP 2,0 Prozent. Bund, Länder und Kommunen gaben 46,5 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen (2005: 72,4 Milliarden Euro). Die EU-Kommission will ihr Defizitverfahren gegen Deutschland in den kommenden Monaten einstellen. Dies teilte eine Sprecherin der EU-Kommission am Donnerstag mit.

Von 2002 bis 2005 hatte Deutschland das Maastricht-Kriterium, das ein Defizit von 3 Prozent des BIP erlaubt, überschritten. Zuletzt hatte das Minus nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2005 rund 3,2 Prozent betragen. Dank des hohen Wirtschaftswachstum konnte die Haushaltssanierung schneller erfolgen als erwartet. Für 2007 geht die Bundesregierung dank sprudelnder Steuereinnahmen davon aus, die 3-Prozent-Grenze noch deutlicher zu unterschreiten und erwartet ein Staatsdefizit von 1,5 Prozent.

Die gute gegenwärtige Wirtschaftslage sollte aber nach Ansicht des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) nicht zu Euphorie führen. IW-Direktor Michael Hüther sagte der "Süddeutschen Zeitung" , insgesamt sei die deutsche Wirtschaft in guter Verfassung. Aber die Firmen müssten sich weiteres Wachstum über Innovationen erst erarbeiten. Innovation aber koste Geld, das Banken immer schwerer zur Verfügung stellten. Hüther forderte ein Umdenken bei der Finanzierung vor allem kleinerer und neuer Unternehmen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters