Energiestreit Russisches Öl fließt wieder

Russland und Weißrussland haben sich im Streit um die Durchleitung von Öl geeinigt. Damit fließt russisches Erdöl wieder durch die Druschba-Pipeline. Seit heute Morgen kommt es auch wieder in deutschen Raffinerien an.

Berlin/Moskau - Nach dreitägiger Unterbrechung hat Russland seine Öllieferungen über Weißrussland wieder aufgenommen. Die wieder aufgenommenen Transporte von russischem Erdöl in Richtung Westen haben am Donnerstagmorgen Deutschland erreicht.

Am Morgen sei über die zentrale "Druschba"-Pipeline wieder Öl in Deutschland eingetroffen, erklärten Sprecher der ostdeutschen Raffinerien in Leuna und Schwedt. EU-Energiekommissar Andris Piebalgs sagte in Brüssel, alle Länder der Union, die von dem Lieferstopp betroffen gewesen seien, erhielten wieder russisches Öl. Der nördliche Strang der Röhre führt über Weißrussland und Polen nach Deutschland. Durch die Leitung fließt rund ein Fünftel des in Deutschland benötigten Erdöls.

Der Ölpreis sackte als Reaktion auf die Wiederaufnahme der russischen Öl-Lieferungen kräftig ab. Leichtes US-Öl fiel zeitweise unter die Marke von 53 Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der niedrigste Stand seit gut eineinhalb Jahren. Der Ölpreis stand in den letzten Tagen schon wegen des ungewöhnlich warmen Winters in Europa und den USA unter Druck.

Anlass für die Unterbrechung war der Streit über eine von Weißrussland erhobene Transitgebühr für die Durchleitung von Rohöl. Daraufhin stoppte Russland am Montag die Einleitung von Rohöl in die durch Weißrussland führende Pipeline "Druschba" und beschuldigte das Nachbarland, es habe der Leitung Öl für eigene Zwecke entnommen.

Unter dem Eindruck von scharfer Kritik aus Deutschland und der Europäischen Union führten die Präsidenten von Russland und Weißrussland, Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko, gestern ein Telefongespräch zur Beilegung des Konflikts.

Kurz darauf erklärte die Regierung in Minsk ihren Verzicht auf die Transitgebühr in Höhe von 45 Dollar je Tonne Rohöl. Außerdem kündigte der weißrussische Ministerpräsident Sergej Sidorsky an, er werde heute zu Gesprächen mit dem Kreml nach Moskau fliegen. "Ich hoffe, wir werden innerhalb von zwei Tagen in der Lage sein, alle Meinungsverschiedenheiten zu überwinden", sagte Sidorsky. In Moskau sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur AP, die Erklärungen aus Minsk seien "Anlass für vorsichtigen Optimismus". Der Lieferstopp betraf neben Deutschland vor allem die Ukraine, Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei.

Bundesregierung und EU-Kommission reagierten erleichtert auf das Ende des Lieferstopps. Sie mahnten zugleich beim weltweit zweitgrößten Öllieferanten Russland und dem Transitland Weißrussland Verlässlichkeit an. Steinmeier begrüßte, dass die Appelle, eine schnelle Lösung für den Ölstreit zwischen Russland und Weißrussland zu finden, Erfolg gehabt hätten. Er kündigte an, die EU wolle mit Russland in einen Dialog eintreten, um die künftige Energiebeziehungen auf einen dauerhaft verlässliche Basis zu stellen.

Weißrussland musste sich bereits zum Jahreswechsel den russischen Forderungen nach einem deutlich höheren Gaspreis beugen: Dem neuen Liefervertrag zufolge zahlt Minsk in diesem Jahr 100 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas an den russischen Konzern Gasprom. Das ist mehr als doppelt so viel wie bisher.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters