Volkswagen "Eine Goldmine"

Ein stiller Volkswagen-Gesellschafter ist Porsche nicht. Chef Wendelin Wiedeking erklärte auf der Detroit Motor Show, wie er den Wolfsburger Autokonzern profitabler machen will. Ein Punkt auf seiner Liste: Die Zahl der Porsche-Emissäre im VW-Aufsichtsrat soll steigen.

Detroit/Wolfsburg - "Ich weiß, wie man Geld macht. Und ich werde fordern, dass wir Geld bei VW machen, glauben Sie mir", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking laut "Wall Street Journal Europe" (WSJE) in Detroit.

Der Volkswagen-Konzern  sei, so Wiedeking weiter, "eine Goldmine". "Das einzige, was man nun tun muss, ist Tag und Nacht zu schürfen." Der erfolgreiche Sportwagenbauer aus Zuffenhausen hält derzeit 27,4 Prozent an Volkswagen und behält sich vor, den Anteil bis auf 29 Prozent auszubauen.

Eine Übernahme des Konzerns, die bei einem höheren Anteil automatisch eingeleitet werden müsste, schloss Wiedeking aber aus. Neben ihm sitzt auch Porsche-Finanzchef Holger Härter im VW-Aufsichtsrat - "mindestens einen Sitz mehr" forderte Wiedeking nun aber für die Zukunft. Wer Kandidat dafür sein könnte, ließ er offen.

Veränderungen im Topmanagement gefordert

Um die Profitabilität zu erhöhen, müsse Volkswagen an vielen Punkten seine Strategie ändern, forderte der Porsche-Chef. So empfahl er, auf den asiatischen Märkten produzierte Autos aus dem Niedrigpreissegment künftig auch in andere Länder zu exportieren und auf dem US-Markt aggressiver aufzutreten.

Zudem erklärte Wiedeking, es müsse "etliche Veränderungen in der Organisation" des Konzerns geben. Dazu zählte er laut WSJE auch weitere Veränderungen im Topmanagement von Volkswagen. Auf die Frage, ob der derzeitige VW-Markenchef Wolfgang Bernhard beim Konzern bleibe, verwies Wiedeking auf die für den morgigen Donnerstag angesetzte Aufsichtsratsversammlung bei Volkswagen.

Es wird erwartet, dass Bernhard das Unternehmen verlässt. Für ihn sind die erwarteten Umstrukturierungen mit einem Machtverlust verbunden. Bernhard soll einen angebotenen Posten als Produktionsvorstand abgelehnt haben und zur Begründung mit seinem bis 2010 laufenden Vertrag als Chef der Markengruppe VW argumentiert haben. Der frühere DaimlerChrysler-Manager war vor zwei Jahren nach Wolfsburg geholt worden, um die Kernmarke VW zu sanieren.

Winterkorns Umbaupläne

Phaeton auf der Abschussliste?

Auf die Frage, ob der von Ex-Audi-Chef Martin Winterkorn abgelöste Volkswagen-Vormann Bernd Pischetsrieder den Konzern verlasse, sagte Wiedeking, es könne für Pischetsrieder "auch andere [interne] Visionen geben". Andere Visionen erhofft sich Wiedeking auch für den künftigen Umgang mit den Luxus- und Highend-Karossen des Konzerns.

Der Phaeton, gedacht als Konkurrent zum 7er von BMW  und der Mercedes S-Klasse von DaimlerChrysler  erfüllt die Absatzerwartungen bei weitem nicht, in den USA wird das 2002 eingeführte Modell gar nicht mehr angeboten. Von dem 1000 PS starken Bugatti Veyron sollen nach bisheriger Planung nur 300 Exemplare produziert werden, ein Drittel davon ist laut Bugatti-Chef Thomas Bscher bisher verkauft worden.

Phaeton und Veyron sind kostspielige Projekte, die künftig aus Wiedekings Sicht vermieden werden sollen: "Eine Regel, der wir künftig folgen sollten, lautet, dass wir mit jedem [angebotenen] Produkt Geld verdienen müssen. Mit jedem Produkt - nicht mit Spielzeug." Ein Sprecher von Porsche  wollte die in dem Zeitungsbericht enthaltenen Aussagen des Konzernchefs gegenüber manager-magazin.de nicht kommentieren.

Winterkorns Umbaupläne

Bereits am heutigen Mittwoch hat der neue Volkswagen-Chef Winterkorn zunächst dem Präsidium des Aufsichtsrats seine Pläne für einen neuen Zuschnitt der Konzernmarken sowie personelle Veränderungen präsentiert. Das sechsköpfige Gremium kam dazu unter Leitung von Aufsichtsratschef Piëch zu einer außerordentlichen Sitzung in Wolfsburg zusammen. Eine Entscheidung über den Konzernumbau soll am Donnerstag bei der Sitzung des gesamten Aufsichtsrats fallen.

Dann sollen auch die Pläne für eine Lkw-Allianz im Aufsichtsratspräsidium beraten werden. Volkswagen ist Großaktionär von MAN  und Scania  und will sein Geschäft mit schweren Lkw in ein Bündnis einbringen. MAN will Scania für gut zehn Milliarden Euro übernehmen. Die Schweden leisten dagegen jedoch Widerstand. Bis zum 31. Januar haben die Scania-Aktionäre Zeit, sich zu entscheiden.

Winterkorn, der zu Jahresanfang Bernd Pischetsrieder an der Konzernspitze abgelöst hat, will angeblich die Kernmarke künftig selbst führen. Zudem wird der frühere Chef der erfolgreichen Ingolstädter Konzerntochter Audi wohl einen Entwicklungschef und einen Produktionsvorstand installieren, die für alle Konzernmarken verantwortlich sind. Ferner gehen Konzernbeobachter davon aus, dass Winterkorn Audi-Designchef Walter de Silva nach Wolfsburg mitnimmt.

Nach Winterkorns Willen sollen die sieben Automarken des Konzerns neu gruppiert werden: in eine Premiumgruppe mit Audi, Bentley und Lamborghini und eine Volumengruppe mit VW, Seat und Skoda. Bisher ist das Pkw-Geschäft in die Markengruppen VW und Audi aufgeteilt. Die Verluste schreibende spanische Marke Seat gehört bisher zur Audi-Gruppe und könnte, so befürchten Branchenkenner, bei einer Zuordnung zur VW-Gruppe das Image der Kernmarke leiden lassen. Audi wiederum möchte die Verantwortung für die ungeliebte Marke loswerden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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