Chrysler Alles kommt auf den Prüfstand

Chrysler steht vor einer umfassenden Restrukturierung. "Wir müssen das gesamte Geschäft überprüfen", sagte Chef Thomas LaSorda in einem Interview. Wann der US-Autobauer wieder in die Gewinnzone zurückkehren könnte, ließ LaSorda offen.

Detroit/Frankfurt am Main - Die angeschlagene US-Tochter Chrysler des deutsch-amerikanischen Autobauers DaimlerChrysler  steht offenbar vor einer umfassenden Restrukturierung. Chrysler-Chef Thomas LaSorda wird das gesamte Geschäft auf den Prüfstand stellen, schreibt die "Börsen-Zeitung" (Mittwochausgabe).

Bei den ins Auge gefassten Maßnahmen gehe es nicht nur um die Fertigung. "Wir müssen das gesamte Geschäft überprüfen: Umsatz, Wachstum, die Produkte und natürlich auch die Kosten", sagte LaSorda der Zeitung im Interview. Wann der defizitäre Autobauer wieder in die Gewinnzone zurückkehren werde, darüber wollte LaSorda nicht spekulieren. "Darüber reden wir gerade mit dem Board, und über das Ergebnis wird Ende Februar informiert."

Für die Verhandlungen mit der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) über einen neuen Arbeitsvertrag habe sich die DaimlerChrysler-Tochter vorgenommen, den "Wettbewerbsnachteil infolge der Vereinbarungen, welche die UAW mit GM  und Ford  geschlossen hat", wettzumachen. Gegenüber den beiden größten US-Autoherstellern hat sich die Organisation seit Abschluss des nun endenden Vierjahresvertrags auf Zugeständnisse bei Gesundheitskosten und Stellenstreichungen eingelassen. Den Kostennachteil für Chrysler beziffert LaSorda insgesamt auf "mehrere hundert Millionen Dollar".

Im dritten Quartal hatte der drittgrößte US-Autobauer einen rund 1,2 Milliarden Euro hohen Verlust eingefahren. Chrysler habe nicht das richtige Produktportfolio gehabt, um auf steigende Treibstoffpreise und die damit veränderten Kundenwünsche zu reagieren, räumte LaSorda ein.

Als der Benzinpreis in die Höhe schoss, machten Trucks, sportliche Geländewagen (SUV) und Minivans nach Angaben von LaSorda 71 Prozent des Produktportfolios von Chrysler aus. Zudem habe der US-amerikanische Autobauer die Überproduktion nicht schnell genug aus dem Markt genommen.

Anfang Dezember vergangenen Jahres hatte Chryslers Vertriebs- und Marketingchef Joe Eberhardt seinen Posten räumen müssen. Chrysler hatte damit die ersten personellen Konsequenzen auf oberster Führungsebene aus dem Absatzrückgang und den Milliardenverlust im dritten Quartal gezogen.

manager-magazin.de

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