DocMorris 500 Filialen in Deutschland

Die Versandapotheke DocMorris hat offensichtlich einen Weg gefunden, das deutsche Apothekenrecht zu umgehen: Am Montag eröffnet in Saarbrücken der erste der Billig-Medikamenten-Shops, die unter DocMorris-Lizenz laufen. "Wir wollen mit rund 500 Apotheken Kooperationen eingehen", sagte DocMorris-Chef Ralf Däinghaus.

Hamburg - Der niederländische Arzneimittelversand DocMorris startet einen neuen Anlauf zum Aufbau einer Apothekenkette in Deutschland. Rund vier Monate nach der gerichtlich erzwungenen Schließung der ersten deutschen DocMorris-Filiale in Saarbrücken eröffnet am Montag im benachbarten St. Wendel im Saarland erneut eine Apotheke mit dem Logo des Internet-Händlers, wie DER SPIEGEL am Samstag vorab berichtete.

Die Apotheke sei zwar weiter im Besitz der bisherigen Inhaberin, wie es das deutsche Recht verlange. Diese zahle jedoch eine Lizenzgebühr dafür, Arzneien künftig unter dem DocMorris-Logo zu verkaufen, berichtete das Blatt.

Zu den Plänen des Versandhandels in Deutschland zitierte DER SPIEGEL DocMorris-Vorstandschef Ralf Däinghaus mit den Worten: "In den nächsten drei Jahren wollen wir mit rund 500 Apotheken im ganzen Bundesgebiet solche Kooperationen eingehen." In diesen sollten nichtverschreibungspflichtige Medikamente um bis zu 30 Prozent billiger sein als in herkömmlichen Apotheken, berichtete das Blatt. Rezeptpflichtige Medikamente dürften nach jetziger Gesetzeslage dagegen nur zum einheitlichen Apothekenverkaufspreis abgegeben werden.

"Wir kämpfen dafür, dass es auch bei den verschreibungspflichtigen Arzneien zu einem Preiswettbewerb kommt", sagte Däinghaus den Angaben zufolge. Schließlich habe allein sein Unternehmen bereits 25 Millionen Euro Rabatte an die Kunden ausbezahlt: "Das zeigt, dass bei den Preisen noch Luft drin ist."

Der Vorstoß ist bereits der zweite Versuch von DocMorris, mit Ladengeschäften auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Im Juli hatten die Niederländer eine Saarbrücker Apotheke übernommen; nach mehreren Klagen ordnete das saarländische Verwaltungsgericht aber die vorläufige Schließung an. Sowohl das Unternehmen selbst als auch das saarländische Gesundheitsministerium riefen dagegen ihrerseits die Gerichte an. Über die Berufung wurde noch nicht entschieden.

Das Verwaltungsgericht hatte seine Entscheidung mit einer Interessenabwägung begründet und betont, dass damit noch keine endgültige Entscheidung vorweggenommen werde. Im Kern geht es darum, was Vorrang hat - das europäische Recht auf Niederlassungsfreiheit oder das deutsche Apothekenrecht, wonach Kapitalgesellschaften keine Apotheke besitzen dürfen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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