Merck Serono rein, Generika raus

Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat die Übernahme des Biotechunternehmens Serono abgeschlossen. Nun steht der nächste milliardenschwere Deal an: Merck hat bestätigt, den Verkauf seines Geschäfts mit Nachahmermedikamenten zu prüfen.

Darmstadt/Zürich - Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck  steht vor einer strategischen Neuausrichtung. Wie das Unternehmen am Freitag in Darmstadt bestätigte, wird der Verkauf der Generikasparte "als eine strategische Option überprüft". Merck befinde sich aber noch nicht in Gesprächen mit potenziellen Interessenten.

Nach einem Bericht der französischen Tageszeitung "La Tribune" ist der Pharmakonzern Sanofi-Aventis  an der Generikasparte von Merck interessiert. Sanofi-Aventis lehnte einen Kommentar dazu ab.

Bereits am Donnerstag hatte das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmens- und Branchenkreisen berichtet, dass der Gesellschafterrat von Merck grünes Licht für die Suche nach einem Käufer gegeben habe. Finanzkreisen zufolge könne der Konzern mit der Veräußerung deutlich mehr als vier Milliarden Euro erzielen.

Merck Generics ist nach den Angaben vom Freitag die Nummer drei auf dem Weltmarkt für Nachahmermedikamente und verbuchte 2005 ein operatives Plus von 238 Millionen Euro. Die Sparte erzielte mit 5000 Mitarbeitern rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz und damit fast ein Drittel der Konzernerlöse von 5,87 Milliarden Euro.

Unabhängig von den Verkaufsüberlegungen plant Merck nach eigenen Angaben weiterhin eine Kapitalerhöhung von zwei bis 2,5 Milliarden Euro im ersten Quartal 2007. Am Donnerstag war spekuliert worden, ob diese durch die Veräußerung des Geschäftes mit Nachahmerprodukten geringer als ursprünglich geplant ausfallen könne. Merck finanziert den 10,6 Milliarden Euro teuren Kauf des Schweizer Biotechnologiekonzerns Serono vor allem über Kredite und hatte angekündigt, bis zu 2,5 Milliarden Euro durch eine Kapitalerhöhung refinanzieren zu wollen.

Statt in großem Umfang in Nachahmermedikamente zu investieren, könnten die Darmstädter sich stärker auf die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente konzentrieren. Diese Strategie hatte sich mit dem Kauf von Serono bereits angedeutet.

Merck hat die Übernahme der Mehrheit von Serono  inzwischen abgeschlossen. Merck habe zu den am 21. September 2006 vereinbarten Konditionen den Serono-Anteil der Familie Bertarelli von rund 66 Prozent des Kapitals und 76 Prozent der Stimmrechte übernommen, teilte Serono am Freitag mit. Nach Zukäufen über die Börse halte Merck aktuell etwa 84 Prozent des Serono-Kapitals und 89 Prozent der Stimmrechte, hieß es. Merck habe zudem signalisiert, die Beteiligung weiter ausbauen zu wollen, so Serono.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters