Merck Neuer Milliarden-Deal

Das Pillenunternehmen Merck erwägt offenbar, sein Geschäft mit Nachahmermedikamenten zu verkaufen. Der Zeitpunkt dafür wäre nicht schlecht gewählt: Generikaunternehmen sind bei Investoren derzeit begehrt. Und Merck fiele mit den Milliarden aus dem Verkauf ein Übernahmegeschäft leichter.

Darmstadt - Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck  könnte Finanzkreisen zufolge deutlich mehr als vier Milliarden Euro aus einem möglichen Verkauf seiner Generika-Sparte erzielen. Merck lehnte einen Kommentar ab. Die im MDax  notierte Merck-Aktie kletterte am Donnerstag um mehr als sechs Prozent auf 85,99 Euro und stieg damit nahe an sein Rekordhoch von 90,71 Euro vom Mai 2006.

Experten schätzen, dass Merck den Verkauf schnell unter Dach und Fach bringen wolle. Schließlich würden derzeit jene Unternehmen hohe Preise erzielen, die mit Nachahmermedikamenten ihr Geld verdienen. Mit dem Rückzug aus dem Generika-Geschäft könnte sich Merck zudem ganz auf die beiden Kerngeschäfte Flüssigkristalle und patentgeschützte Medikamente fokussieren.

Im vergangenen Jahr erzielten die Darmstädter in der Generika-Sparte einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 238 Millionen Euro. Auf Konzernebene lag der Umsatz bei rund 5,9 Milliarden Euro.

Als mögliche Interessenten wurden in den unternehmensnahen Finanzkreisen Private-Equity-Gesellschaften genannt. So haben zum Beispiel mehrere Fonds jüngst die Übernahme der Altana-Pharmasparte durch die dänische Firma Nycomed finanziert.

Neben dem Verkauf des Generika-Geschäfts ist nach Ansicht aus Branchenkreisen auch an eine Veräußerung des Geschäftes mit rezeptfreien Produkten bei Merck zu denken: "Wenn Merck mit dem Generika-Geschäft eines seiner bisherigen Kerngeschäfte abgibt, dann wäre es durchaus sinnvoll auch über den Verkauf des Sparte Consumer Health Care (CHC) nachzudenken", sagte ein langjähriger Merck-Insider. 2005 erzielte die CHC-Sparte einen Umsatz von 376 Millionen Euro. Das Operative Ergebnis stieg dabei um 26 Prozent auf 50 Millionen Euro.

Das "Handelsblatt" (Donnerstagsausgabe) hatte unter Berufung auf Unternehmens- und Branchenkreisen berichtet, dass der Gesellschafterrat von Merck bereits grünes Licht für die Suche nach einem Käufer gegeben habe. Bei den jüngsten Übernahmen wurde nach Daten der Investmentbank Morgan Stanley zuletzt im Schnitt immerhin rund das Dreifache des Umsatzes und mehr als das Zwölffache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) für Generikafirmen gezahlt.

Legt man die Berechnungen der HVB zugrunde, nach denen für die jüngsten Übernahmen das zwei- bis annähernd vierfachen des Umsatzes gezahlt wurde, dann wäre das Generika-Geschäft von Merck 3,7 Milliarden bis 7,3 Milliarden Euro wert.

Merck böte der Verkauf seines Nachahmergeschäftes die Chance, Schulden aus der Übernahme des Schweizer Biotechkonzerns Serono  schneller zurückzuzahlen und die geplante Kapitalerhöhung geringer als bisher geplant ausfallen. Merck will Serono für 10,6 Milliarden Euro übernehmen. Am Freitag sollen die Serono-Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Verkauf entscheiden.

Merck finanziert den Serono-Kauf über einen Kredit in Höhe von 11,5 Milliarden Euro. Eine Kapitalerhöhung in Höhe von 2 bis 2,5 Milliarden Euro wurde zuletzt für das erste Quartal angekündigt. Daran sollen sich die Familiengesellschafter mit rund 1 Milliarde Euro beteiligen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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