BenQ Mobile Kein Retter in Sicht

Die Hoffnungen der BenQ-Mobile-Mitarbeiter auf einen zahlungskräftigen Investor schwinden weiter. Auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hat sich bislang kein Käufer für die ehemalige Siemens-Handysparte gefunden. Unterdessen kritisierte der Betriebsrat die Informationspolitik des Insolvenzverwalters.

München - Für den zahlungsunfähigen Handyhersteller BenQ Mobile hat sich nach Angaben von Insolvenzverwalter Martin Prager trotz intensiver Suche bislang kein Investor gefunden. "Bis heute zwölf Uhr habe ich kein einziges Kaufangebot vorliegen", erklärte Prager bei einer Pressekonferenz.

Er habe insgesamt Gespräche mit mehr als 100 potenziellen Investoren geführt. Mit 31 Interessenten sei intensiver verhandelt worden - bislang jedoch ohne Resultat. "Die Palette der Interessenten reichte von namhaften Branchenunternehmen über internationale Finanzinvestoren bis zum Glücksritter, wobei die Gruppe der Beteiligungsgesellschaften am stärksten vertreten war", sagte Prager. Der Insolvenzverwalter deutete an, dass er auch mit Investoren aus der Mobiltelefonbranche in Verhandlungen stehe. Namen nannte er allerdings nicht.

"Es gibt weiterhin Interessenten, mit denen wir sprechen", betonte Prager. Zudem erklärte er: "Auch heute noch kann das ganze Vermögen auf einen Schlag abgekauft werden". Ein solcher Neuanfang sei einerseits attraktiv, da Mitarbeiter aus den Transfergesellschaften "ohne arbeitsrechtliche Altlasten" eingestellt werden könnten. Allerdings räumte Prager ein, dass diese Lösung immer schwieriger zu bewerkstelligen sei, "je länger die Produktion stillsteht". Einem Investor, der erst im Oktober ankomme, würde er "null Chancen" geben.

Indirekt widersprach Prager Presseberichten, wonach Investoren BenQ Mobile zerlegen wollten. "Es hat sich im Laufe der Verhandlungen herausgestellt, dass sich die kleinen Lösungen nicht tragen", so Prager. Das Unternehmen werde daher wohl eher im Gesamtpaket verkauft.

Abgeschreckt hat viele Investoren bislang offenbar der gravierende Umsatzverlust. Im vierten Quartal hat der Umsatz Prager zufolge bei 51 Millionen Euro gelegen, das waren 87 Prozent weniger als geplant. Als Ursachen führte der Insolvenzverwalter vor allem den Wertverlust der Marken BenQ und BenQ Siemens sowie Managementfehler des ehemaligen Eigentümers Siemens  an. "Davon hat sich das Unternehmen nie erholt", so Prager. Er räumte zudem ein, dass in den vergangenen drei Monaten keine Sanierung durchgeführt wurde, sondern nur eine Reduzierung der Kosten.

Sanierung würde gewaltige Summen kosten

Sanierung würde gewaltige Summen kosten

Ohne einen Investor sei das Unternehmen nicht weiterzuführen, da es unter Vollkosten nicht profitabel arbeite, erklärte Prager. Ein potenzieller Investor müsste wohl einen dreistelligen Millionenbetrag investieren, um BenQ Mobile zu sanieren.

Zum Jahresbeginn haben nach Auskunft des Insolvenzverwalters mehr als 90 Prozent von 2774 Mitarbeitern vom Angebot Gebrauch gemacht, in eine der beiden Transfergesellschaften überzutreten. Diese Beschäftigungsverhältnisse sind allerdings nur bis zum 31. Dezember 2007 begrenzt. Wer bis dahin durch Weiterqualifizierungs- und Bewerbungsmaßnahmen keinen neuen Job gefunden hat, dem droht die Arbeitslosigkeit.

Rund 500 Mitarbeiter haben seit der Insolvenzanmeldung von sich aus gekündigt, 130 davon sind nach Angaben Pragers zum ehemaligen Mutterkonzern Siemens gewechselt. 232 Mitarbeiter haben das Angebot des Übertritts abgelehnt und werden nun gekündigt. Für Auslaufproduktion und Abwicklungsarbeiten werden noch etwa 260 Beschäftigte benötigt.

Einige ehemalige Beschäftigte, die sich bis zum Schluss gegen einen Wechsel zu einer Transferfirma gestemmt hatten, klagen vor dem Arbeitsgericht München gegen Siemens. Sie seien im Jahr 2005 nicht richtig über den Übergang ihres Arbeitsverhältnisses informiert worden.

Die Arbeitnehmerseite zeigte sich von der Erklärung Pragers enttäuscht. "Wir sind davon ausgegangen, dass der Insolvenzverwalter Aussagen über potenzielle Investoren macht", erklärte Josef Michael Leucker, Gesamtbetriebsratschef von BenQ Mobile, gegenüber manager-magazin.de. Betriebsrats- und Gewerkschaftsvertreter hatten in den vergangenen Tagen die Hoffnung auf das angekündigte Angebot eines deutsch-amerikanischen Investors geschürt. Man habe erwartet, dass ein Angebot bis heute eingereicht werde, sagte Leucker.

Einerseits zeigte Betriebsrat Leucker Verständnis dafür, dass Prager sich jetzt in der Öffentlichkeit mit konkreten Aussagen über Investoren zurückhalte, um laufende Verhandlungen nicht zu gefährden. Gleichzeitig übte er jedoch Kritik am Insolvenzverwalter. In den Wochen nach der Anmeldung der Zahlungsunfähigkeit seien die Arbeitnehmervertretungen unzureichend über ihre Zukunft informiert worden: "Zum Thema Investoren kam so gut wie nichts an Informationen rüber". Den aktuellen Stand der Dinge habe der Betriebsrat häufig nur aus eigenen Gesprächen mit Kaufinteressenten erfahren.

Im Zusammenhang mit Rettungsversuchen für den insolventen Handyhersteller hatte es in den vergangenen Wochen immer wieder Spannungen zwischen BenQ-Mobile-Betriebsrat und Insolvenzverwalter gegeben. Leucker hatte Prager unter anderem vorgeworfen, auf Angebote von Investoren nicht reagiert zu haben.