Infineon Belastung statt Entlastung?

Auf der Hauptversammlung des Chipherstellers Infineon soll dem Ex-Vorstand Andreas von Zitzewitz die Entlastung für dessen letztes Amtsjahr verweigert werden. Das zumindest fordern Vorstand und Aufsichtsrat in der aktuellen Tagesordnung für das Aktionärstreffen.

München - Die Aktionäre des Chipkonzerns Infineon  sollen dem in eine Bestechungsaffäre verwickelten Ex-Vorstand Andreas von Zitzewitz die Entlastung für sein letztes Amtsjahr 2004/05 verweigern. Das fordern Aufsichtsrat und Vorstand von Infineon, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Tagesordnung für die Hauptversammlung am 15. Februar hervorgeht.

Für das Geschäftsjahr 2005/2006 sollen die Mitglieder des Vorstands dagegen entlastet werden, so der Vorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand.

Im vergangenen Jahr war die Entlastung bis zur Klärung der Vorwürfe zurückgestellt worden. Eine Begründung gab das Unternehmen nicht. Die Nichtentlastung durch die Aktionäre hat keine unmittelbaren Rechtsfolgen, ist aber symbolträchtig.

Zitzewitz hatte wegen Bestechlichkeit einen Strafbefehl über 100.000 Euro erhalten, nachdem er gestanden hatte, von einem Schweizer Werbevermittler mehr als 70.000 Euro Schmiergeld erhalten zu haben. Er hatte in der Sache vor Gericht auch den ehemaligen Vorstandschef Ulrich Schumacher der Annahme von Schmiergeld beschuldigt. Zitzewitz war zu Beginn der Affäre im Sommer 2005 zurückgetreten.

Geringere Kapitalerhöhung

In einem ungewöhnlichen Schritt will der Infineon-Vorstand um Wolfgang Ziebart den Rahmen für mögliche Kapitalerhöhungen reduzieren. Er beantragt ein genehmigtes Kapital von nominal 224 Millionen Euro, mit dem das Unternehmen bei den Aktionären bis 2012 zum gegenwärtigen Aktienkurs bis zu 1,2 Milliarden Euro für Zukäufe einsammeln könnte. Der Kapitalrahmen - 15 Prozent des bisherigen Grundkapitals - solle sicherstellen, dass auch größere Zukäufe in bar oder Aktien finanzierbar seien, erklärte Infineon.

Zuletzt lag das genehmigte Kapital bei 350 Millionen Euro. Das Bezugsrecht kann ausgeschlossen werden. Zudem will Infineon bis zu zehn Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen. Auch diese ließen sich als Akquisitionswährung einsetzen.

Die ehemalige Tochter von Siemens  will nach dem Umzug in die noch von Schumacher geplante Firmenzentrale "Campeon" in Neubiberg auch den juristischen Sitz in die Stadtrandgemeinde im Süden von München verlegen. Die Hauptversammlung soll dem zustimmen.

manager-magazin.de mit Material von reuters