Freitag, 18. Oktober 2019

Konjunktur "Unbeschreibliche Stimmung"

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich wenige Wochen vor der Mehrwertsteuererhöhung überraschend aufgehellt. Die Ifo-Daten signalisieren ein robustes Wachstum über den Jahreswechsel hinaus. Volkswirte zeigen sich von den jüngsten Zahlen beeindruckt.

Berlin - Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November auf 106,8 von 105,3 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag in seiner monatlichen Umfrage mitteilte. "Diese Umfrageergebnisse lassen eine Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs erwarten", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit einem leichten Rückgang auf 105,2 Zähler gerechnet.

Der Funke springt über: Unternehmen in Deutschland beurteilen ihre Aussichten positiv. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer scheint die Konjunktur nicht wirklich bremsen zu können.
Die rund 7000 befragten Unternehmen bewerteten sowohl ihre Geschäftsaussichten als auch ihre aktuelle Lage positiver. Der Teilindex für die Erwartungen auf Sicht von sechs Monaten stieg auf 100,1 von 99,2 Punkten im Vormonat. Der Lageindex stieg auf 113,9 von 111,9 Zählern. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt einen Rückgang des Erwartungsindex auf 98,8 Punkte und einen Anstieg des Lageindex auf 112,0 Punkte vorausgesagt.

Im verarbeitenden Gewerbe habe sich das Geschäftsklima erneut verbessert. Beide Komponenten des Klimas, Geschäftslage und Erwartungen, hätten dabei zur Aufhellung beigetragen. Weiter steigende Chancen hätten die Industrieunternehmen im Exportgeschäft gesehen. Auch im Bauhauptgewerbe und im Großhandel sei das Geschäftsklima gestiegen, wohingegen der Geschäftsklimaindex im Einzelhandel gesunken sei. Zwar seien die Befragungsteilnehmer in diesem Bereich erneut zufriedener mit ihrer aktuellen Situation gewesen, doch hätten sie in ihren Erwartungen zunehmende Skepsis geäußert, teilte das Ifo-Institut weiter mit.

"Das vierte Quartal wird auch gut"

Volkswirte zeigten sich positiv überrascht von den Zahlen und blickten zugleich optimistisch in die Zukunft. "Mir fällt gar nichts mehr dazu ein. Die gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist unbeschreiblich. Vor allem, dass die Erwartungen nicht nachgegeben haben, ist überraschend. Es zeichnet sich ab, dass die Unternehmen durch die erwartete Konjunkturdelle hindurchblicken und ihre Erwartungen daran festmachen, dass der Aufschwung sich danach fortsetzen wird", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank.

"Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist langsam in stratosphärische Höhen gestiegen. Die Prognosen eines Stimmungseinbruchs sind bisher Lügen gestraft worden. Das vierte Quartal wird auch gut sein", erklärte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank am Mittwoch.

"Stimmung in stratosphärische Höhen gestiegen"

"Das ist mal wieder eine positive Überraschung. Besonders weil die Erwartungen wieder anziehen. Das zeigt, dass nach ein wenig Skepsis wegen der Mehrwertsteuererhöhung und einem schwachen Wachstum in den USA die Unternehmen wieder zuversichtlich sind", erklärte Dirk Schumacher von Goldman Sachs.

Die deutsche Wirtschaft steuert in diesem Jahr auf das kräftigste Wachstum seit dem Boomjahr 2000 zu. Experten rechnen mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von rund 2,5 Prozent. Die kräftigsten Wachstumsimpulse kamen zuletzt von den Exporten und dem private Konsum. Der Außenhandel steuerte zwei Drittel des Wachstums von 0,6 Prozent im Sommerquartal bei, die Binnenwirtschaft ein Drittel, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die privaten Konsumausgaben legten dabei um kräftige 0,7 Prozent zu. Wegen der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel haben Verbraucher viele Anschaffungen vorgezogen und damit den lange schwächelnden Konsum angekurbelt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung