Schmiergeld Volkssport Korruption?

Großrazzia bei Siemens, Untreueskandal bei VW, Schiebereien bei Heros: Obwohl Exportweltmeister Deutschland nach Einschätzung von Transparency International noch lange nicht Schmiergeld-Weltmeister ist, halten Manager wie Mitarbeiter auch hierzulande gerne mal die Hand auf oder greifen selbst in die Kasse. Ein Überblick.

Hamburg - Münchener Fahnder sowie die interne Revision von Siemens  durchleuchten seit Tagen ein Geflecht von schwarzen Kassen, über die vermutlich mehr rund 200 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sind. Klaus Volkert, ehemals Betriebsratschef bei Volkswagen , sitzt seit Anfang der Woche wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft. Ex-VW-Personalchef Peter Hartz, der Volkert mit Millionenzahlungen gefügig hielt, ist wegen 44 Straftaten angeklagt. Gegen Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher wird noch ermittelt, während sein Vorstandskollege schon gestanden hat, Schmiergeld angenommen zu haben.

Deutschland im Korruptionssumpf? Die Liste der betroffenen Unternehmen ist deutlich länger, doch nach Einschätzung der Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI) geht es in anderen Industrieländern noch wilder zu.

Im jüngsten Schmiergeldzahlerindex, den TI im Oktober veröffentlichte, rangiert Deutschland hinter den vergleichsweise "sauberen" Ländern Schweiz, Schweden, Australien, Österreich, Kanada und Großbritannien immerhin auf dem siebten Rang.

Größere Probleme mit Korruption haben dem Index zufolge die USA (Rang 9), Frankreich (15) und Italien (20), während Indien, China, Russland und die Türkei unter den 30 führenden Exportnationen am stärksten von Korruption belastet sind. "Man muss nicht Weltmeister im Schmieren sein, um Exportweltmeister zu sein", sagte Hansjörg Elshorst, Chef von TI Deutschland, und attestierte der Bundesrepublik damit ein vergleichbar achtbares Ergebnis.

Angesichts der jüngsten Korruptionsfälle sind deutsche Unternehmen aber umso stärker in der Pflicht, innerhalb des Unternehmens etwas gegen Korruption zu tun. Und das tun einige Konzerne auch, wie folgende Beispiele zeigen.

Offene Ohren für die "Whistleblower"

Unternehmen wie Infineon, DaimlerChrysler, Deutsche Bahn und nun auch Siemens setzen inzwischen auf Kontaktleute im eigenen Unternehmen, an die sich Mitarbeiter auch anonym wenden können, um Verdachtsfälle aufzuzeigen. Der Einsatz dieser "Whistleblower" hat sich im Kampf gegen Korruption schon häufig als effektiv erwiesen.

Wolfgang Ziebart, Vormann von Infineon , hat kurz nach dem übereilten Abgang von Ulrich Schumacher ein verschärftes Kontrollsystem installiert: Mitarbeiter, denen Unregelmäßigkeiten auffallen, können sich an den "Corporate Compliance Officer" Eric Mayer wenden. Erhärten sich die Verdachtsfälle, übergibt der CCO den Fall an den Staatsanwalt.

Ähnlich arbeitet bei DaimlerChrysler  die Abteilung "Corporate Compliance Operations" unter Roman Fischer: Der Konzern hat in seinem jüngsten Geschäftsbericht offen eingeräumt, dass in Ländern wie Afrika, Asien und Osteuropa "unsachgemäße Zahlungen" geflossen sind. Die nun installierten Aufseher sollen Mitarbeiter im gesamten Unternehmen dabei unterstützen, gegen Korruption vorzugehen.

Die Deutsche Bahn geht noch einen Schritt weiter und gibt jährlich einen eigenen Korruptionsbericht heraus. Ombudsleute, wie sie jetzt auch bei Siemens geplant sind, nehmen Hinweise von Mitarbeitern auch anonym entgegen. Lieferverträge der Bahn sind mit Klauseln versehen, die bei Verfehlungen gegen die Kontrollrichtlinien bis zu 10 Prozent der Auftragssumme als Strafe vorsehen.

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