WTC-Anschläge Die Allianz soll bluten

Der US-Investor Larry Silverstein will die Allianz gerichtlich zu einer Millionenzahlung für den Wiederaufbau des durch Terroranschläge zerstörten World Trade Centers zwingen. "Die Allianz schuldet uns 865 Millionen Dollar", so Silverstein. Der Versicherungskonzern dagegen bestreitet die Rechtmäßigkeit der Forderung.

Düsseldorf - Im Streit mit der Allianz  um die Schadenssumme des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Center (WTC) zeigt sich Pächter Larry Silverstein nicht kompromissbereit. "Die Allianz hält uns seit mehr als fünf Jahren hin. Jetzt sollen die Gerichte entscheiden", sagte der Immobilienunternehmer dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe).

Branchenkreisen zufolge könnte der New Yorker den Streit bis vor den Obersten Gerichtshof tragen, berichtet die Zeitung. Bei seiner Klage geht es um eine zusätzliche Forderung von 553 Millionen US-Dollar. Für diesen Freitag ist ein Schlichtungsgespräch angesetzt.

"Die Allianz schuldet uns 865 Millionen Dollar", sagte Silverstein dem Blatt. Davon habe sie erst 312 Millionen Dollar bezahlt. Die Allianz bestreitet die Rechtmäßigkeit der Forderung. Bei einer Klage bleibe dem Konzern jedoch keine andere Wahl, als durch alle Instanzen mitzuziehen, sagte ein Sprecher der Zeitung. Der Konzern habe bereits mehr als eine halbe Milliarde Dollar vorgestreckt und bislang alle Verpflichtungen erfüllt, so der Sprecher. Weitere Zahlungen könnten erst erfolgen, wenn eine Sachverständigen-Kommission die "theoretischen Kosten für den exakten Wiederaufbau" des WTC festgestellt habe, sagte der Sprecher. Experten sollen nun die tatsächliche Schadenshöhe feststellen.

Silverstein hatte das WTC kurz vor den Anschlägen von der Hafenbehörde Port Authority auf 99 Jahre geleast. Vor Gericht hatte Silverstein reklamiert, dass die Terroranschläge vom 11. September als zwei verschiedene Schadensereignisse gewertet werden müssten, und Anspruch auf die doppelte Summe von den Versicherern erhoben. Ein US-Gericht hatte im Frühjahr festgestellt, dass der Terroranschlag tatsächlich als zwei Schadenereignisse gewertet werden könne. Die Schadenhöhe müsse aber noch in einem gesonderten Schiedsgerichtsverfahren festgestellt werden.

New Yorkes Bürgermeister Michael Bloomberg, Gouverneur George Pataki und diverse Kongressabgeordnete haben in persönlichen Briefen an Allianz-Chef Michael Diekmann ihren Ärger darüber erklärt, dass die Allianz sich weigert, den von Silverstein geforderten Schadenersatz voll zu zahlen. "Ich fordere Sie auf, ihren Verpflichtungen unverzüglich nachzukommen, damit der Wiederaufbau vorangehen kann", schrieb dazu etwa der US-Senator Charles Schumer an Diekmann.

Nicht immer war sich die New Yorker Führungsriege in Sachen Ground Zero so einig. Noch im Frühjahr hatten Politiker befürchtet, Silverstein würde alle verfügbaren Mittel aufbrauchen und ein halbfertiges Projekt sowie leere Kassen hinterlassen. New Yorks Bürgermeister Bloomberg warf Silverstein unter anderem vor, er habe die benötigte Bausumme gar nicht und wolle sich nur bereichern.

Denn am Ground Zero geht es auch fünf Jahre nach den Anschlägen nicht voran. Verantwortlich dafür ist unter anderem Silverstein. Der zankt sich seit dem 11. September 2001 nicht nur mit den Versicherungen, sondern auch mit allen Beteiligten um die Details des Projekts Ground Zero.

So wollte Silverstein noch im Sommer den Mietpreis bei dem Besitzer des Grundstücks, der New Yorker Port Authority, drücken. Die Behörde war misstrauisch geworden, ob es richtig war, Silverstein die Hoheit über das gesamte Projekt zu übertragen und hatte versucht, einen Teil der Bebauung wieder in die eigenen Hände zu bekommen.

Vor Kurzem wurde dann doch noch ein Kompromiss gefunden. Der sieht vor, dass Silverstein von der Hafenbehörde gegen eine Prämie das Recht erhält, den Freedom Tower auf dem Gelände zu bauen. Er soll den Plänen zufolge den Freedom Tower aber nach Fertigstellung an die Hafenbehörde zurückgeben.

Die Art und Weise des Wiederaufbaus wird auch die noch festzusetzende Schadenhöhe beeinflussen: Baut Silverstein nicht, soll sich die Schadenersatzzahlung am Zeitwert des WTC orientieren. Sollte Silverstein den Freedom Tower selbst wieder aufbauen, stünde ihm eine Schadenersatzzahlung in der Höhe zu, die der Aufbau des WTC heute kosten würde.

manager-magazin.de mit Material von dpa