Neuer Telekom-Chef Obermann obenauf

Schonungslos sprach der neue Telekom-Vorstandschef René Obermann in seiner Antrittsrede vor den Kollegen von Indiskretionen und Egoismen, die es im Konzern gegeben habe. "Draußen ist der Wettbewerb - nicht hier drinnen", rief Obermann. Sein erstes Kurzfristziel lautet: Gewinner im Weihnachtsgeschäft.
Von Christian Buchholz

Bonn - Hatte sich René Obermann bei seiner offiziellen Präsentation als neuer Vorstandschef noch kurz gefasst, gelang ihm anderthalb Stunden später vor den Kollegen ein mitreißender Appell, den er mit den Worten abschloss: "Also, Leute, nach vorne ist die Devise!"

Überzeugend wirkte Obermann auch, weil er vergleichsweise schonungslos innerbetriebliche Schwächen nannte. "Die ganzen, teilweise menschlich sogar verständlichen - lassen Sie es mich in Anführungsstriche setzen - 'Egoismen', die bestehen, müssen wir bekämpfen." In Zukunft sollten "alle noch besser zusammenarbeiten als bisher und das predige ich hier nicht nur von der Kanzel herab". Man müsse "nach innen loyal und kraftvoll wirken".

Und schließlich solle der Konzern aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Da habe es "in der Vergangenheit die ein oder andere wenig lustige Indiskretionen" gegeben. "Wir standen zu viel in der Presse", erklärte Obermann, wohl wissend, dass seine Rede per TV-Kameras übertragen wurde.

Nicht zum Billigen Jakob mutieren

Als Langfristziel gab Obermann vor, die Telekom  müsse "zur bestangesehensten Service-Firma der Branche" aufsteigen. Dazu sollten sich alle Mitarbeiter die Frage stellen, was die Telekom qualitativ besser machen könne als der Wettbewerb. Anschließend müssten diese Ziele umgesetzt werden - "und wenn es Jahre dauert, das macht gar nichts". Allerdings solle man nicht "zum Billigen Jakob" mutieren - davon gebe es bereits genug. Das Thema Qualität entscheide über den Erfolg.

Obermann, bisher im Vorstand für T-Mobile verantwortlich, erklärte zudem, er wolle ein Chef für den gesamten Konzern sein, "für alle Sparten", die gegenseitig aufeinander angewiesen seien. Ein Bekenntnis zum Standort folgte. Der Konzern generiere "50 Prozent und mehr" seines Umsatzes in Deutschland, dies sei der wichtigste Markt. Und hier wolle man zügig seine Position ausbauen: "Wir wollen die Gewinner im Weihnachtsgeschäft werden", sagte Obermannn - und wiederholte die Zielvorgabe später noch einmal.

In den nächsten Monaten will Obermann zudem die langfristige Marschrichtung festlegen. Die Kernfrage dazu laute: "In welchen Bereichen wollen wir Weltspitze werden? 1,2,3 - mehr sind es gar nicht." Auf diese Bereiche müsse sich der Konzern dann fokussieren.

Unstrittig ist für Obermann zudem, dass man "die Kosten besser in den Griff kriegen muss". Ob es dabei zu einer erneuten Stellenabbau-Initiative kommt, ließ er offen. Er betonte aber generell, dass der Konzern auch künftig "sozial verantwortlich" handeln werde. Schließlich sei die Motivation der Kollegen zentral fürs Geschäft: "Ohne Motivation kein Service, ohne Service keine Kunden, ohne Kunden kein Umsatz - und da schließt sich der Kreis schon wieder", so Obermann.

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