Bankenverband "Wir haben mehr erwartet"

Die privaten Banken in Deutschland haben nach einem Jahr Große Koalition die Bundesregierung scharf kritisiert. "Die Zwischenbilanz der großen Koalition ist ernüchternd. Wir haben mehr erwartet", sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller.

Frankfurt am Main - Die Koalition biete "ein Bild der Zerrissenheit und Profilierungssucht". Es sei kein klarer Fahrplan für dauerhafte Reformen erkennbar. Zu loben sei hingegen die internationale Anerkennung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), was ein gutes Zeichen für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft sei.

Müller kritisierte, die geplante Gesundheitsreform sei allenfalls ein "Reformplacebo", das noch mehr Bürokratie zur Folge habe.

Entscheidend für die Zukunft Deutschlands sei mehr Wachstum. Zwar rechne der Bankenverband für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von etwa 2,25 Prozent, 2007 dann jedoch nur mit mit der Hälfte. "Unser Potenzialwachstum, also der längerfristige Wachstumstrend, bleibt mit knapp 1,5 Prozent dürftig. Die Konjunktur löst unsere Probleme definitiv nicht."

Die privaten deutschen Banken arbeiteten indes ihre Hausaufgaben ab, betonte Müller. "Wir haben Fortschritte gemacht, sind aber noch weit von europäischen Standards entfernt. Wir begradigen immer noch, wo es nötig ist. Aber wir investieren und stellen auch wieder ein." Einem weiteren Stellenabbau im Bereich der Verwaltung ständen neue Jobs zum Beispiel in der Kundenberatung gegenüber.

Müller erneuerte seine Kritik am öffentlich-rechtlichen Bankensektor in Deutschland: "Die öffentliche Rechtsform ist nicht geeignet, um die Sparkassen in eine gute Zukunft zu führen." Das deutsche Sparkassenlager sei inzwischen in Europa weitgehend isoliert. Die Bankenlandschaft müsse endlich modernisiert werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa