Deutsche Telekom Inthronisierung im Schnellverfahren

Den Service verbessern, die Kosten senken: Mit knappen Worten hat der neue Telekom-Chef René Obermann die künftigen Leitlinien des Konzerns beschrieben. Mit diesem "schwierigen Spagat" will Obermann auch die T-Aktionäre zurückgewinnen.

Bonn - Um 13 Uhr bestätigte Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel am Montag den Führungswechsel. "Wir leisten Herrn Ricke Dank für die geleistete Arbeit", sagte Zumwinkel. Für die kommenden fünf Jahre werde nun René Obermann an der Konzernspitze stehen. "Dabei hat er die volle Unterstützung des Aufsichtsrats und erst recht meine Unterstützung", so der Aufsichtsratschef, der Obermanns "mehr als 20-jährige Erfahrung in dieser Branche" herausstrich.

Aktionäre gaben Obermann einen Vertrauensvorschuss. Die Aktie der Deutschen Telekom  legte am Montag zeitweise um mehr als 3 Prozent zu.

Im Vergleich zu Zumwinkels dürren Worten ließ sich Obermann schon ein wenig mehr Zeit, um auf das Wirken seines Vorgängers Kai-Uwe Ricke einzugehen. "Dank der Arbeit meines Vorgängers hat die Telekom wieder eine solide Bilanz", sagte Obermann in seiner ersten Rede als Konzernchef. "Ich glaube deshalb fest daran, dass die Telekom trotz der aktuellen Probleme wieder an die Spitze im internationalen Vergleich herangeführt werden kann."

Obermann schwor das Unternehmen auf weitere Kostensenkungen und mehr Service ein. Die Telekom soll "Marktführer in Sachen Service werden" und gleichzeitig die Kosten weiter senken. "Das ist ein schwieriger Spagat", betonte der bisher für T-Mobile zuständige Manager.

Es gelte nun, jeden Cent zweimal umzudrehen. Zugleich müsse das Unternehmen dahin kommen, "zufriedene und loyale Kunden" zu haben. Nur wenn dieser Spagat gelinge, werde man die Zukunft des Unternehmens sichern und dafür sorgen, dass die Aktionäre wieder "rundum zufrieden" mit der T-Aktie sein können, sagte Obermann.

Finanzministerium wünscht schnelle Reaktion

Finanzministerium wünscht schnelle Reaktionen

Das Finanzministerium hatte zuvor erklärt, von der neuen Führung der Deutschen Telekom  erwarte man eine schnelle Reaktion auf die Lage des Konzerns.

Als größter Anteilseigner habe der Bund ein hohes Interesse daran, dass die Probleme des Unternehmens kurzfristig gelöst würden, sagte der Sprecher von Ressortchef Peer Steinbrück am Montag in Berlin. Ebenso sei es im Sinne des Bundes, wenn das Unternehmen seine hohen Wachstumschancen nutze.

Der Rücktritt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke habe den Weg frei gemacht für eine schnelle Entscheidung des Aufsichtsrats. Sein Haus gehe davon aus, dass das Unternehmen in enger Abstimmung mit den Anteilseignern wieder mit einer führungsfähigen Struktur ausgestattet werde.

Obermann unter großem Zeitdruck

Der künftige Telekom-Chef steht nach Einschätzung der Aktionärsschützerin Reinhild Keitel unter großem Zeitdruck. Sie habe ihre Zweifel, ob Obermann der richtige Mann auf dem Chefsessel der Telekom sei, sagte Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) dem Norddeutschen Rundfunk. Wenn es Obermann nicht gelinge, überzeugende neue Strategien vorzulegen, werde er schneller abgelöst werden als Ricke, der vier Jahre den Kurs der Telekom bestimmte.

Ricke warf die Aktionärsschützerin vor, vor allem in der Festnetzsparte keine richtige Strategie gehabt zu haben und verspätet auf Marktentwicklungen reagiert zu haben. Ein weiteres Problem der Telekom sei, dass sie im Vergleich zu anderen europäischen Wettbewerbern noch immer eine wesentlich höhere Personalbesetzung habe.

In der gestrigen Ad-hoc-Mitteilung der Telekom zum Wechsel an der Vorstandsspitze schrieb der Konzern, Ricke habe seinen Posten "im Einvernehmen mit dem Präsidium des Aufsichtsrats" niedergelegt.

Zumwinkel, dankte Ricke "für seine engagierte Arbeit, besonders für die Konsolidierung des Konzerns und die weitere Internationalisierung". Als Verdienste wurden angeführt die "deutliche Entschuldung" des Konzerns, "die Internationalisierung besonders in Osteuropa und den USA, die T-Online-Verschmelzung und die Entwicklung des deutschen Breitbandmarktes".

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters