Airbus Appell an die Zulieferer

Ein Massensterben der 15.000 Zulieferer von Airbus soll es laut Einkaufsvorstand Henri Courpon nicht geben. Dass einige im Rahmen der Airbus-Sanierung auf der Strecke bleiben werden, deutet sich aber an. So soll die Zahl der Lager von heute 80 auf vier bis acht sinken. Bitter: FedEx storniert zehn A380-Bestellungen.

Hamburg/Paris - Airbus baut trotz drastischer Sparpläne auch in Zukunft auf seine Lieferanten in Deutschland und Frankreich. Die Zulieferer müssen sich aber auf einen harten Wettbewerb einstellen.

"Es stimmt nicht, dass wir die Zahl unserer Lieferanten um 80 Prozent senken wollen", sagte Airbus-Einkaufsvorstand Henri Courpon am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Paris. Da seien Zahlen aus dem konzerninternen Programm zur Optimierung der Logistik falsch interpretiert worden.

Medien hatten berichtet, Airbus wolle die Zahl der Zulieferer von 3000 auf 500 senken. Dies führte in Deutschland und Frankreich zur Befürchtung eines Massensterbens mittelständischer Firmen. Die französische Gewerkschaft CGT kündigte am Dienstag einen harten Kampf gegen diese angebliche "geplante Vernichtung" von Arbeitsplätzen an.

Lieferanten sollen sich gruppieren

"Airbus hat nicht 3000, sondern mehr als 15.000 Zulieferer", sagte Courpon. "Die 16 Werke in Europa greifen auf 80 Lager zurück, die von 3000 Lieferanten bestückt werden. Wir wollen die Logistik vereinfachen und auf vier bis acht Zentrallager konzentrieren." Dabei solle auch die Zahl der Lieferverträge drastisch sinken.

Die Lieferanten sollen sich möglichst gruppieren und größere Systemeinheiten anbieten. Für die laufenden Flugzeugprogramme sind die Verträge kaum zu ändern. Doch für das Zukunftsprojekt A350 oder den Nachfolger des A320 sieht das anders aus. "Der A350 gibt uns die Gelegenheit, die Anbieterbasis für künftige Programme neu zu gestalten", sagte Courpon. "Es ist wahrscheinlich, dass es im nächsten Jahrzehnt einen Nachfolger für den A320 gibt. Dann werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein neues Spektrum Anbieter haben."

Der Einkaufschef nennt Beispiele. "Wenn wir ein Triebwerk mit 1000 Teilen von 100 Herstellern kaufen, dann schließen wir einen Vertrag zum Beispiel mit Rolls-Royce", erklärte Courpon. "Für das Fahrwerk haben wir eine Vielzahl Einzelverträge mit Firmen bis hin zum Titananbieter. Wäre es nicht klüger, lieber ein komplettes Fahrwerk zu kaufen?"

Deutsche Zulieferer fordern Staatshilfe


Deutsche Zulieferer fordern Staatshilfe

Wie viele der Teile am Ende in Deutschland, Frankreich, den USA oder anderswo gebaut werden und ob das Stellen bei Zulieferern koste, sei "völlig offen", sagte Courpon. "Das ist ein offener Prozess." Der Wettbewerb zwinge Airbus, die beste und kostengünstigste Lösung zu finden. "Das gibt Zulieferern die Chance, mit einem guten Angebot Wettbewerber zu schlagen." Hierbei handele es sich um einen industrieweiten Trend.

Ungeachtet der relativierenden Worte von Courpon haben sich die Zulieferbetriebe von Airbus am Dienstag für staatliche Hilfen stark gemacht, falls einzelne Unternehmen in Existenznot geraten sollten. Die Zulieferer erwarteten ein wirtschaftspolitisches und strukturelles Unterstützungsprogramm von staatlicher Seite als Reaktion auf die Airbus-Krise, erklärte der Verband Hanse-Aerospace in Hamburg.

Ein solches Programm werde auch den betroffenen Zulieferern in Frankreich und Großbritannien gewährt und sei sowohl industrie- und arbeitsmarktpolitisch dringend erforderlich als auch aus Wettbewerbsgründen.

FedEx storniert Bestellung für zehn A380

Am Mittwoch Nachmittag hat Airbus wegen der Lieferverzögerungen beim Superjumbo A380 die ersten Aufträge verloren: Der US-Logistikkonzern FedEx  stoppte zehn Bestellungen der Frachtversion des Großraumflugzeugs. Stattdessen orderten die Amerikaner 15 Maschinen vom Typ B-777 des Airbus-Konkurrenten Boeing  und vereinbarten eine Option auf weitere 15. "Wegen der Verfügbarkeit und des Lieferzeitplans ist die Boeing für uns die beste Wahl", erklärte FedEx-Chef Frederick Smith.

"Wir bedauern die Entscheidung natürlich", sagte Airbus-Sprecher David Voskuhl. Aber man habe Verständnis für den dringenden Bedarf von FedEx, seine Flotte auszubauen. Trotz der ersten Abbestellungen glaube Airbus weiter an den Erfolg des A380. "Er wird auch einen hervorragenden Frachter abgeben", sagte Voskuhl. Dass weitere Kunden dem FedEx-Beispiel folgen werden und ebenfalls ihre Aufträge stornieren, glaube man nicht: "Im Gegenteil, sowohl die Singapore Airlines als auch die australische Qantas  haben zusätzliche Maschinen geordert", sagte er. Qantas bestellte zuletzt im Oktober acht weitere A380. Bis zum Dienstag hatte Airbus insgesamt 167 Aufträge für den Superjet in den Büchern.

Der Flugzeugbauer musste die Auslieferung des Prestigeprojekts wegen Fertigungspannen bereits mehrfach um insgesamt zwei Jahre aufschieben. Der erste Superjumbo soll nun erst 2007 in Dienst gestellt werden. Die Verzögerungen haben den Konzern in eine Krise gestürzt. Im Oktober gab die Airbus-Mutter EADS  bekannt, dass man bis 2010 einen Verlust von 4,8 Milliarden Euro verkraften müsse.

Weitere Stornierungen könnten die Airbus-Krise verschlimmern: Die Airline Emirates - mit 45 A380-Bestellungen der größte Kunde - teilte im Oktober mit, man werde ein Expertenteam nach Europa schicken. Dieses soll prüfen, ob der neue Lieferzeitplan realistisch sei. Quantas hat nach eigenen Angaben eine solche Prüfung bereits vorgenommen - und ein positives Urteil gefällt. Die EADS-Aktien  gaben am Dienstag an der Pariser Börse um drei Prozent nach und schlossen bei 20,66 Euro. Die Boeing-Aktien  legten in New York um 3,3 Prozent auf 83,14 Dollar zu.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa