Geldpolitik Leise Mahnung an EZB

Die fünf Wirtschaftsweisen regen die Europäische Zentralbank an, die Inflation moderner zu berechnen. Selbstverständlich in aller Vorsicht: Denn ein kompletter Strategiewechsel sei nicht ratsam.

Berlin - Die fünf Wirtschaftsweisen raten der Europäischen Zentralbank (EZB), mehr Gewicht auf monetäre Inflationsprognosen zu legen. Ein Strategiewechsel der EZB sei allerdings nicht ratsam, schrieb der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Jahresgutachten, das Reuters am Dienstag in Auszügen vorlag.

Die Wirtschaftsweisen forderten aber eine Neujustierung der bisherigen Strategie. Die realwirtschaftlichen Inflationsprognosen sollten durch monetäre Prognosen ergänzt werden. Einfacher gesagt: Die Inflation soll zeitgemäßer gemessen werden.

Konkrete Vorschläge machte der Rat dazu aber nicht. Experten halten etwa einen Index für denkbar, der die Preisentwicklung von Aktien und anderen Finanzmarktprodukten widerspiegelt. Bundesbank-Präsident Axel Weber hatte bereits im Frühjahr geäußert, es sei denkbar, die Informationen über Geldmenge und Realwirtschaft in einem ökonomischen Modell zu verbinden. Bislang schätzt die EZB Risiken für die Preisstabilität zum einen anhand realwirtschaftlicher Daten, zum anderen mittels der Daten über Geldmenge und Kredite ein.

Preisniveaustabilität ist nach Definition der EZB bei einer Inflation von unter, aber nahe zwei Prozent erreicht. Der EZB ist es dem Gutachten zufolge gelungen, die Inflationserwartungen im Bereich stabiler Preisniveaus zu verankern. Weitergehende Forderungen nach mehr Transparenz, etwa durch die Veröffentlichung von Sitzungsprotokollen des EZB-Rates, lehnt das Beratergremium der Bundesregierung ab.

Und weist gleich noch auf einen anderen Diskussionspunkt hin: Die Immobilienpreise zum Beispiel. Zwar gehe momentan keine direkte Gefahr von Vermögenspreisblasen in der Euro-Zone aus. Dennoch bestünden in einigen Ländern Risiken.

manager-magazin.de mit Material von reuters