Scandlines Großes Zaudern auf der Ostsee

Ein Jahr dauert bereits der Streit zwischen den beiden Gesellschaftern von Scandlines. Die Ostseereederei soll verkauft werden, mögliche Abnehmer warten mit guten Angeboten. Doch die Dänen und die Deutsche Bahn werden sich nicht einig, an wen das Unternehmen gehen soll - es stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Hamburg – Auf der Vogelfluglinie zwischen Puttgarden und der dänischen Küste ist die Fährrederei Scandlines die Nummer eins. Die heute vorgelegten Zahlen sind auch ganz ordentlich: Ein leichtes Plus von 3 Prozent beim Güterverkehr und Konstanz bei der Zahl der beförderten Passagiere – jährlich werden 20 Millionen Gäste auf der Ostsee nicht nur zwischen Deutschland und Dänemark, sondern auch nach Schweden oder ins Baltikum transportiert.

Die Aussichten für 2007 sind gut – und ungewiss. Das Unternehmen, zur einen Hälfte eine Tochter der Deutschen Bahn und zum anderen Teil im Besitz des dänischen Transportministeriums, steht zum Verkauf. Die beiden Eigner können schon seit der Fusion im Jahr 1998 nicht richtig miteinander, die unternehmerischen Vorstellungen sind zu verschieden. Es wird verhandelt und spekuliert, doch passiert ist bisher nichts.

Den neuesten Gerüchten zufolge soll es nun Ende des Quartals soweit sein. Die betroffenen Stellen schweigen sich weiter aus. Von Zeit zu Zeit sickert der Kaufpreis durch. Und der scheint weiter zu steigen, aktuell liegen die Preisspekulationen für eine Übernahme der größten europäischen Fährreederei bei etwa 1,5 Milliarden Euro und damit doppelt so hoch wie noch vor einem Jahr. Doch auch die Verunsicherung der mehr als 2500 Scandlines-Mitarbeiter nimmt zu.

Als mögliche Käufer gelten die Deutsche Seereederei Rostock (DSR), die über eine Bietergruppe namens "Baltic Ferry Development Group" Angebote macht, und der britische Kapitalfonds "3i". Aus Kreisen ist derzeit zu erfahren, dass "3i" beim Angebot finanziell vorne liege, die DSR allerdings eine längere Jobgarantie für die Beschäftigten biete.

Als Folge des nun schon seit einem Jahr andauernden Verhandlungsmarathons werden notwendige Investitionen zurück gehalten, obwohl laut Angaben von führenden Scandlines-Managern dringend größere Schiffe benötigt werden.

Die Zeit drängt, denn noch in diesem Jahr soll die Entscheidung über den Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt fallen. Wird diese in den nächsten Jahren tatsächlich gebaut, dann könnte das langfristig fatale Folgen für die Vogelfluglinie von Scandlines haben – und damit schon jetzt erhebliche Auswirkungen auf den Preis der Fährreederei.

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